Ich wusste nicht wie lange ich schon gelaufen war, als ich plötzlich ein Plätschern wahrnahm.
Ich folgte dem Geräusch und es dauerte nicht lange, da lichteten sich die Bäume und gaben, zu meiner Enttäuschung, den Blick auf einen Bach frei. Erschöpft kniete ich mich vor ihm und faltete meine Hände übereinander. Ich tauchte diese unter Wasser und nahm daraufhin einen großen Schluck vom Wasser.
Ich wollte mich wieder aufrichten, sah aber plötzlich eine Bewegung vor mir. Ich beugte mich etwas weiter vor um zu erkennen was dort vor mir war, als mich eine Stimme hinter mir, aufschrecken ließ: „Ich bin nicht im Wasser, sondern hinter dir."
„Kyle", sagte ich und drehte mich zu ihm, während ich mich aufrichtete. „Was machst du hier?", fragte ich und versuchte so zu tun, als wäre ich nicht unendlich glücklich, dass er hier war und ich nicht länger allein durch den Wald irren musste.
„Ich hab nach dir gesucht. Es ist fast neun Uhr... Ich hab mir einfach Sorgen gemacht, weil Tamia dich allein gelassen hast, obwohl du dich hier nicht auskennst."
„Jetzt hast du mich ja gefunden. Und Tamia ist nicht schuld daran, ich hab sie weggeschickt. Ich hab nicht darüber nachgedacht... Na ja, ich bin dir jedenfalls dankbar, dass du nach mir gesucht hast, nicht dass ich es nicht irgendwann geschafft hätte alleine zum Emerald Lake zu kommen, denn das hätte ich", meinte ich. Er grinste und entgegnete: „Sicher hättest du das..."
Ich ignorierte sein Grinsen und machte mich auf den Weg. „Aber vorerst müsstest du die richtige Richtung einschlagen." Peinlich berührt, drehte ich mich wieder um und ging in die entgegengesetzte Richtung. „Ich wollte dich nur testen", antwortete ich. Kyle lachte nur und folgte mir.
Wir mussten gar nicht so lange gehen, da waren wir schon am Emerald Lake. Wie Tamia mir am morgen berichtet hatte, warteten schon einige andere dort. Ich war natürlich die Letzte gewesen.
Kyle und ich gesellten uns zu den anderen und er stellte mich erst mal vor. „Leute, das ist Mila." Einige lächelten mich freundlich an, aber andere sahen mich misstrauisch oder sogar genervt an. Ein Mädchen von ihnen, sah mich ebenfalls aus ihren dunkelblauen Augen genervt an und sagte: „Wir wissen wer sie ist, Kyle. Sie ist Mila Kingston, aber das gibt ihr noch lange nicht das Recht so spät zu kommen."
„Das ist dann wohl meine Schuld, immerhin hätte ich sie nicht alleine lassen sollen. Und du musst deine schlechte Laune nicht an ihr auslassen, Marie", mischte sich Tamia ein. Ich blickte überrascht zu dem Mädchen mit den dunkelblauen Augen. Sie ist Marie? Meinte Tamia nicht, sie wäre total lieb? „Es war nicht deine Schuld Tamia", meinte ich. Bevor Tamia etwas darauf erwidern konnte, mischte sich ein anderes Mädchen ein: „Hören wir jetzt auf mit diesen Blödsinn! Wir sind jetzt vollzählig und haben noch genug Zeit zum trainieren. Ich bin übrigens Linda." Sie lächelte mich freundlich an und ich erwidert ihr Lächeln.
Marie hatte anscheinend noch keine Lust mit dem Thema abzuschließen: „Schade eigentlich, dass sie sich nur verirrt hatte. Von mir aus hätte sie wieder zu Drake rennen können, denn sie gehört genauso wenig zu unserem Rudel an, wie er." „Marie! Das kannst du doch nicht sagen! Drake hat einen Wolf getötet und dass ist sicherlich nicht damit gleichzustellen, dass Mila nicht hier leben konnte, weil es zu gefährlich für sie war", entgegnete Tamia empört. Warum sind alle eigentlich immer der festen Überzeugung, dass Drake den Wolf wirklich getötet hat? Genau diese Frage stellte ich laut und auf einmal verstummten alle und sahen mich schockiert an. „Mila, ich hab dir doch schon erklärt, wie es passiert ist", sagte Kyle.
