Kapitel 6~Der arrogante Wolfsjunge

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Ich wachte langsam auf und öffnete die Augen. Ich musste wegen dem grellen Licht, welches mir in die Augen schien, blinzeln. Als sich meine Sicht geklärt hatte, erkannte ich, dass ich unter freien Himmel lag. Unter meinen Händen spürten ich Gras. Ich stand vorsichtig auf wand meinen Blick von dem Himmel ab. Ich war auf einer kleinen Lichtung, um mich herum sah ich nur Bäume.

Ich konnte mich an diesen Ort nicht erinnern, was wahrscheinlich daran lag, dass ich den Wald, in dem das Haus meiner Mutter und mir war, so gut wie möglich mied.

Ich drehte mich einmal um die eigene Achse, damit ich mich besser zurecht zu finden konnte. Ich erschrak heftig, als ich den Jungen erblickte, der hinter mir gestanden hatte. Er hatte dunkel braune Augen, es war der Wolfsjunge! Die Erkenntnis ließ mich ein weiteres Mal zusammen zucken. Meine Hände begannen zu zittern, als ich mich an die Wolfsgestalt erinnerte. Ich wusste zwar nicht, ob der Junge wirklich der Wolf gewesen war, aber anders konnte ich mir nicht erklären, warum der Wolf auf einmal weg gewesen war und an seiner Stelle dieser Junge aufgetaucht war.

Instinktiv machte ich einen Schritt nach hinten. Der Junge machte keine Anstalten mich auf zuhalten, er beobachtete mich bloß aus seinen dunklen Augen. Ich schlug nervös und machte noch einen Schritt nach hinten. Im nächsten Moment drehte ich mich um und wollte wegrennen, aber eine tiefe Stimme ließ mich stoppen. „Wage es ja nicht noch einmal wegzurennen . Ich habe keine Lust dir nochmal wie ein Hund hinterher zu rennen.“

Ich drehte mich wieder zu dem Jungen um. Er hatte die Armen vor seiner Brust verschränkt, was seine Muskeln zum Vorschein brachte. Ich betrachtete ihn zum ersten Mal genauer. Er hatte hellbraune kurze Haare, bei denen ihm vereinzelnd welche auf die Stirn fielen.

Ich hatte immer noch das Bedürfnis weg zu rennen, aber wahrscheinlich hätte er mich sowieso eingeholt, also brachte es rein gar nichts. Ich dachte nochmal über seine Aussage nach und erwiderte: „Du bist doch ein Hund, also solltest du damit kein Problem haben.“ Er schnaubte und sagte: „Ich bin ein Werwolf.“ Meine Vermutung wurde also bestätigt, er war der Wolf gewesen, wenn er nicht log. Eigentlich sollte ich dass für total absurd halten, dass er behauptet ein Wolf zu sein, aber so war es nicht. Ich war wohl eher neugierig.

„Das ist der Moment, in dem du bewusstlos werden solltest. So wie die letzten Male, als du etwas gesehen oder erlebt hast, dass für unmöglich hieltst“, meinte er und grinste über seine eigene Bemerkung. „Du hältst dich also für lustig?“ Fragte ich und zog eine Augenbraue hoch. „Ich bin lustig“, entgegnete er. Ich drehte mich wieder um und ging in irgendeine Richtung. Der arrogante Wolfsjunge war davon wenig begeistert. Er holte mich ein und stellte sich vor mich, woraufhin ich stehen bleiben muss.

„Was wird das?“ Fragte er, das Grinsen war aus seinem Gesicht verschwunden. Ich musste zu ihm hoch blicken, da er deutlich größer war als ich, was nicht schwer zu schaffen war. Ich biss mir nervös auf die Unterlippe, da er mir Angst machte. „Ich wollte nach Hause gehen“ antwortete ich und ging einen Schritt nach rechts. Er stellte sich wieder vor mich und sagte: „Das kannst du gleich wieder vergessen. Diesmal mache ich es auf meine Weise. Der Plan von den anderen hat ja anscheinend nicht besonders gut geklappt, da du beim Emerald Lake deinen Namen gesehen hast.“

Meine Augen wurden groß. Er wusste von dem Baum, auf dem mein Name geschrieben stand. Vielleicht wusste er noch mehr... Ich erinnerte mich wieder an das Symbol, welches ich auf seiner Hand gesehen hatte. „Was weißt du davon?“ Fragte ich ihn. „Wovon? Von dem Baum auf dem dein Name mit deinem Blut verewigte wurde?“

Ich sah ihn geschockt an. Mit meinem Blut verewigt? Ich erinnerte mich, dass es mit einer roten Substanz geschrieben wurde. „W-was?“ Ich wusste nicht was ich fragen sollte. Ich war so verwirrt. Ich verstand überhaupt nichts mehr. „Du bist ein Werwolf, wie ich, falls du dass nicht schon selbst bemerkt hast“, sagte er. Ich sah ihn an. Er grinste nicht. Sein Gesicht war vollkommen ernst und irgendwie wusste ich, dass er die Wahrheit sagte, aber ich wollte nicht einsehen, dass ich die Erinnerung wie ich ein, mit Fell überzogenes und auf vier Beinen rennendes, Geschöpf war. Ich wollte viel lieber denken, dass es bloß ein Traum gewesen war.

Ich fing wieder an zu zittern, diesmal an ganzen Körper. Das war einfach alles zu viel für mich. Ich konnte dass alles nicht verstehen.

Ich bekam nur am Rande mit, wie der Junge sich verzweifelt durch die Haare strich und etwas fluchte. „Ich mache alles nur noch schlimmer...“, hörte ich ihn murmeln. „Ich muss zu deinen Eltern und fragen, was ich tun soll. Das hätte ich schon tun sollen, als du mich in Wolfsgestalt gesehen hattest“, redete er weiter und drehte meinen Kopf schnell zu ihm. „D- du kennst meine Mutter?“ Fragte ich verwirrt. „Nein, ich kenne deine echten Eltern.“

Das war zu fiel für mich. Das war eindeutig zu viel für mich. Er konnte auch gelogen haben, aber aus irgendeinem Grund glaubte ich ihm. Es war der gleiche Grund warum ich ihm auch glaubte, dass er und ich Werwölfe waren.

Mein Zittern wurde stärker und ich merkte, wie mein Blick verschwommener wurde. Ich verlor jegliche Kraft und sackte nach unten. Diesmal wurde ich aufgefangen und das letzte was ich hörte waren weitere Flüche. 

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