„Wieso bist du gegangen?", warf ich meiner Mom an den Kopf als Ron die Tür zu zog und ich sie neben Mrs. Weasley stehen sah.
„Schatz ...", wollte sie einen Schritt vorgehen, aber ich wand den Kopf ab und trat einen zurück, zumindest wollte ich, aber es war nur ein kleiner Schritt, da mich Ron noch festhielt; sie beließ es und sprach weiter: „...es bestand keine Gefahr."
„Und wer kann das bezeugen?", wollte ich wissen.
„Dein Vater, Hermine ...", ich sah zu Mr. Weasley. „...er war besessen. Aber wir konnten ihn vernichten. Dein Vater ist wieder er selbst. Darauf gebe ich dir mein Wort; er wird dir nichts mehr tun. Er liebt dich und das was dir widerfahren ist, hat nicht er veranlasst."
„Und wer dann?", fragte ich leise.
„Ein Verbündeter von Draco. Sein Name wird dir nichts sagen, wir kannten ihn auch nicht.", lächelte George leicht. „Aber es ist jetzt vorbei."
Ich ließ das ein wenig sacken, ehe ich mich nun von Ron löste und zur Fensterscheibe ging. Früh hatten sie mir gesagt, dass man mich auch von außen sehen konnte, jetzt war ich diejenige die dadurch sah. Es war komisch den Raum in einer neuen Perspektive zu sehen, aber ich sah meinen Vater und das war die Hauptsache.
Mittlerweile saß er auf meinem Bett. Das Bild im Bilderrahmen, war eines der beweglichen in unserer Welt. Es war nicht das einzige Bild auf dem Tischchen, aber jenes welches er hielt war von Mom und mir.
Und er sah so verzweifelt aus. Ob ich zu hart zu ihm war? Konnte er denn wirklich nichts dafür? Weinte er jetzt wegen Mom oder mir? Oder uns?
Als jemand an meine Seite trat, wusste ich wer es war. Ich erkannte sie sofort, auch wenn ich sie noch nicht gesehen hatte.
„War ich zu hart zu ihm?", fragte ich leise.
„Schwer zu sagen.", erwiderte Ginny. „Vielleicht hättest du den Tisch nach ihm werfen sollen."
Ich grinste und sah zu ihr. „Du bist unmöglich."
Sie lächelte ebenfalls und gluckste: „Das wäre schon interessant gewesen."
„Der ist mir aus der Hand gerutscht.", murmelte ich und sah zurück zum Zimmer.
„Aus der Hand gerutscht?", erwiderte sie. „Dafür war das Ausgerutsche ganz schön zielsicher. War aber ein guter Wurf."
„Ich spiele trotzdem kein Quidditch!", wand ich ein und sah zurück zu ihr.
„Schade.", schmollte sie leicht, wurde dann aber wieder ernst. „Um auf deine Frage zurück zu kommen. Du konntest das nicht wissen, Miene. Du hattest bis dato nur noch das eine Bild von ihm, seine Stimme."
Sie brauchte es nur aussprechen und ich fühlte mich wieder eingeengt. Mein Herzschlag nahm wieder diese Schnelligkeit an und das schien sie zu merken. Denn ich spürte ihre Hand gegen meine; ihre Finger die sich um meine legten und sie sprach ruhig weiter: „Ich will dir hier nichts vorschreiben und der Rest auch nicht, wenn wir schon dabei sind. Aber denk an die schöne Zeit die ihr miteinander hattet. Er ist dein Dad, dass ist er jetzt wieder. Und dein Dad war immer stolz auf dich, oder? Er hat dir geholfen wo er konnte. Und diese Person die er für zwei Wochen war, ist nicht er."
Ich hörte ihr zu, wobei ich mitbekam wie es draußen begann zu regnen. Schwere Tropfen prasselten gegen die großen Fenster und ließen die Stimmung etwas kippen. Aber es gehörte und passte alles zusammen.
„Wir haben vier Monate nach deinen Eltern gesucht.", flüsterte sie. „Und du warst so unendlich erleichtert als du sie wieder hattest; als ihre Erinnerung zurück war. Willst du das kaputt machen lassen, von so einem Idioten, Miene?"
Ich schüttelte leicht den Kopf und sah zu ihr. Sie lächelte.
„Dann setz dich durch.", nickte sie. „Er ist dein Vater und niemand Fremdes mehr."
