Vor mir stand ein hochgewachsener Junge mit trüben, gelben Augen und tiefschwarzen Haaren. Er schien mich mit seinem Blick zu durch bohren und ich spürte wie mein Herz schneller schlug. Kyle stellte sich schützend vor mich. „Was machst du hier?" Knurrte Kyle durch zusammen gebissenen Zähnen. Kannte er ihn etwa? „Das weißt du ganz genau. Dir habe ich es zu verdanken, dass ich nicht mehr dem Rudel angehöre", schrie er. „Das hast du allein dir zu verdanken, Drake du Verräter", konterte Kyle. Der schwarz haarige Junge, Drake, trat einen Schritt nach vorne und sagte: „Du wirst deine Taten irgendwann noch bereuen, Bruder." Er funkelte Kyle wütend an, woraufhin Kyle droht: „Das wagst du nicht!" Sofort zogen sich Drake's Mundwinkel, zu einem gehässigen Grinsen, nach oben.
Im nächsten Moment kniete er sich mit dem linken Bein nach unten und legte die flache rechte Hand auf den Boden. Er fing am ganzen Körper an zu zucken und jaulte in einem grässlichen Ton. Die auf dem Boden liegende Hand wurde einige Zentimeter in den Boden gesogen. Was alles nächstes geschah, ging so schnell, dass ich es gar nicht realisiert hatte. Seine Hand verwandelte sich in eine Wolfspfote und binnen weniger Sekunden war die Verwandlung vollendet und ein großer, mächtiger Wolf stand vor uns, der die Zähne fletschte. Ehe ich mich versah, war auch Kyle verwandelt und stieß mich zur Seite. Ich fiel hin und mein Ellbogen wurde gegen die Kante eines Steines geschleudert.
Die zwei Wölfe schenkten mir keine Beachtung, stattdessen stürzte sich Drake auf Kyle. Kyle wich zur Seite Drake sprang ins Leere. Als Drake sich gesammelt hatte, nutzte Kyle die Gelegenheit und griff Drake von der Seite an. Drake jaulte schmerzerfüllt auf, als Kyle ihm in seine linke Vorderpfote biss. Drake versuchte sich loszureißen, als das nicht klappte, schlug er mit seinen Zähnen in Kyle's Ohr. Daraufhin ließ Kyle von der Pfote ab und verpasste Drake eine tiefe Wunde an seiner Schnauze, mit seinen Krallen. Sie entfernten sich voneinander und standen sich gegenüber. Sie bewegten sich in einer kreisförmigen Bewegungen und behielten sich dabei die ganze Zeit im Auge. Im nächsten Moment sprangen beide aufeinander zu. Der Kampf verlief so schnell, dass ich nur jaulen und knurren wahr nahm.
Nach einer Weile ließ Drake von Kyle ab und lief humpelnd in den Wald. Ich sah zu Kyle der mittlerweile wieder ein Mensch war und erschöpft auf dem Boden lag. Er hatte die Augen geschlossen und seine Brust hob sich nur leicht. Erschrocken lief ich zu ihm und kniete mich neben ihm. „Kyle?", flüsterte ich. Er zeigte keine Regung. „Kyle wach auf", rief ich hektisch. Als er immer noch kein Lebenszeichen von sich gab, wurde ich noch panischer. „Das ist kein bisschen lustig kein, hör auf damit!", zischte ich ihn an. Ich rüttelte an seiner Schulter. „Was kann ich bloß tun?", flüsterte ich. „Wie wäre es mit Mund zu Mund Beatmung", hauchte er. „Kyle, du Arsch!" rief ich und sprang auf. Kyle öffnete die Augen und richtete sich auf. Er humpelte zu mir rüber und ich merkte wie wackelig er auf den Beinen war. Meine Wut auf ihn war verflogen und Besorgnis machte sich in mir breit. „Alles okay?", fragte ich. „Ja natürlich mir geht's blendet, ich hab mich nur grade mit einem Wolf duelliert" lachte er sarkastisch. Ich hingegen fand das gar nicht lustig und guckte ihn grimmig an. „Hey, komm es tut mir leid, dass ich dich eben reingelegt habe", meinte er und lächelte mich süß an, während er mich mit seinen großen Hundeaugen ansah. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Einerseits musste ich lachen, aber andererseits hätte ich vor Wut explodieren können.
„Jetzt hör auf mich zu verarschen und sag mir wie es dir wirklich geht", sagte ich zu ihm. „Na ja... seine Zähne haben mich am Ohr erwischt", antwortete er und fasste an sein Ohr. Er nahm seine Hand wieder weg und Blut war darauf zu sehen. Erschrocken quiekte ich auf und rief: „Kyle! Du blutest ja. Du brauchst einen Arzt." „Ach das ist halb so wild" versuchte er es runter zu spielen. „Das wird lediglich ein Ohrloch sein."
„Fall du Ohrringe brauchst, ich hab noch ganz viele zu Hause", neckte ich ihn und lachte. Sofort verzog er sein Gesicht, doch man konnte ihn ansehen, dass er sein lachen unterdrücken musste. „Was war das überhaupt für ein Wolf?", wechselte ich das Thema. Er wurde nervös und fuhr sich durch die Haare. Er mied meinen Blick und stotterte: „Das war niemand, niemand um den du dich sorgen machen musst." „Niemand um den ich mich sorgen machen muss?" fragte ich entsetzt „Er hätte dich fast getötet." „Hey! Ich war klar im Vorteil. Ich hätte einen Pelzmantel aus ihm machen können, wenn er nicht vor Angst weggerannt wäre", verteidigte er sich und verschränkte die Arme vor der Brust. „So leicht kann man also dein Ego verletzten?", fragte ich belustigt. Er rümpfte nur die Nase und ignorierte meine Frage.
„Es wird langsam dunkel", merkte er an, woraufhin ich in den Himmel schaute. „Du solltest lieber nach Hause gehen", meinte er. „Ich will aber noch nicht dorthin", sagte ich. Ich musste erst mal damit klar kommen, dass meine Mutter nicht meine richtige Mutter war... „Wo willst du dann hin, Madame neunmalklug?", fragte er und zog eine Augenbraue hoch. „Ich weiß nicht... Irgendwo hin, aber nicht nach Hause", sagte ich. „Wie auch immer... Mach was du willst, ich gehe jetzt nach Hause", erwiderte er und ging weg. „Nein! Warte Kyle", rief ich ihm hinterher und er drehte sich um.
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Emerald wolve
WerwolfWährend eines starken Sturmes wurde die 16 Jährige Mila Kingston fast von einem Baum erschlagen. Dank einer unbekannten Person wurde sie gerettet. Wer diese Person war und welch ein Schicksal Mila bevorstand, erfuhr sie noch früh genug.
