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„Wir brauchen echt mal wieder einen jungsfreien Tag", seufzte Lia neben mir, als schon seit zwanzig Minuten nur von Kämpfen und Autos die Rede war.

Ich kicherte und nickte ihr zustimmend zu. „Bin ganz deiner Meinung."

Ace, der Lias Beschwerde gehört hatte, entzog sich dem Gespräch und wandte sich grinsend seiner Freundin zu. „Hast du etwa schon genug von mir?"

Lia schmunzelte und hob gespielt arrogant die Augenbrauen hoch. „Ich behalte dich doch nur aus reiner Herzensgüte."

Ace lachte laut auf und spielte mit. „Oh, wie gnädig von dir."

„Du solltest mir vor Dankbarkeit die Füße küssen", erwiderte sie und lachte laut los.

„Ich werde ganz andere Sachen mit dir anstellen", murmelte Ace und sein Blick verdunkelte sich vor Begehren.

Ich wandte mich abrupt ab. Diesem privaten Gespräch wollte ich nicht beiwohnen und Lia schien schon zu gefesselt in ihrer kleinen Unterhaltung, um mich noch zu bemerken.

Also richtete ich meine Aufmerksamkeit den anderen beiden zu, die noch an diesem Tisch saßen. Aber genau in dem Moment klingelte Tylers Handy und er stand nach einer kurzen Entschuldigung auf, um abzuheben.

Also blieb nur noch Damien übrig. Ich nahm einen großen Schluck von meinem Vanilleshake, als ich Damiens Blick auf mir spürte.

„Was?", fragte ich und ließ von meinem Shake ab, um mich ihm zuzuwenden.

„Du hast da was." Mit seinem Daumen wischte er leicht über meinen Mundwinkel und steckte ihn sich dann genüsslich in den Mund. „Mmh, lecker", murmelte er und funkelte mich aus glänzenden Augen an.

Ich hielt sprachlos den Atem an und blinzelte einige Male, um wieder klar denken zu können.

„Ich sehe mal nach Tyler", nuschelte ich bevor ich schnell aufstand und vom Tisch flüchtete.

Ich fand ihn draußen vor dem Diner unruhig auf und ab gehen.

„Alles okay?", fragte ich ihn leise und atmete die kühle Nachmittagsluft tief ein. Ich war dankbar für ihre beruhigende Wirkung auf mein erhitztes Gesicht. Da drinnen hätte ich es keine Sekunde mehr ausgehalten ohne vor Schuldgefühlen zusammenzubrechen.

Tyler beendete sein Gespräch, bevor er stehen blieb und frustriert ausatmete. „Mein Dad weiß, dass ich schwänze. Aber keine Sorge, ich hab das schon geklärt."

Er fuhr sich durch seine schwarzen Haare und ließ sie unordentlich in sein Gesicht fallen.

„Was machst du eigentlich hier draußen?"

Ich setzte mich auf die Bordsteinkante und atmete ebenfalls frustriert aus. „Ich musste kurz raus. Ich fühle mich ständig so schlecht, weil ich ihn belüge und ich habe Angst unsere Beziehung zu ruinieren."

Tyler gesellte sich zu mir auf den Boden und stupste mich mit dem Knie an. „Hey, das wird schon wieder. Ihr schafft das."

Ich ließ niedergeschlagen meinen Kopf auf seine Schulter fallen und war dankbar für den Halt, den er mir schenkte.

„Weißt du, Ty...Ich will ihm die ganze Schuld geben. Ich meine, wäre er nie gegangen oder würde mir einfach die Wahrheit sagen, dann wäre ich nie so weit gegangen mir die Antworten selbst zu besorgen, weißt du? Aber innerlich weiß ich, dass nichts mein Verhalten rechtfertigen kann." Ich seufzte. „Ich hoffe einfach, dass er es verstehen wird."

Tyler sah mich mitfühlend an und tätschelte mir fürsorglich die Wange. „Wird er und wenn nicht, dann bin ich für dich da."

