2.

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Ich fühle mich unwohl.
Alle zu Unterrichtende haben trübe und leere Augen, die einheitlich nach vorne zum Glassboard und zur Lehrenden schauen und auf den monoton freundlichen Befehlwarten sich setzten zu dürfen.
Mit meinen Augen falle ich auf, viele andere Menschen schauen mich komisch an, aber sie dürfen nichts dazu sagen, ein Verbot des Systems.
Wir sollen die anderen gleich wie die unseren behandeln, respektvoll und unterlegen.
Es gibt sovielem was ich den anderen am liebsten mal sagen würde, sie sollen ihre Stimme nicht verstellen, sie sollen nicht steif und mit gradem Rücken laufen, sondern ihn auch mal durchhängen lassen. Die Menschen sollen lächeln nicht nur auf Befehl für Bilder, sondern was es ihnen passt, So wie die Kinder. Das System würde mich einsperren, wenn ich solche Sätze äußern würde.
"Setzen!" befehlt die Lehrende und Stühle werden über den grauen Linoleumboden gezogen.
Die weißen starren Gestalten setzten sich und lauschen gespannt dem Unterricht.

Mir tut der Rücken weh vom grade sitzen. Ich will mich zusammenfalten und hinlegen, aber es ist mir verboten.
Die Lehrende klatscht zweimal, ein Zeichen dafür, dass der Unterricht für heute beendet ist.
Wieder werden Stühle über den Boden geschoben und die trübsinnige Meute verlässt den Raum.
Gelehrt würde uns nicht viel. Wir wissen bereits alles nötige. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis die Wächter uns von unseren Häusern in ein neues Leben bringen. Das Wissen aus sieben Jahren Unterricht wird jetzt nur nochmal aufgefrischt und eingeprägt.
Ich gehe die Gänge der Stadthalle entlang. Überall hängen weiß leuchtende Lampen von den Decken.
Ich mag die Farbe weiß nicht, sie ist eintönig, langweilig, immergleich.
Ich genieße meinen Traum, die vielen Farben, Sinnes - und Gefühlseindrücke. Ich würde am liebsten in dieser Welt leben und nich in der Realität.
Ich weiß, dass meine Gedanken und mein Traum gefährlich sind, anders sind. Aber niemand kann in meinen Kopf schauen, niemand kann kontrollieren was ich will. Meine Gedanken haben ihren eigenen Willen, ich habe meinen eigenen Willen, aber ihn zu äußern wird mich mein Leben kosten.
Es fällt schwer meine Gedanken bei mir zu behalten. Ich würde sie zu gerne mit jemand anderem Teilen, jemanden der mich versteht und mir nachempfinden kann, jemand der mit mir anders ist und mit seinen Augen hervorsticht.
Der Stadtzug fährt bereits ab.
Ich fahre nicht gerne damit, zu viele Gesichter und lehre Augen schauen mir entgegen und ich fühle mich noch mehr anders als ich schon bin.
Der Weg zu Fuß kostet mich eine halbe Lebensstunde, Aber die büße ich gerne ein.
Ich laufe gerne, dabei können sich meine Gedanken frei entfalten und ich stelle mir ein anderes Leben vor, Ein Leben ohne ein vorbestimmtes und geschriebenes Leben, wo jeder tun und lassen kann was er will, wo jeder laufen, sprechen und lachen kann wie er will.
Eine Welt die nie wieder existieren wird. Es gab sie schon einmal vor einen langen Krieg. Menschen machten was sie wollten, gingen ihre eigenen Wege und mussten sich nichts vorschreiben lassen, konnten sagen was und wie sie es wollten, dass erzählte uns die Lehrende im Unterricht.
Ich hätte gerne zu dieser Zeit gelebt vor dem Krieg und vor dem System.
Aber dieses freie Handeln war der Grund für den Krieg. Menschen die sich höher gesetzt sahen fingen an ihren Unterlegenen den Boden zu zerbomben. Es gab keine Gleichheit alles und jeder war anders.
Als das System eingeführt wurde, wurden alle Protestierenden umgebracht, da sie sich weigerten sich gleichzustellen und so ist es bis heute geblieben, Leute die sich gegen das System wehren und sich aufmüpfig gegenüber anderen verhält wird öffentlich hingerichtet. Ein weiterer Grund warum ich mein anders sein für mich behalte, eine öffentliche Hinrichtung bedeutet Schande für die Familie, obwohl diese eh nichts mehr fühlen. Gefühle scheinen für alle nur ein Märchen aus der Vorkriegszeit zu sein. Für mich sind sie real ich fühle ich begreife meine Umgebung, weiß wer ich bin und kann denken und träumen meine eigene Stimme kontrollieren und verstellen wie ich sie will.

When I Close My Eyes Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt