„Warum hast du Kaffee bestellt? Du trinkst nie Kaffee!", platzte er aus mir heraus. Billie schenkte meiner Frage jedoch nur halb so viel Aufmerksamkeit wie ich erhofft hatte, nur ihre Augen guckten verdächtig zur Seite.
Ohne meinen Blick zu erwidern zuckte sie mit den Schulter, während sie ein Päcken Zucker in ihr heißes Getränk leerte.
„Früher hab ich oft Kaffee getrunken. Als ich noch nicht so berühmt war, war das ganze Touren noch anstrengender. Es war die Hölle! Der Geschmack von Kaffee erinnert mich an die Zeit, deshalb trinke ich ihn so selten." Die Belanglosigkeit die Billie beim erzählen an den Tag legte verwunderte mich. Es wirkte bizarr, beinahe, als hätte sie sich von jeglichen emotionalen Erinnerungen die das Touren betrafen abgespalten.
Vielleicht wie ein Schutzmechanismus, schoss es mir durch den Kopf.
„Und warum ausgerechnet jetzt Kaffee?",
', hakte ich neugierig nach. Ich wurde einfach nicht schlau aus diesem Mädchen. Billies Reaktion ließ auf sich warten, also nahm einen Schluck aus meinem Becher, dabei beschlug meine braune Hornbrille.
„Weil ich verdammt Müde bin!", Billies Stimme klang genervt, scheinbar hatte sie keine große Lust über sich selbst zu reden, „bist du mein Therapeut Lorena?"
Irritiert von ihr plötzlich so abweidenden Haltung schüttelte ich schnell meinen Kopf: „Ich will doch nur wissen wie es dir geht! Seit ich hier angekommen bin probierst du zwanghaft so zu tun als ob alles bestens wäre.
Aber weißt du was?"
', kurz zögerte ich, meine Worte sollten nicht verletzten klingen, ich war bloß besorgt, „ich kaufe dir nicht ab. Du sagst du hast mich so sehr vermisst, aber hatten wir einmal Sex? Was ist mit den ganzen Alpträumen, die kommen bestimmt nicht von irgendwo her. Un-, und du lässt mich gar nicht an dich ran! Mein Gott wenn dich was belastet, ich bin doch für dich da! Ich werd schon nicht reißaus nehmen sobald dich irgendwas belastet. Dafür sind Freunde, oder Partner - oder was auch immer das hier ist, doch da."
Nun herrschte Stille. Billies versteinerte Miene wurde ein wenig sanfter, sie spielte mit dem Plastikdeckel des Kaffees in ihren Händen, mehrmals öffnete sie ihren Mund und doch kamen keine Worte heraus. Etwas außer Atmen von meinem über uns Erbrochenen Redeschwall atmete ich tief ein und aus um mein Klopfendes Herz zu beruhigen.
Hatte ich Billie wehgetan? Wenn ja, war das wirklich nicht meine Absicht gewesen. Doch dieses verzweifelte Gefühl, dass irgend etwas nicht zu stimmen schien zerfraß mich bereits seit Tagen und es wollte mir einfach nicht gelingen zu erkennen woran das lag.
Wollte sie mich nicht mehr? Oder ist ihr vielleicht aufgefallen, dass ich nur ein Hindernis auf ihrer Tour war.
Lästiges Gepäck?
Ich machte mir wirklich Sorgen. Und nach Billies Blick zu beurteilen sollte ich das wohl auch. Am liebsten wäre ich jetzt schwach geworden und hätte mein Gegenüber in eine feste Umarmung genommen, stattdessen blieb ich entschlossen Billie erst einmal das Wort ergreifen zu lassen.
Erwartungsvoll schaute ich sie an, in ihren ozeanblauen Augen hatten sich Tränen gesammelt. „Es tut mir leid Lori!" Ihr leises Flüstern jagte eine Gänsehaut über meinen Körper, „ich wollte meine schlechte Stimmung nicht an dir auslassen, e-es tu mir wirklich leid, aber ich weiß nicht was ich tun soll." Mit dem Ende ihrer Worte begannen heiße Tränen ihre Wangen hinunterzulaufen, scheinbar hatte ich Billies aufgesetzte Fassade endlich gebrochen. Verzweifelt klammerte sich Billie an ihren Kaffeebecher und versuchte ihr Schluchzen unter Kontrolle zu bringen, welches mich nun dazu veranlasste meine abweisende Haltung fallen zu lassen, um trostspendend zu Billie hinüber zu krabbeln.
Sanft nahm ich den Becher aus ihren Händen, den ich
beiseite stellte und ihre Hände in meine nahm.
„Hey es ist alles gut, ich bin da!", versicherte ich dem weinenden Mädchen. Billie drehte ihren Kopf von mir weg, sie wollte nicht, dass ich in ihre roten Augen schauen konnte.
Eine Weile versuchte ich ihr Stimmen Trost zu spenden, darauf wartend ob sie sich von alleine beruhigen würde, doch sie schien ihren Atem nicht unter Konteolle bekommen zu wollen. Schließlich konnte ich es nicht weiter mit ansehen und schloss Billie trotz ihrem Protest in eine feste Umarmung. Ihr Kopf lehnte nun an meiner Brust, sogar ihr Herz konnte ich laut pochen hören.
Es tat mir fast leid dieses Fass heute aufgemacht zu haben, hätte ich gewusst, dass sie so mit dem Thema zu kämpfen hatte.
„Ich kann nicht mehr!", Billies Stimme klang heiser.
Was meinte sie damit?
„Was kannst du nicht mehr Bil?, erkundigte ich mich
besorgt. Sie schüttelte bloß den Kopf und blieb still.
