Kapitel 3~Nur ein Traum

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Ich schlug meine Augen auf und meine Augen suchten hektisch nach etwas bekanntem. Es regnete nicht mehr und ich befand mich in einem Raum, den ich nicht kannte. Meine Arme waren oberhalb der Bettdecke platziert, die meinen restlichen Körper bedeckte und warm hielt. Nur, mir war nicht warm, ich schwitzte. Mir war richtig heiß, wie im Sommerurlaub in Griechenland.

Meine Augen schweiften durch den Raum, sie waren das Einzige an mir, was ich bewegen konnte. Meine Beine und Arme fühlten sich wie gelähmt an und mein Hals ebenso. Was war nur los mit mir? Ich bekam echt ein bisschen Schiss. Erst dieser Vorfall im Wald, als ich auf einmal vier, anstatt zwei Beinen hatte, die auch noch mit Fell besetzt waren. Dieses Zeichen, das auf meiner Hand gewesen war, war echt gruselig und ich hatte keinen blassen Schimmer, woher es kam.

Das Letzte, an dass ich mich erinnern kann ist, wie meine Schnauze voll mit Wasser gelaufen ist und ich nicht mehr atmen konnte. Wer um alles in der Welt hat mich gerettet? Ich atmete tief ein und stellte fest, dass anstelle der Schnauze wieder meine kleine Stupsnase zu sehen war. Ich hatte auch kein Fell mehr. Ich war wieder ich selbst, nur mit einem tauben Körper.

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Es ist nur ein Traum, redete ich mir die ganze Zeit ein. Ich wache gleich auf, und liege in meinem Bett, dachte ich. Das war echt einer der schlimmsten Träume, die ich je gehabt hatte. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich lag gefühlt schon eine halbe Ewigkeit einfach nur in dem klapprigen Holzbett und starrte an die Decke. Kneifen konnte ich mich ja auch nicht, weil ich mich nicht von der Stelle rühren konnte. Es fühlte sich an, als wären alle meine Muskeln erschlafft.

Ich schloss meine Augen und hoffte, in den nächsten paar Minuten aufzuwachen, doch es geschah nichts. Plötzlich stürmte jemand in den Raum hinein und alles um mich herum wurde augenblicklich schwarz.

Fröhliches Vogelgezwitscher weckte mich und als ein leichter Wind durch meine Haare fuhr, öffnete ich langsam meine Augen. Irgendetwas sagte mir, dass der Sturm sich gelegt hatte, denn ich hatte schon seit Wochen keine Vogelgesänge mehr gehört. Ein kleines Lächeln machte sich auf meinen Lippen breit und ich hob meine Arme, um mich zu strecken. Ich konnte meinen Körper wieder steuern. Meine Beine und Arme waren nicht mehr taub und ich konnte mich aufrichten. Ich befand mich in meinem Zimmer. Mein kleines, aber feines, rot-gestrichenes Zimmer. Meine Mundwinkel zogen sich nun noch höher und ich erhob mich ganz aus meinem weichen Bett, um zum Fenster zu gehen. Ich lehnte mich nach draußen und legte meine Arme auf die Fensterbank. Ich genoss das schöne Wetter. Es war blauer Himmel und die Sonne strahlte so hell, wie lange nicht mehr. In dem Moment war mir egal, was passiert war, ich war einfach froh, dass ich zu Hause war und die Sonne sich endlich gezeigt hatte.

Ich tapste zu meiner Kommode und fischte eine enge Jeans und ein kariertes Hemd heraus. Schnell warf ich mich in mein Outfit und stellte mich vor den Spiegel, der sich neben meinem Bett befand. Meine gewellten, roten Haare waren zerzaust und standen in alle Richtungen ab. Ich sah grausam aus. Ich kämmte meine Haare durch und band sie dann zu einem hohen Dutt zusammen. Ich warf mir noch einen letzten Blick zu und verließ dann mein Zimmer. Ich lief die hölzerne Treppe hinunter in die Küche und wollte gerade „Guten Morgen", rufen, da bemerkte ich, dass die Küche leer war. In dem Wohnzimmer war auch niemand. Ich lief durchs ganze Haus, fand jedoch niemanden. „Mom?", krächzte ich, doch ich bekam keine Antwort. Wo konnte sie bloß sein?

Vielleicht ist sie einkaufen gegangen und hat vergessen, mir einen Zettel zu schreiben, dachte ich und hoffte insgeheim, dass es stimmte. Mit dem Gedanken im Kopf, steckte ich zwei Toasts in den Toaster und mischte mir einen Kakao zusammen. Ich deckte den Tisch und (nur für mich) und sah, dass noch ein Teller auf dem Tisch stand. Er lag vor dem Stuhl meiner Mom. Sie hatte ein halbes Brötchen auf dem Teller liegen gelassen und ihr Glas war noch bis obenhin mit einer undefinierbaren Flüssigkeit gefüllt, die leicht rötlich schimmerte. Ich schüttelte den Kopf und verbannte den Gedanken, der mir in den Kopf schoss direkt wieder. Anschließend frühstückte ich gemütlich und blieb noch zehn Minuten sitzen, bis ich alles wegräumte und mich ins Bad begab.

Ich drückte Zahnpasta auf meine Zahnbürste und öffnete den Mund. Als ich meine Zähne sah, fiel mir die Zahnbürste aus der Hand und schmierte die halbe Zahnpasta in meinem Hemd ab. Ungläubig näherte ich mich dem Spiegel und begutachtete das, was verantwortlich dafür war, dass mein Hemd voller Zahnpasta war. Dort, wo eigentlich meine Eckzähne hätten sein sollen, waren oben und unten an beiden Seiten Löcher. Keine Zähne. Wie konnte ich das beim Essen nicht bemerkt haben?  

Wie war das passiert? Ich meine, ich hatte kein Karies oder Sonstiges. Mein Zahnarzt hat mich außerdem immer für meine großartige Zahnpflege gelobt. Ich wollte nach meiner Mutter rufen, doch dann fiel mir wieder ein, dass sie ja nicht zu Hause war. Ich beugte mich erneut vor, um das Grauen zu begutachten, da ertönte das schrille Klingeln der Türklingel und ich zuckte heftig zusammen.

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