Sehr geehrte Lady Montgomery, hiermit muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ihr Sohn sich nicht mehr auf Montgomery Manor befindet, sondern in einer Apfelsinenkiste auf dem Weg nach Südamerika ist. Da ich ihn leider Gottes nicht aufhalten konnte, sah ich mich gezwungen, ihn zu begleiten. Sollten wir unversehrt eines Tages zurückkehren, entlasse ich mich selbstverständlich selbst.
Hochachtungsvoll
Christopher Webster
Dieses Abschiedsschreiben war wohl mit Abstand das ungünstigste Abschiedsschreiben, was Kit jemals verfasst hatte und traurigerweise wohl auch das Letzte, was er je verfassen würde. Hätte er eine Wahl gehabt, wäre Kit lieber nicht Shell gefolgt, doch unabhängig von seiner Pflicht, seinen Schützling nicht aus den Augen zu lassen, hatte Shell ihm zusätzlich noch die Argumente unterbreitet, dass er auch allein nach Südamerika reisen würde und Kit ihn nicht aufhalten könne, da er nicht mal in der Lage war ihn im Haus zu finden, geschweige denn zum Unterricht bekommen würde. Aus Angst, dass Shell mit einem Rucksack einfach pfeifend aus der Tür spazieren würde und Kit Lady oder Lord Montgomery erklären müsste, dass ihr Sohn blinder Passagier an Bord ihres Handelsschiffes war, auf dem der Zutritt ihm untersagt war, beschloss er mitzugehen. Shell packte das Nötigste und informierte Kit darüber, dass er kein Gepäck mitnehmen durfte, da sie dafür kein Platz hätten. Shell tätigte zwei kurze Telefonate, in denen er mehrere Personen erpresste und das Stichwort Maskenball fiel, sodass in den Morgenstunden des nächsten Tages im dunstigen Nebel ein unauffälliges Auto bereitstand, um ihn und Kit abzuholen und zum Hafen außerhalb von London zu bringen. Es war kalt und diesig und Kit, der verkleidet als Mitglied der Schiffscrew nervös seine Mütze hin und her schob, ging den Plan, den Shell für sie ausgearbeitet hatte, noch einmal durch. Sie würden Shell in eine Orangenkiste einnageln, sodass niemand auf die Idee kam, diese zu öffnen. Kit würde in seiner Verkleidung an Bord gehen und dafür sorgen, dass die Kiste sicher im Frachtraum ankommen würde. Wenn sie abgelegt haben, würde Kit Shell aus der Obstkiste befreien und dann würden sie sich gemeinsam auf dem Schiff verstecken für die gesamte Zeit der Überfahrt. Kit hatte Möglichkeiten durch seine Tarnung an Lebensmittel und Wasser zu kommen und Shell hatte durch seine geringe Körpergröße und dürre Statur kein Problem sich auch weiterhin die meiste Zeit in Transportkisten aufzuhalten. Dafür, dass der Plan von einem Kind ausgearbeitet wurde, erschien er Kit überaus vernünftig und gut durchdacht. Er hätte Einspruch erhoben, aber er hatte auch keinen Verbesserungsvorschlag zu unterbreiten. Also ergab er sich seinem Schicksal. Das Auto ließ sie in einer Seitengasse raus und fuhr direkt weiter. Das Scheinwerferlicht wurde schon nach wenigen Metern geschluckt und ließ Shell und Kit allein in der Morgendämmerung zurück.
„Komm jetzt", Shell setzte die Kapuze seiner Regenjacke auf, um sein rotes Haar zu verbergen und deutete Kit ihm zu folgen. Sie schlichen unauffällig die Straße hinunter und folgten dem Kopfsteinpflaster bis an den Anleger. Dort herrschte trotz der frühen Uhrzeit schon reger Betrieb. Fahrzeuge standen zum Verladen bereit, so wie Kisten und verschiedenste Ausrüstungen.
"Siehst du die Frau dort vorne? Sie führt die Inventarlisten. Du musst herausfinden, welche Kisten schon registriert wurden und zum Verladen bereit sind. Davon entführen wir eine zwischen die Lastwagen, die dort parken. Der Nebel kommt uns sehr gelegen, dennoch bin ich darauf vorbereitet, ein kleines Ablenkungsmanöver zu arrangieren. Für den Fall der Fälle", Shell deutete von der Hauswand ihrer Seitengasse zu einer jungen Frau, die nahe der Verladerampe stand und sich Notizen machte.
„Ich weiß nicht, ob ich dahingehen sollte. Ich meine, was ist, wenn im Gespräch auffällt, dass ich nicht weiß, wie es auf einem Schiff abläuft?", Kit war skeptisch, ging in die Hocke und tat so, als würde er angestrengt darüber nachdenken, ob es nicht noch eine Alternative gab.
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Dschungelfieber
AbenteuerCute as (S)hell - In einem fiktiven 1920 bewirbt sich der Musikstudent Kit Webster auf einen Job als Hauslehrer bei der wohlhabenden Familie Montgomery. Seine Aufgaben scheinen überschaubar: die Erziehung und Unterrichtung eines einzigen Kindes. Die...