„Glaubst du etwas nicht, dass Drake, Brian getötet hat?", fragte ein Junge, dessen Namen ich nicht kannte. Ich schüttelte den Kopf und alle sahen mich nur noch schockierter an. Es verging eine Weile, bis endlich ein anderes Mädchen mir versucht zu erklären, warum alle so schockiert waren: „Mila, wir verstehen ja, dass du das nicht so ganz verstehen kannst, aber wir haben das alles mitbekommen und jeder wusste, wie neidisch Drake auf Brian war, besonders wegen der Hochzeit und Drake kam nachdem er verbannt wurde noch einmal zum Rudel, nur um uns nochmal zu drohen. Er hat gesagt, so wie er Brian getötet hat, wird er jeden einzelnen von uns töten.Jeder von uns hat das mitbekommen und viele sind zum Tatort gerannt und sind auch einer Blutspur von Drake gefolgt um gegen ihn zu kämpfen. Sie haben ihn zwar nicht gefunden, aber der Geruch sprach auch noch einmal dafür, dass er es getan hat. Sein Geruch mit dem Blut von Brian gemischt, war einfach Beweis genug."
Ich schluckte schwer und begann zu realisieren. Es gab zwei Seiten. Einmal Drake, mit seiner Geschichte die immer unlogischer wird, weil viele Details fehlten und auf der anderen Seite, Kyles Geschichte, hinter der ein ganzer Rudel und tausend Beweise standen. Ich wusste nicht, warum ich erst jetzt bemerkte wie unrealistisch Drakes Geschichte sich anhörte. Als er sie mir erzählt hatte, hab ich gar nicht wirklich darüber nachgedacht, was er mir überhaupt erzählt hat. Ich konnte nicht klar denken, als ich bei ihm war, aber jetzt konnte ich klar denken. Und jetzt musste ich enttäuscht feststellen, das Drake mich belogen hatte.
„Sie glaubt uns nicht", meinte Marie „Vielleicht will sie ja wieder zu Drake und so enden wie er. Ich würde sie nicht aufhalten. Ich weiß sowieso nicht, warum alle dafür waren, sie wieder zurück zu holen, nachdem sie mit Drake weggerannt ist." „Da würde ich sie ja lieber eigenhändig zurück schleifen, wenn sie nochmal auf die Idee kommt, weg zu rennen, ob mit Drake oder ohne spielt keine Rolle. Ich wünsche ihr so ein Schicksal einfach nicht, denn sie hat nichts böses getan", erwiderte Tamia.
„Was für ein Schicksal würde ich den erleiden, wenn ich wegrenne?", fragte ich neugierig.
„Wölfe leben im Rudel", erklärte Kyle: „Nachdem sie ein Jahr von ihrem Rudel getrennt werden, tut ihnen das nicht gut und sie werden langsam aber sicher verrückt. Wenn sie sich verwandeln wollen, erleiden sie Schmerzen und irgendwann, da können sie sich nicht mehr in einen Wolf verwandeln. Zurück bleibt ein verrückt gewordener Mensch, dem ein Teil von sich selbst fehlt."
„Aber keine Angst, Mila. Du kannst deinen Schatz von seinem Schicksal erlösen, indem du mit ihm ein neues Rudel gründest", sagte Marie weiter. Linda sah sie verwirrt an und meinte: „Du weißt, dass sie das nicht kann. Nur Wölfe die für einander bestimmt sind, sind in der Lage so etwas zu machen und Drake wurde am 18.02 verwandelt, er ist also unmöglich für sie bestimmt."
Es war wirklich ziemlich nervig, wie Marie mich immer runter machen wollte. Was hatte ich ihr denn getan?
Zum Glück hatte diese Diskussion ein Ende, den ein Junge machte darauf aufmerksam, dass wir eigentlich zum Training hier waren. Ich wusste zwar nicht wie das Training ablaufen würde, aber ich war froh, dass die Diskussion endlich vorbei war.
DU LIEST GERADE
Emerald wolve
Hombres LoboWährend eines starken Sturmes wurde die 16 Jährige Mila Kingston fast von einem Baum erschlagen. Dank einer unbekannten Person wurde sie gerettet. Wer diese Person war und welch ein Schicksal Mila bevorstand, erfuhr sie noch früh genug.