Ich gab mich seinem Trost eine Weile hin und atmete ein letztes Mal tief durch, um die Kraft zu finden aufzustehen.

„Wir sollten am besten jetzt wieder reingehen."

Ich wandte mich dem Eingang zu und blieb abrupt stehen, als ich Damien dort stehen sah.

Er sah mich und Tyler durch die Glastür misstrauisch an. Sobald mein Blick seinen traf, trat er durch die Tür nach draußen.

„Was macht ihr hier?" Seine Stimme klang eiskalt. Ich wusste nicht, wie lange er schon dort stand. Aber durch die Glastür wird er uns nicht gehört haben.

„Wir genießen nur die frische Luft", antwortete ich und hoffte, dass er sich damit zufrieden gab. Aber weit gefehlt. „Ach ja? Ich wusste nicht, dass ihr dafür so eng zusammen sitzen müsst."

Scheiße. Also hatte er auch das gesehen.

„Sie hat mich nur ein bisschen getröstet, man. Mein Dad hat mich zusammengeschissen, weil er weiß, dass ich schwänze." Tyler war mittlerweile auch aufgestanden und ich dankte ihm innerlich für seine Hilfe.

Damien schien dennoch nicht überzeugt. „Ich wollte dir eigentlich nur dein Handy bringen. Es hat nicht aufgehört zu klingeln."

Er drückte mir mein Handy in die Hand, das ich auf dem Tisch gelassen hatte, und eilte wieder in das Diner.

Ich ließ meinen Kopf in den Nacken fallen und hätte am liebsten vor Frust laut losgeschrien. Stattdessen ließ ich mich wieder auf den Bordstein fallen und schaute nach, von wem der verpasste Anruf war.

Und als ob die jetzige Situation nicht schon schlimm genug war, stellte ich fest, dass der Anrufer Logan war. Also hatte Damien Logans Anruf gesehen, war so nett mir mein Handy zu bringen und hat mich dann mit seinem besten Freund so nah erwischt. Ja, an Damiens Stelle wäre ich auch sauer.

Ich machte mir nicht die Mühe, Logan zurückzurufen. Stattdessen genoss ich noch für eine Weile die Luft und bemerkte nur nebenbei, dass sich Tyler wieder neben mich setzte.

„Wir sollten jetzt wirklich reingehen", murmelte Tyler neben mir und stupste mich dieses Mal mit der Schulter an. Also standen wir auf und gingen rein.

Damien sah nicht auf, als ich mich ihm gegenüber setzte. Ich warf Tyler einen hilfesuchenden Blick zu, aber er zuckte nur mit den Schultern.

„Alles okay bei euch?", fragte Lia, die die Situation schweigend beobachtet hatte.

„Wird schon wieder", gab ich kurzgebunden zurück und versuchte Damiens Blick einzufangen, der ihm aber permanent auswich. Ich gab's schließlich auf und trank schweigend meinen Shake aus.

Wir blieben nicht mehr lange. Die Stimmung war ruiniert und schließlich fanden wir uns auf dem Parkplatz wieder, um nach Hause zu fahren.

„Kannst du Tyler mitnehmen?", richtete Damien seine Frage an Lia.

Sie nickte und wies Ty an, in ihr Auto zu steigen. Dieses Mal machte er keine Anstalten zu protestieren. Ich warf ihm einen kurzen Blick zu, dann war er auch schon im Auto verschwunden.

Ace und Lia stiegen, nach dem sie sich von uns verabschiedet hatten, ebenfalls ein und so blieb nur noch ich unschlüssig auf dem Parkplatz stehen. Ich zog in Erwägung auch einfach bei Lia einzusteigen, aber Damien wies bereits mit einem Kopfnicken auf seinen Wagen. Und Lia brauste bereits davon.

Mir blieb also keine andere Wahl und ich setze mich zu Damien ins Auto.

DamienWo Geschichten leben. Entdecke jetzt