"Super, ich kann dich nämlich auch nicht ausstehen", entgegnete ich. Er schnaubte als Antwort. "Wenn du mich nicht ausstehen kannst, was willst du dann von mir?" Fragte ich ihn. Diese Frage ging mir schon die ganze Zeit durch den Kopf. "Glaub mir ich wäre liebend gerne wo anders, aber mir wurde die Aufgabe zu getragen, auf dich aufzupassen."
Ich zog eine Augenbraue hoch und erwiderte: "Aufpassen? Das gelingt dir aber nicht so gut. Immerhin bin ich einmal fast ertrunken und davor wurde ich fast von einem Baum erschlagen." "Denke mal drüber nach, warum es immer nur fast war. Was glaubst du denn wer dich gerettet hat?" Fragte er und funkelte mich wütend an.
Ich runzelte die Stirn. Das konnte er doch nicht Ernst meinen? "Warst du das?" Fragte ich ihn unsicher. "Natürlich war ich das! ... Und damit du es weißt, nur weil du dich einmal fast töten lassen hast, hast du dich jetzt in diese Lage gebracht. Also schnauz' mich gefälligst nicht an, wenn du mit den ganzen Dingen nicht klar kommst, denn das hast du dir selbst zu zuschreiben", sagte er und hob die Stimme am Ende an. "Warum ist das denn bitte meine Schuld?" Fragte ich bissig zurück.
"Du bist 16 Jahre alt. Normalerweise verwandelt man sich das erste mal in einen Werwolf, wenn man 18 Jahre alt ist. Jedoch gibt es Ausnahmen, z.B. wenn man von einem anderen Werwolf gerettet wird, verwandelt man sich schon früher", erklärte er, seine Stimme war mittlerweile wieder ruhiger. Meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich kam einfach noch nicht mit dieser Situation klar. Meine Gefühle übermannten mich. So wie ich es verstanden hatte, war es mein Schicksal mich in einen Werwolf zu verwandeln. Ich hätte also nichts dagegen tun können....
"Es ist ganz sicher nicht meine Schuld, dass der Baum mich fast erschlagen hätte", sagte ich und meine Stimme brach etwas. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und blinzelte die Tränen, die sich in meinen Augen gesammelt hatten, weg. Zu weinen würde die Situation auch nicht besser machen.
Ich fühlte mich völlig ausgelaugt. Ich wusste nicht was ich denken sollte, außerdem war ich immer noch so verwirrt. Ich wollte Antworten auf meine Fragen, aber noch mehr wollte ich nach Hause gehen.
Deshalb fasste ich einen Entschluss. Dieser Idiot konnte mir nicht vorschreiben was ich zu tun und lassen sollte.
Ich stand auf und ging an ihm vorbei. "Wo zum Teufel willst du jetzt schon wieder hin gehen?" Fragte er und folgte mir. Ich ließ mich nicht beirren und öffnete die Tür. Ich ging aus dem Raum und fand mich in einem Flur wieder. Am Ende des Flures war eine andere Tür. Ich ging darauf zu und konnte um mich herum vier weitere Räume sehen, eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Badezimmer und ein verschlossenes Zimmer, was wahrscheinlich ein Schlafzimmer war.
Ich öffnete die Tür und Schritt nach draußen. Das Haus in welchem ich eben gewesen war, lag mitten im Wald. Da ich keinen blassen Schimmer hatte, wo ich war schlug ich eine beliebige Richtung ein. Der Werwolf schloss zu mir auf und ging neben mir. "Wo willst du hin?" Fragte er. "Nach Hause", antwortete ich knapp.
„Nach Hause? Du gehst nirgendwo hin, solange ich es dir nicht erlaube“ sagte er harsch. Wie bitte? Ich hatte mich wohl verhört! Ich blieb stehen und sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. „Jetzt spiel' dich hier mal nicht so auf!“, rief ich wütend „Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich habe erfahren, dass ich ein Werwolf bin und dass meine Mutter vielleicht nicht meine richtige Mutter ist. Mit diesen Informationen muss ich erst mal klar kommen und das geht sicherlich nicht, wenn ich in einem fremden Haus, mit einem arroganten Idioten, bin.“ Ich schnaubte noch einmal wütend und ging wieder weiter.
Zuerst dachte ich, dass er mich in Ruhe lassen würde, aber dann hörte ich wieder Schritte neben mir. „Was?“, fragte ich ihn genervt und drehte meinen Kopf zu ihm. Auf seinem Gesicht war ein kleines Grinsen zu sehen, als er erwiderte: „Dein Haus liegt in der anderen Richtung.“ Oh. Ich hatte gedacht, dass er mich abhalten wollte weg zu gehen, aber stattdessen half er mir. „Danke“, murmelte ich und ging in die Richtung, die er mir an zeigte.
Er ging neben mir.
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Emerald wolve
WerewolfWährend eines starken Sturmes wurde die 16 Jährige Mila Kingston fast von einem Baum erschlagen. Dank einer unbekannten Person wurde sie gerettet. Wer diese Person war und welch ein Schicksal Mila bevorstand, erfuhr sie noch früh genug.
