Wir entschlossen uns zum Rudel zurück zu kehren, da man schon die ersten Sterne am Himmel erkennen konnte und ich außerdem keine Lust hatte, eine zweite Nacht neben Kyle zu verbringen, was ich mir einredete.
Ich wollte mir auf keinen Fall noch einmal seine bescheuerten Bemerkungen anhören.
Er sollte sich bloß nichts darauf einbilden. Außerdem reagierte ich im Moment so anders, weshalb es mir am liebsten war, wenn er gar nichts sagte. Alles was aus seinem Mund kam, waren eigentlich so gut wie immer blöde Bemerkungen, die an mich gerichtet waren. Irgendwie fand ich seine früheren Bemerkungen sogar besser, als seine jetztigen Bemerkungen, denn die waren eher genervt, jetzt machte er eher Anspielungen. Ich versuchte zwar, nicht auf diese Aussagen einzugehen, aber es fiel mir sehr schwer. Am Ende verdrehte ich dann nur die Augen und versuchte das Thema zu wechseln, woraufhin er immer so bescheuert grinste.
Wir schlenderten gemeinsam (ich nahm extra ein bisschen Abstand) durch den Wald. Ich starrte beim Gehen auf meine Pfoten, da ich immer noch nicht glauben konnte, dass ich wirklich ein Werwolf war. Ich hatte vorher nicht wirklich einen engen Draht zu allgemein Wölfen und Hunden gehabt. Ich habe mich auch nie zuvor wie ein Wolf gefühlt. Bis jetzt. Während man langsam schon ein Haus unseres Rudels in der Ferne erkennen konnte, merkte ich, dass Kyle wieder unmittelbar neben mir lief.
Ich drehte meinen Kopf in seine Richtung und verdrehte die Augen. War ja klar, dass er sich mir wieder nähern musste.
Ich wollte gerade losstürmen, und auf mein Haus zu laufen, da blieb Kyle abrupt stehen und erstarrte. Er stand einfach da. Das Einzige, was sich bewegte, war seine Nase (Schnauze). Sofort blieb ich automatisch stehen. Ich dachte erst, dass er mich einfach verarschen wollte, aber als ich in seine Augen blickte, wusste ich, dass das nicht der Fall war.
Die Situation war ernst. Obwohl ich nicht wusste, in welcher Situation wir uns befanden, tat ich es Kyle gleich und bewegte mich nicht mehr.
Stille. Es herrschte Stille. Es schien, als hätten alle Vögel aufgehört zu zwitschern und die Bäume aufgehört zu rascheln. Es war einfach leise. Ich hatte Angst, Kyle zu fragen, was los war. Ich tat einfach das, was ich für richtig hielt. Nichts.
Als ich es wagte, einen Blick zu Kyle zu werfen, schien er mir etwas sagen zu wollen. Er deutete mit seiner Schnauze immer wieder in Richtung des Rudels. Was wollte er mir damit sagen. Als er dann leicht seine Pfoten anhob, wusste ich, was er mir damit sagen wollte, doch es war zu spät. Ich wollte gerade los sprinten, doch da richtete sich ein riesiger, dunkler Schatten vor mir auf und mir gefror augenblicklich das Blut in den Adern. Ich traute mich gar nicht, nach oben zu gucken, denn ich wusste, was ich dort sehen würde.
Vor mir stand ein hochgewachsener Junge mit trüben, gelben Augen und tiefschwarzen Haaren. Er schien mich mit seinem Blick zu durch bohren und ich spürte wie mein Herz schneller schlug. Kyle stellte sich schützend vor mich. „Was machst du hier?" Knurrte Kyle durch zusammen gebissenen Zähnen. Kannte er ihn etwa? „Das weißt du ganz genau. Dir habe ich es zu verdanken, dass ich nicht mehr dem Rudel angehöre", schrie er. „Das hast du allein dir zu verdanken, Drake du Verräter", konterte Kyle. Der schwarz haarige Junge, Drake, trat einen Schritt nach vorne und sagte: „Du wirst deine Taten irgendwann noch bereuen, Bruder." Er funkelte Kyle wütend an, woraufhin Kyle droht: „Das wagst du nicht!" Sofort zogen sich Drake's Mundwinkel, zu einem gehässigen Grinsen, nach oben.
Nein, dass konnte nicht war sein. Vor mir stand Drake. Als Mensch. Seine pechschwarzen Haare fielen ihm auf die Schultern und er starrte mich mit seinen gelben Augen an, als würde er mich gleich auffressen wollen. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Wieso ließ Drake sich jetzt und hier blicken? Ich hatte keine Zeit mehr, mir diese Frage zu beantworten, denn er kniete sich schon auf den Boden. Alles, was ich dachte, war nur: Oh Nein!
Sein linkes Bein kniete nun und seine rechte Hand legte er flach auf den Boden. Er fing am ganzen Körper an zu zucken und jaulte in einem grässlichen Ton. Die auf dem Boden liegende Hand wurde einige Zentimeter in den Boden gesogen. Und jetzt ging alles wieder ganz schnell. Seine Hand verwandelte sich in eine Wolfspfote und binnen weniger Sekunden war die Verwandlung vollendet und ein großer, mächtiger Wolf stand vor uns, der die Zähne fletschte. Ich wäre, als das das erste Mal passierte, vor Angst fast in Ohnmacht gefallen. Doch dieses Mal war es anders. Ich hatte noch mehr Angst vor dem, was als nächstes passieren würde, denn jetzt wusste ich, wozu er fähig war.
Eigentlich ein guter Grund, mich von ihm fern zu halten. Doch ich war gefangen. Ich konnte nicht weg. Er versperrte mir den Weg. Wenn ich versucht hätte, zu fliehen, hätte er mich wahrscheinlich bei lebendigen Leib zerrissen. Und das konnte ich mir nicht leisten. Ich hatte solche Angst, dass ich am liebsten einfach los geschrien hätte, doch ich konnte mich nicht mehr bewegen.
Und dann begann er, um mich herum zu schleichen. Als er mich einige Male umrundet hatte, blieb er direkt vor mir stehen. Ich gab mir Mühe, ihn nicht anzugucken, aber ich konnte nicht andrs, als in seine trüben, gelben Augen zu gucken.
„Hast du mich vermisst?"
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Emerald wolve
WerewolfWährend eines starken Sturmes wurde die 16 Jährige Mila Kingston fast von einem Baum erschlagen. Dank einer unbekannten Person wurde sie gerettet. Wer diese Person war und welch ein Schicksal Mila bevorstand, erfuhr sie noch früh genug.
