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Der Rest des Essens verlief zwar nicht mehr ganz so angespannt, aber dennoch fühlte ich mich erleichtert, als ich mich endlich von den beiden verabschieden konnte.

„Sicher, dass ich dich nicht fahren soll?", hakte Tyler nach. „Mir macht es wirklich nichts aus."

Ich schüttelte höflich den Kopf. „Nein, danke. Ich werde das Stückchen einfach laufen."

Er sah mich erst skeptisch an, lockerte seine angespannten Gesichtszüge aber dann.

„Wie du willst." Und dann blickte er kurz über die Schulter ins Haus und als er seinen Vater in der Küche hantieren hörte, trat er zu mir vor die Tür und schloss sie hinter sich. „Ich möchte mich für heute entschuldigen. Mein Dad ist etwas ungeniert gewesen-"

„Keine Sorge", lächelte ich und meinte es ernst. Klar, ich hatte mich etwas unbehaglich gefühlt, aber sein Vater war bloß neugierig gewesen. Immerhin ging es um seinen Sohn.

„War doch ganz lustig", fügte ich noch grinsend hinzu, als ich wieder daran zurück dachte, wie ich den Reis versucht hatte einzuatmen. Jetzt im Nachhinein, kam es mir nicht mehr ganz so übel vor.

Erleichtert sackten seine Schulter zusammen. „Das beruhigt mich, dass du so denkst. Ich will nicht, dass du meinen Vater für zu aufdringlich hältst. Er ist bloß sehr fürsorglich, was mich angeht."

„Hey, ich versteh das." Ich legte ihm freundschaftlich meine Hand auf den Arm.

Für einen Augenblick blieb sein Blick an meiner Hand haften, bevor er seine Augen wieder auf mich richtete.

„Du solltest gehen bevor es dunkel wird", sagte er schließlich und verzog seine Lippen zu einem schiefen Lächeln. „Und sei vorsichtig."

Ich nickte und verabschiedete mich von ihm, bevor ich mich abwandte und die Straße runtereilte. Es war schon später Nachmittag und bald würde die Sonne untergehen.

Ich genoss die kühle Luft, die meine erhitzen Wangen etwas abkühlte und atmete einmal tief ein, bevor ich kurzerhand nach meinem Handy griff und Logan anrief.

Für einen Abend wollte ich Abstand von allem gewinnen. Allem was mit Damien, den Sánchez Brüdern und auch Tyler zu tun hatte.

Ich hatte das Gefühl, ich hätte sein Ewigkeiten keinen erholsamen Tag gehabt und vor allem die letzten Tage hatten mich sehr strapaziert.

Bei Logan würde ich auf andere Gedanken kommen.

Gedanken, die mir nicht das Herz vor Liebe, Angst oder Schuldgefühlen bis zum Hals schlagen ließen.

Auch wenn ich mich etwas schuldig fühlte, mich so lange nicht bei ihm gemeldet zu haben.

„Was?", kam seine Stimme schroff durchs Telefon, als er endlich abhob.

Ich hatte angenommen, dass er sauer war, aber nicht so sauer.

„Hi", grüßte ich vorsichtig und wartete einige Sekunden, bevor ich weitersprach.

„Ich weiß, ich habe Mist gebaut, und ich wollte mich bei dir entschuldigen. Können wir uns sehen?"

Ich wollte ihn persönlich treffen und, wenn er denn wollte, etwas Zeit mit ihm verbringen. Zumindest diesen Abend.

Nach einem kurzen Moment des Schweigens, hörte ich ihn resigniert ausatmen.

„Na schön. Ich komme dich abholen."

„Nicht nötig", sagte ich schnell, bevor er sich noch zu mir aufmachte. „Ich bin gerade in der Nähe. Ich komme zu dir, okay?"

Für einen Augenblick schwieg er wieder, als wäre er überrumpelt, aber schließlich sagte er zu und ich verabschiedete mich schnell, bevor ich auflegte.

DamienWo Geschichten leben. Entdecke jetzt