51. Komm zu uns und reih dich ein...

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Hallo ihr Menschen und besonders Little_Ravio :) Ich hoffe, du hast den Tag heute gut überlebt... Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch!
Viel Spaß Fee

Veröffentlichungsdatum/Überarbeitungsdatum: 05.05.2022/...

Personen: Till Lindemann, Paul Landers

Sicht: Till


Ein paar Wochen später...
Ich atmete tief durch, bevor ich aus meinem Auto auf den Gehweg des Prenzlauer Bergs stieg. Mein Kopf schnellte nach links und rechts, bevor ich mich langsam in Bewegung setzte. Ich blinzelte: lange war ich ja nicht mehr hier gewesen. Von Richard hatten wir immernoch nichts gehört. Wenn ich ehrlich war, hatte ich ihn fast schon aufgeblendet. Ich machte mir allein Sorgen um Paul, der sich kaum noch meldete. Da wir in den letzten Tagen überhaupt nichts mehr von ihm gehört hatten, hatte ich beschlossen, nach ihm zu sehen. Vielleicht brauchte er jemandem zum reden?
Ich öffnete mit einem Schlüssel die Haustür und hielt erst wieder im obersten Stock vor dem Eingang von Richards Penthouse. Ich klopfte und rief sacht gegen die Tür: „Paul?"
Als niemand antworte, schloss ich auf. Sofort kam mir eine dicke Wolke stickiger Luft entgegen. Ich blinzelte, die Fenster waren abgedunkelt und kaum Licht lag in dem sonst so hellen Räumen. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah ich mich um: es herrschte Chaos. Überall standen Pizzakartons oder Papschachteln herum und auf allen Möbelstücken lag eine gut sichtbare Staubschicht. Ich tastete mich weiter durch die Wohnung. „Paul?", flüsterte ich.
Ich fand ihn schlussendlich im Schlafzimmer. Er lag mit dem Rücken zu mir auf dem Bett. Ohne ein Wort zu sagen und nicht allzu hektisch, ließ ich mich neben ihm nieder.
„Was willst du hier, Till?", fragte Paul mich.
„Wir machen uns Sorgen, du meldest dich kaum noch. Jetzt weiß ich irgendwie warum."
Paul seufzte: „Ich vermisse ihn. Ich hab Mist gebaut, ich weiß nicht, was ich noch tun soll. Richard kann ich nicht zurückholen, aber mein altes Leben..."
„Dein altes Leben?"
„Ja, das ohne Richard. Ich nehm mir jeden Abend vor dem einschlafen vor: morgen gehe ich es an. Wenn es dann aber soweit ist, kann ich einfach nicht. Ich schaff es einfach nicht aufzustehen und etwas zu tun, weil ich immerzu an ihn denken muss, verstehst du...", langsam setzte er sich auf, „Danke, dass du hier bist."
Ich lächelte: „Paul, was denkst du davon, wenn wir das jetzt zusammen angehen?"
Paul runzelte die Stirn: „Was meinst du?"
„Naja, ich mach die Rollläden auf und lass etwas frische Luft rein. Dann kann ich hier ja etwas aufräumen und Essen kochen. Du kannst ja eine Dusche nehmen und mir dann etwas helfen, wenn du möchtest", ich sah ihn an. Ich wollte ihm unbedingt irgendwie helfen. Das war gerade der beste Weg der mir einfiel, zumal ich dir Aussagen von Paul so deutete, dass er es selbst sehr leid hatte, hier drin schon seit Wochen festzustecken.
Paul nickte und ich machte mich an die Arbeit.

Etwas später kam Paul mit nassen Haaren in die helle Küche, die Balkontür stand offen. Ich stand am Herd und rührte etwas halbwegs Schmackhaftes auf Konserven und haltbarem zusammen, was ich in der Küche gefunden hatte. Mein Blick folgte Paul, der auf die Terrasse trat und die frische Luft in seine Lungen zog.
„Hast de ne Kippe?", fragte er. Ich nickte und zog aus meiner Jackentasche eine Schachtel Zigaretten und ein Feuerzeug hinaus.
Paul zog an ihr und stieß den Rauch wieder raus. Er atmete tief durch in lehnte sich an das Geländer.
„Willst du was essen, fragte ich, als ich die Nudeln abgegossen hatte. Paul nickte, trat seine Zigarette aus und gesellte sich zu mir an den Tisch. Langsam begann er sich nachdenklich eine Nudel nach der anderen auf seine Gabel zu spießen. Sein Blick verlor sich schon kurz darauf im Raum. Ich beobachtete ihn eine Weile, bis ich ihn ansprach: „Woran denkst du grad?"
Er sah mich verwundert an: „Ähhh, wann Richard wohl wieder kommt und wie es dann zwischen uns weitergeht..."
„So wie die letzten Wochen?"
„Irgendwie ja..."
Ich seufzte: „ich weiß ja, dass du ihn total liebst, aber denkst du nicht, dass du irgendwie sauer auf ihn sein solltest, nach alle dem, was er angestellt hat?"
Paul sah mich nur an: „Sollte ich das? Ja, vielleicht sollte ich das, aber ich kann nicht. In meinem Kopf male ich mir die perfekte Welt aus, die es mal war, aber niemals wieder werden wird. Das weiß ich ganz tief in mir drin, aber so recht wahrhaben will ich das nicht. Ich weiß, dass Richard irgendwann wiederkommen wird, nur wann das sein wird und wie es dann weitergeht, weiß ich nicht. Ich weiß, dass es niemals mehr so wird, wie vorher, weil diese Entscheidung von Richard, wegzugehen, und die Folgen daraus etwas mit uns macht. Wir sehen ihn, ob wir wollen oder nicht, mit anderen Augen, weil er unser Vertrauen irgendwie missbraucht hat, indem er uns einfach im Stich gelassen hat. Oder eher hat er uns zurückgelassen. Ich hätte mir das niemals bei ihm vorstellen können, weil ich dachte, dass ich weiß, wo ich bei ihm stehe. Aber jetzt, weiß ich gar nichts mehr und ich denke mir, dass unsere ganze Beziehung sinnlos vergeudete Zeit war. Was ist, wenn er noch nie vorher mehr gefühlt hat? Ich suche die Schuld für das alles bei mir selbst, verstehst du Till, ich mache mir Vorwürfe, dass ich vielleicht der Grund bin, warum er weg ist."
Tränen begannen ihm über seinen Wangen zu laufen und behutsam strich ich über seinen Arm: „Du bist in keinster Weise Schuld daran, dass er jetzt weg ist. Dieses Mal ist er schuld. Vergiss Richard vielleicht einfach mal für ein paar Tage. Wie wärs, wenn du mit zu mir kommst? Schneider zieht heute eh in seine Wohnung um, da ist mein Gästezimmer auch wieder frei..."
Paul zuckte mit den Schultern, sein Blick glitt aus dem Fenster und es begannen endlose Sekunden der Stille, bis er mir antwortete. „Ja."

Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt