Von meiner Hand aus durchströmte mich wieder dieses Gefühl. Dieses unbeschreibliche Gefühl. Es fuhr durch meinen ganzen Körper und ich schloss automatisch meine Augen, ohne es wirklich zu wollen. Und dann ganz urplötzlich spürte ich nichts mehr. Ich spürte meinen Körper nicht mehr, hatte überhaupt kein Gefühl mehr und konnte sogar nichts mehr bewegen. Ich fühlte mich wie gelähmt (dieses Gefühl hatte ich ja schon öfters gehabt).
Für eine kurze Zeit wurde mein Hirn ausgeschaltet und ich konnte nichts mehr denken, bis zu dem Moment, in dem sich meine Augen langsam öffneten und ich wieder bei Bewusstsein war. Je weiter meine Lider sich öffneten, desto heller wurde es.
Meine Ohren vernahmen ein höllisch lautes Geräusch, was sich anscheinend ziemlich in meiner Nähe befand. Ein Geräusch, welches ich im ersten Moment nicht richtig einschätzen konnte. Einerseits hörte es sich nach Vogelgezwitscher an, andererseits nach einem Knurren. Sogar Wasser dachte ich zu vernehmen.
Als sich meine Sicht schärfte, konnte ich erkennen, wo ich mich befand. Ich lag am Ufer des Emerald Lakes. Und meine Befürchtungen waren leider eingetreten; ich befand mich nicht mehr in meinem menschlichen Körper, sondern in dem eines Wolfes.
Meine schmalen Pfoten berührten leicht das kühle Wasser. Als ich meinen Kopf hob, schien mir die Sonne direkt ins Gesicht, sodass ich meinen Kopf in die andere Richtung drehte. Plötzlich vernahm ich wieder dieses komische Knurren, welches mir vorher schon aufgefallen war. Ich versuchte, mich aufzurappeln, denn ich wusste nicht ganz, wie ich laufen sollte. Jedoch machte ich mir vorher viel zu viele Gedanken, denn ich konnte einfach laufen.
Meine Beine trugen mich, als trüge ich schon Jahre lang Wolfsblut in mir. Ich setzte langsam aber sicher einen Fuß vor den anderen und mit jedem Schritt, den ich tätigte, wurde das Knurren lauter und lauter. Als ich an einem Baum angekommen war, sah ich, von wem das Geräusch kam. Hinter dem Baum stand Kyle, der schlagartig aufhörte, zu knurren, als er mich erblickte.
Seine Augen blickten freundlich in meine. Er tapste hinter dem Baum hervor und kam stolz auf mich zu. Wie sollte ich mich jetzt bitte mit ihm verständigen? Ich hatte keine Ahnung, wie ein Wolf spricht, geschweige denn, kannte ich die Sprache der Wölfe. Ich hatte noch viel zu lernen.
„Wie geht es dir?", vernahm ich auf einmal in meinem Kopf, als Kyle vor mir stehen blieb.
Woher kam das denn jetzt? Ich hatte nichts gesagt und Kyle hatte auch nichts gesagt. Er hatte zum mindest seinen Mund nicht bewegt. Mittlerweile war ja alles möglich. Mein Fantasiehorizont hat sich seit die ganze Wolfsgeschichte angefangen hatte ziemlich erweitert.
Ich hielt es sogar gar nicht mehr für so unwahrscheinlich, dass es Feen oder Trolle gab.
Vielleicht kommunizierten Wölfe ja über Gedanken, dachte ich, verwarf diese Überlegung jedoch wieder, da ich das doch echt zu abgedreht fand.
"Mila? Wie geht es dir? Denke deine Antwort, wir Wölfe kommunizieren über unsere Gedanken miteinander. Vielleicht hört sich das jetzt ein bisschen komisch an, aber du kannst es ja mal ausprobieren", erklang wieder eine Stimme in meinem Kopf, die sich verdammt nach Kyles anhörte.
"Mir geht es gut", dachte ich. Mehr wollte ich ihm vorerst nicht mitteilen.
"Komm mit", befahl er mir und drehte sich um.
Das ließ ich mir nicht zwei Male sagen und folgte ihm sofort. Er lief direkt auf den See zu und blieb kurz davor stehen. Als ich dort auch ankam, drehte Kyle seinen Kopf und zwei wunderschöne Wolfsaugen strahlten mir entgegen.
In diesem Moment fühlte ich mich irgendwie so glücklich. Ich wusste nicht wieso, aber ich war es einfach.
Kyle wandte seinen Kopf wieder zum Wasser und sprang dann mit einem großen Hechtsprung in den See und tauchte komplett ab. Ich wartete am Ufer und beobachtete gespannt das Wasser. Er war schon ziemlich lange dort im Wasser und er tauchte nicht auf.
Langsam machte ich mir Sorgen. Nervös tippelte ich am Ufer hin und her und regckte meine Schnauze nach vorne und nach ihm Ausschau zu halten, doch er tauchte nicht auf.
Ich begann leicht panisch nach ihm zu rufen.
"Kyle?! Kyle, wo bist du?", rief ich in Gedanken und hoffte auf eine Antwort, doch es kam keine.
Wollte er mich nur verarschen, oder war es echt? War ihm dort unten etwas passiert? Ich konnte nicht anders und sprang mit einem Hechtsprung (so wie eben Kyle) in den Emerald Lake.
Als ich eintauchte war meine Sicht noch leicht verschwommen, doch als sich meine Sicht dann verschärfte, konnte ich noch sehen, wie eine Wolfspfote nach oben schwamm. Sofort reagierte ich und schwamm auch nach oben.
Als ich auftauchte, paddelte Kyle neben mir mit einem Fisch im Maul. Er schien mich leicht anzugrinsen.
"Du hast dir Sorgen um mich gemacht", hörte ich in meinen Gedanken.
"Nein, habe ich nicht", erwiderte ich und ruderte beleidigt zum Ufer zurück.
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Emerald wolve
Hombres LoboWährend eines starken Sturmes wurde die 16 Jährige Mila Kingston fast von einem Baum erschlagen. Dank einer unbekannten Person wurde sie gerettet. Wer diese Person war und welch ein Schicksal Mila bevorstand, erfuhr sie noch früh genug.
