Vincent
Ferox und ich gehen schweigend in Richtung von Charlie's Wohnung, wo Cameron und Charlie unser Doppeldate vorbereitet haben. Zumindest wollten sie das tuen. Das sie wirklich dazu gekommen sind, bezweifle ich stark. Sowie jeder Mensch es tuen würde, der dem Paar begegnet. Zwar freue ich mich auf diesen Nachmittag, aber nachdem was Raya eben abgezogen hat, bin ich nicht hundertprozentig in der Stimmung. Vor allem, weil ich mich immer noch ein wenig schlecht ihr gegenüber fühle.
Mein schlechtes Gewissen, schiebe ich jetzt allerdings in das hintere Teil meines Gedächtnis, denn in gewissen Punkten ist es wirklich Fehl am Platz. Was Raya angeht, weiß ich nämlich das sie im Unrecht liegt. Ich kann auch überhaupt nicht glauben, dass sie wirklich denkt ich würde mir selbst aussuchen jemanden zu heiraten, den ich nicht liebe. Besonders wenn ich Ferox haben könnte.
Ohne nachzudenken ziehe ich den Schwarzhaarigen neben mir an mich und lasse unsere Körper kollidieren. Ferox dunkle Augen mustern mich verwirrt, doch ich lächle nur und küsse ich ihn sanft. Mit einer Wärme, die all' meine Gedanken verpuffen lässt, erwidert er den Kuss und streicht sanft über meinen Rücken. „Wofür war das denn?" „Keine Ahnung. Um mir selbst zu beweisen, dass ich dich liebe." Ferox atmet scharf ein und schließt die Augen. „Du machst es mir wirklich, wirklich nicht einfach, Vin." Das Gold in seinen Augen blitzt auf und löst tausende Gefühle auf einmal in mir aus.
„Aber gerade ist leider nicht die Zeit, außerdem solltest du nicht an dem was wir haben wegen Raya zweifeln." Seine Finger nehmen wieder meine Hand und drücken sie liebevoll. „Ja, ich weiß", erwidere ich und lehne mich für einen Moment gegen eine der einzigen Stützen, die ich momentan habe. Dann raffen wir uns wieder auf und klopfen an Charlie's Tür.
Schneller, viel schneller als erwartet öffnet Charlie uns die Tür und der Geruch, der uns entgegen schlägt, lässt das Wasser in meinem Mund zusammen laufen. „Was riecht hier so himmlisch?", fragt Ferox und scheint in dem Geruch genauso zu baden wie ich auch. Charlie grinst und lässt uns herein. „Das ist Curry. Wie ich herausgefunden habe, kann Cameron kochen", Charlie wirkt immer noch überrascht. „Sogar richtig gut und heiß ist er dabei auch noch."
Ich verdrehe die Augen, kann mir ein Lächeln allerdings nicht verkneifen. „Du bist wirklich ein kleiner Teufel", erwidere ich, während wir uns zu Cam in die Küche gesellen. Der Bodyguard steht vertieft in sein Tuen am Herd und rührt das Curry in der Pfanne um. Im Topf daneben dampft vermutlich Reis und ich merke erst jetzt wie doll ich Hunger habe.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich je kochen sehen würde", meint Ferox neben mir, während er seinen besten Freund beobachtet. Cameron dreht sich zu uns und lächelt so ehrlich wie ich es noch nie an ihm gesehen habe. „Glaub' mir ich bin genauso überrascht wie du. Aber ich habe diese Leidenschaft schon viel zu lange verdrängt."
Auch wenn ich nicht hundertprozentig verstehe, was Cam damit sagen will, Ferox und Charlie verstehen es auf jeden Fall. Und der Stolz in ihren Augen erklärt für mich genug. Vielleicht ist dieser Abend ein guter Abend, für jeden von uns.
„Keine Sorge, Rox", Cameron stellt das fertige Essen auf den Tisch und setzt sich anschließend zu uns. „Das Fleisch ist natürlich vegetarisch." Ferox, der kritisch das Gericht beäugt hat, atmet erleichtert aus. „Als ob ich vergessen würde, dass mein bester Freund Vegetarier ist." Ich lächle amüsiert. „Naja, so fixiert wie du auf Charlie bist, könnte man so einen Ausrutscher erwarten", erwidere ich und stupse Cameron's Freund neckend in die Seite.
Charlie ist seltsam ruhig und lächelt auch jetzt nur leicht, als ich ihn versuche mit ins Gespräch zu integrieren. Ich runzle die Stirn und beuge mich zu dem normalerweise giftigen Teufel. „Alles gut?" Er nickt wenig überzeugend, aber das merkt er vermutlich selbst. „Was ist los?", bohre ich weiter nach, worauf er leise seufzt. „Es ist nur, ich habe euch und eure Familien für eine lange Zeit gehasst..und jetzt esst ihr mit mir, obwohl ich euch vollkommen falsch eingeschätzt habe. Ich denke ich bin einfach nur froh, dass ihr heute gekommen seid."
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Sail Into My Arms
Novela Juvenil"Te quiero.." „Je t'aime.." Liebe ist eine Bitch. Davon ist Vincent Oceánt überzeugt. Denn er landet nicht nur gezwungenermaßen auf einem Schiff mitten in Spanien und lernt dort eine ebenso reiche Familie kennen wie seine eigene. Nein, er trifft au...