Die ganze Situation in der wir uns gerade befanden kam mir mehr als nur besorgniserregend vor, ich hatte das Ausmaß völlig unterschätzt. Wusste Finneas wie es ihr ging? Maggie, Patrick?
Billie vergrub ihren Kopf wieder laut schluchzend in meinem Shirt, ich war das einzige, was sie noch aufrecht hielt. In meinen Armen kam sie mir noch kleiner vor als sie wirklich war, sie sah so verletzliche aus, ich wusste nicht was ich tun sollte. Also wiegte ich sie leicht hin und her, in der Hoffnung, ihre Tränen damit zum stoppen zu bringen. Tatsächlich wurde Billies Atem nach einiger Zeit ein wenig ruhiger, sie hatte ihre Augen geschlossen.
Heimlich starrte ich auf ihre Arme, die unter dem dicken Pulli verborgen waren, ein plötzlicher Gedanke beschäftigte mich: Ob sie es wohl wieder tat? Sich Ritzen?
Verdammt ich hatte mir geschworen, mich nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen, aber irgendwer musste doch nachschauen ob sie sich ernsthaft selbst gefährdete. Vorsicht nahm ich eine ihrer Hände und hielt sie fest, mit der anderen zog ich so behutsam wie es ging ihren Ärmel nach oben. Als Billie vermerkte, was ich da tat, verkrampfte sie kurz, gab schließlich jedoch wiederwillig auf ließ mich machen.
Zu meinem Erstaunen, befanden sich überwiegend Narben am Rande ihrer Gelenke, das hielt mich jedoch nicht davon ab den Pulli nicht noch ein Stück weiter nach oben zu ziehen und Siege da, es eröffnete sich mir nüchtern gesagt ein Massaker.
Schmerzhaft biss ich mir auf der Unterlippe herum.
Warum hatte ich mich nicht schon früher um Billies Wohlergehen gekümmert? Wäre ich besser doch gleich nach meinen Prüfungen mit auf Tour gekommen, dann hätte ich vielleicht besser für sie Dasein können. Billie hatte bestimmt nicht ohne Grund so sehr darauf gepocht, dass is sie begleitete. Mein Gewissen zerfraß mich, dass Mädchen was ich liebte war offensichtlich die letzten Wochen durch die Hölle gegangen und ich hatte mir um nichts mehr Sorgen gemacht, als den fehlenden Sex.
Lächerlich, ich weiß!
Behutsam strich ich Billie ein paar Haare aus der verklebten Stirn, ihr Körper fühlte sich heiß und nass geschwitzt an.
„Schau mich nicht so an Lori, es ist nur eine Bewältigungsstratehie, ich werd mich schon nicht Kontingente!", murmelte Billie, „Bist du dir sicher? Weil."
', ich hielt meinen Atem an,
„ich hab deine Wand gesehen!" Jetzt war es raus, ich hatte zugegeben, dass ich beim Herumschnüffeln praktisch in Billies Seele geblickt hatte. Abrupt löste sie sich aus meinen Armen und widmete mir einen entgeisterten Blick.
„Du hast was? Lori! Das sind meine privatesten Gedanken, ich kann nicht fassen, das du einfach geschnüffelt hast!"
Beschwichtigend hob ich meine Hände. „Ich weiß, es tut mir leid, ich wollte das gar nicht. Aber das Tuch einfach beiseite geweht als ich eine Kopfhörer damals aus deinem Zimmer geholt hast."
„Ich schöre ich hab nur ganz wenig gesehen!" „Ach ja? Und was genau wenn ich fragen darf?" Billie verschränkte patzig die Hände vor der Brust.
Manchmal wunderte ich mich, wie schnell ihre Stimmung doch umschwenken konnte. Gerade noch lag sie aufgelöst in meinen Armen und nun bekam ich Todesblicke ab.
„N-nur, dass du es hasst berühmt zu sein!", stotterte ich eingeschüchtert. Anhand meines Verhaltens bemerkte sie wohl, dass es tatsächlich keine Absicht von mir gewesen war, weshalb sie sich etwas beruhigte.
„Okay", meinte sie niedergeschlagen.
„Ich liebe dich Billie!", flüsterte ich, traute mich jedoch nicht erneut auf sie zuzugehen. Der Abstand zwischen uns machte mich fertig. „Ich würde dir niemals absichtlich wehtun, du bist mir wichtig! U-und wenn du willst, dann können wir auch probieren die ganze Tour umzukrempeln. Weißt du noch als wir inkognito unterwegs waren? Das hat doch eigentlich ganz gut funktioniert oder? Das lässt sich bestimmt einrichten, wir müssen es ja niemanden verraten"
', schwafelte ich nun vor
mich hin, ein Lächeln breitete sich auf Billies Lippen aus.
Dann legte sie mir einen Finger auf den Mund.
Oh nein, war es zu früh das zweite mal die besagten
drei Worte auszusprechen?
„Ich liebe dich auch Lori! Ich glaube ich könnte dich niemals nicht lieben!" Erleichtert pustete ich die Luft zwischen meinen Zähnen hinaus. Billie liebte mich!
Tausend Schmetterlinge flogen in meinem Bauch herum, als ich endlich die Lücke zwischen unseren Körpern schloss. Nichts konnte uns mehr trennen.
DU LIEST GERADE
Who Am I? - Billie Eilish
FanfictionMusik dröhnte durch die Boxen meines geliebten Autos, als ich auf den Walmart Parkplatz fuhr. Bevor ich es wagte auszusteigen, durchkramte ich die Mittelkonsole nach einer meiner Sonnenbrillen, doch die leuchtende Neon-Schrift der Reklametafeln blen...