„Ich kann doch da nicht wieder reingehen.", überlegte ich unsicher.
„Wieso nicht?", wollte sie wissen.
„Ich habe gerade einen Stuhl nach ihm geworfen, Gin.", presste ich meine Lippen aufeinander, woraufhin jemand leise auflachte, aber bald darauf wieder aufhörte und sich räusperte.
Ginny verdrehte ihre Augen und sah kurz ungläubig über ihre Schulter.
Ich biss auf meine Lippe und sah wieder rein. Nachdenklich holte ich tief Luft und suchte nach Erinnerungen, die ich mit ihm geteilt hatte. Unbewusst verglich ich sie mit den letzten zwei Woche.
„Es war nicht seine Schuld, sondern die Schuld von Dracos Freund?", wiederholte ich fragend.
„Ja.", erwiderten alle anwesenden.
„Okay.", nickte ich langsam. „Und wieso erfahre ich das erst jetzt?"
„Wir hatten gedacht, du wirst erst später damit konfrontiert.", sagte Harry schräg hinter mir.
„Hat nicht so geklappt, hm?"
„Nein.", sein Lächeln war mehr als deutlich.
„Wenn das hier geschafft ist, dann sehe ich ihn wieder.", versprach ich.
„Gut, ... warte über was und wen reden wir?", harkte Ginny nach.
„Wir reden über Draco Malfoy, Schwesterherz. Und wenn ich soweit bin, trete ich ihm gegenüber und wenn das passiert, kann er sich festhalten, denn dann habe ich keinen Grund mehr mich zurück zu halten."
„Uh.", lächelte sie. „Aber das braucht noch ein bisschen."
„Sein Glück.", sah ich zu ihr.
Es war an der Zeit. Ich war überrascht das sich meine Gedanken und Ängste so schnell klarten, aber ich war auch froh darüber. Ich hatte nun mal keine Zeit mehr. Ein wichtiges Ereignis kam immer näher und ich brauchte meine Familie. Eine richtige Familie, die nicht zersplittern durfte; denn ich brauchte jedes Mitglied. Ich wollte mein Baby nicht in etwas reinsetzen, dass zerbricht.
Und deswegen zögerten wir nicht mehr länger. Mom hatte ihm schon verziehen, sie hatte ihm schon Stunden zugehört, sie hatte mit ihm zusammen geweint und gelacht. Sie wusste, dass er zurück war und ich nun auch.
Als ich langsam auf ihn zuging, war ich mir sicher, wer vor mir auf dem Bett saß und trauerte; ich erkannte ihn als den Mann wieder, der mich aufgezogen hatte; der mein Vorbild und Beschützer war; der mich nie aufgegeben hatte; der da war, wenn ich ihn brauchte.
Er hatte erst nicht aufgesehen und über das Bild gestrichen. Und auch als ich mich neben ihn setzte und ebenfalls auf das Bild sah, lächelte ich.
„Das Bild hast du gemacht.", hatte ich geflüstert. „Vor zwei Jahren."
„Ich weiß.", nickte er. „Wir waren im Park nahe unseres Hauses. Es war Frühling."
Ich erinnerte mich. „Wir haben gepicknickt. Mom und ich haben Blumenkränze gemacht und du hast Kaffee getrunken."
Vorsichtig nahm ich das Bild aus seinen Händen und stellte es zurück, wobei er meine eine Hand nicht losließ. Er hielt sie und strich über meine Handfläche.
„Mein kleines Mädchen.", hauchte er. „Es tut mir so leid, was du durchmachen musstest."
Ich legte meine freie Hand über seine und drückte sie leicht. „Schon okay."
„Ich hätte dich beschützen müssen. Du bist doch mein Mädchen, wir haben nur dich. Wenn ... wir hätten uns das nie verziehen.", schluckte er.
Ich küsste seine Wange und lehnte meinen Kopf gegen seinen. „Ich werde so schnell nicht gehen, Dad."
„Gott sei Dank.", lächelte er
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The Search || Harry Potter FF
Fanfiction|Ron&Hermine| Was passiert nach der großen Schlacht von Hogwarts und dem Fall Voldemorts? Was ist, wenn sich das goldene Trio für eine Zeitlang trennen muss? Wie lange würde das gut gehen? Harry und Ron begeben sich auf die Jagd nach den übrigen To...