Chapter Seventeen

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Ferox

" 'Oxy?", Lenny sieht mich von unten an und zieht ein wenig an meiner Hand, während ich mit der Kapuze über dem Kopf durch die Straßen von
Barcelona gehe. Zwar wohne ich hier schon seit meiner Geburt hier und habe auch schon unheimlich viele, wunderschöne Orte gesehen. Aber trotzdem bleibt Barcelona meine Herzensstadt.

Jedes Mal aufs neue bin ich absolut hypnotisiert von dieser Stadt, es ist unglaublich. Das schmeichelnde Rot, dass die meisten Häuser tragen, lässt mich Zuhause fühlen. Aber gerade ist meine Stimmung im Keller, egal wie schön meine Umgebung ist. Alles ist irgendwie scheiße. Und alles läuft total aus dem Ruder.

Nichts macht irgendein Sinn mehr. Ich verstehe mich nicht mehr. Ich verstehe auch Raya nicht mehr. Aber vor allem verstehe ich Vincent nicht mehr. Vince.
In einem Moment ist noch alles gut gewesen und dann nach meiner Rede, vor drei Tagen, hat er mich nicht mal mehr mit dem Arsch angeschaut.

Seitdem hat er sich auch nicht mehr bei Roxy gemeldet. Und ich hasse es.

Ich hasse es, dass ich ihn schon nach zwei Tagen vermisse. Ich hasse es, das ich seine Lippen endlich wieder auf meinen spüren will und das mein Herz bei dem Gedanken Purzelbäume schlägt. Und ich hasse abgrundtief, das meine Gefühle so offensichtlich sind, dass selbst Lenny merkt wie beschissen es mir geht.

„Mhm?", brumme ich nur, worauf mein Cousin die Stirn runzelt und mich prüfend ansieht. Wie ernst er dabei aussehen will, bringt mich fast zum Schmunzeln. Aber eben auch nur fast.

"Warum ist Vince nicht auch mitgekommen?", ich zucke zusammen, als ich seinen Namen höre. Manchmal vergesse ich, was für eine ausgeprägte Auffassungsgabe Lenny besitzt, trotz seiner fünf Jahre und dem niedlichen Verhalten. Die meisten denken, er ist viel zu klein, um zu verstehen, was um ihn herum geschieht.

Aber ich habe das Gefühl, dass er es momentan besser versteht als ich selbst.

"Er hat gerade viel zu tun mit der Hochzeit", erwidere ich das, was ich mir auch die letzten Tage schon einrede. "Da hat er gerade einfach keine Zeit für sowas hier."

Mit sowas meine ich den Elterntag an Lennys Grundschule. Der findet einmal im Jahr statt, an dem Tag treffen sich alle Eltern auf einem kleinen Fest, um sich besser kennenzulernen. Sarah hat heute aber überhaupt keine Zeit, sondern hat alle Hände voll zu tun. Als Floristin ist sie nämlich echt erfolgreich und wird gerne in Bezug auf besonderen Anlässen zu Rat gezogen.

Deshalb springe ich heute mal für sie ein. Ich brauche sowieso mal ein bisschen Ablenkung und neue Leute kennenzulernen, schadet da bestimmt nicht.

"Ich vermisse ihn", murmelt Lenny und seine Augen sehen mich trüb an. Mein Herz zieht sich zusammen und macht mir die Sehnsucht nach dem Rothaarigen mal wieder unerträglich bewusst. "Ich auch", ich lächle ihn schwach an, da ich es gerade einfach nicht schaffe ihn deswegen zu belügen.

Lenny erwidert mein Lächeln und drückt meine Hand, als wäre es seine Pflicht, dass er mich tröstet und nicht ich ihn. Dann bleibt er stehen, vor einem großen Gebäude, dass mich sofort in alte Zeiten versetzt.

"Es ist okay, Ferox", flüstert er auf einmal. "Es ist okay, dass du dich in ihn verliebst." Die Reife und Entschlossenheit in seiner Stimme, lässt mein Inneres beben. Erst als Lenny es sagt, merke ich wie sehr ich das von jemandem hören musste. Wie sehr ich die Akzeptanz meiner Gefühle von jemand anderem brauchte.

Tränen steigen mir in die Augen und ich gehe in die Hocke. Für einen Moment blinzelt mich mein Cousin noch lieb an, dann ziehe ich ihn auch schon in die Arme. "Du bist ein Schatz, Lenny", murmle ich ein wenig aufgelöst in seine Haare. "Ich weiß."

Sail Into My Arms Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt