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„Tyler, sie sind hier! Sie haben mich gefunden!", panisch lief ich die Schulgänge entlang und hielt mein Handy zitternd an mein Ohr gedrückt.

Ich hatte nicht gewusst, wen ich anrufen sollte und Tyler war der erste, der mir in den Sinn gekommen war.

Ich rannte angsterfüllt durch die Gänge, warf immer wieder einen Blick über meine Schulter, während ich auf den Ausgang zu lief.

„Was soll ich tun?", kreischte ich panisch und erreichte endlich den Hauptausgang, der mich in die Freiheit entließ.

Weglaufen war mein erster Gedanke gewesene und ohne weiter darüber nachzudenken, hatte ich Logan stehen lassen und war davon gerannt.

„Wo bist du gerade?", hörte ich ihn durch zusammengebissene Zähne fragen.

„I-in der Schule", stotterte ich und lief weiter in Richtung meines Heimweges. Zu Fuß würde ich ewig brauchen, aber ich musste in Bewegung bleiben. „Ich meine, i-ich war in der Schule, jetzt bin ich auf- Da ist ein Bus!"

So schnell mich meine Beine trugen, lief ich auf den Bus zu, der gerade an der Haltestelle einfuhr.

Ich konnte Tylers angestrengtes Atmen hören. „Gut. Fahr mit dem Bus. Da sind viele Leute, dort werden sie keine Aufmerksamkeit erregen wollen und dann fahr sofort nach Hause. Ich komme sofort zu dir."

Ich konnte hören, wie er im Hintergrund zu irgendjemandem sprach, aber ich war zu panisch, um die Worte zu verstehen. Ich nahm bloß wahr, wie Schlüssel rasselten, eine Tür laut zu fiel und dann Tylers keuchen, als würde er laufen.

Tyler ist auf dem Weg. Es wird alles gut.

Ich schaffte es rechtzeitig in den Bus und sobald ich mich durch die Tür quetschte, schlossen sie sich und er fuhr los.

Sie würden mir nicht mehr folgen können. Jetzt war ich erstmal in Sicherheit.

„Ich habe Angst", flüsterte ich leise in den Hörer, als sich meine Panik etwas legte und mein Körper wieder andere Gefühle zu ließ.

„Es wird alles gut, Tessa", versuchte mich Tyler zu beruhigen und redete auf mich ein, aber mein Herzschlag dröhnte mir so laut in den Ohren, dass ich nicht alles verstand.

„Ich bin nicht mehr weit, es wird alles gut." Trotz seiner Mühe ruhig zu klingen, konnte ich die Angst aus seiner Stimme raushören.

Ich nickte, auch wenn er es nicht sehen konnte und wischte meine Tränen mit meinem Ärmel weg.

Die Fahrt kam mir wie eine Ewigkeit vor, aber Tyler tat sein bestes daran, mich zu beruhigen.

„Ich will, dass du alle Türen und Fenster abschließt, sobald du Zuhause bist, okay?"

„O-okay."

„Und dann ver-"

Der Anruf brach ab. Hastig riss ich mein Handy vom Ohr und warf einen Blick auf den Bildschirm, nur um dann beinahe wieder in Tränen auszubrechen. Mein Akku war leer.

Wieso jetzt?

Ich schluckte und versuchte das Zittern zu unterdrücken, das mich erfasste.

Genau in dem Moment, kam der Bus an meiner Haltestelle an und ich lief blitzschnell los und hielt erst an, als ich vor meiner Haustür stand.

Mit zitternden Fingern kramte ich meinen Schlüssel hervor und schloss die Tür auf.

Sobald ich drin war, knallte ich sie hinter mir zu und tat genau das, was Tyler mir gesagt hatte. Ich schloss alle Türen und Fenster in diesem Haus.

Mein Herz schlug wie verrückt und die Panik drohte mich wieder zu lähmen. Es herrschte absolute Stille und mein rasendes Herz war das einzige was ich hörte.

Tyler wird gleich da sein. Er wird gleich da sein.

Das sprach ich mir immer und immer wieder zu, um nicht verrückt zu werden. Er hatte gesagt, er wäre gleich da.

Es kam mir so vor, als würde die Zeit still stehen. Nichts passierte.

Bis mich das laute Klopfen an der Haustür zusammenschrecken ließ. Nachdem ich den Schrecken überwunden hatte, sprang ich erleichtert auf, um Tyler die Tür zu öffnen.

Es ist vorbei.

Jetzt würde alles wieder gut werden. Er war hier. Bei mir.

Ich beeilte mich zur Tür zu kommen und schloss sie schnell wieder auf, bevor ich sie hektisch aufzog.

Es dauerte keine drei Sekunden, da bereute ich meine Tat auch schon. Denn der Mann vor mir war nicht Tyler.

Ich kam gar nicht mehr dazu zu schreien, da legte sich auch schon eine Hand auf meinen Mund und zerrte mich davon.

DamienWo Geschichten leben. Entdecke jetzt