Zurück nach Hause.

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Es war verrückt wie die Zeit rannte. Zwei Wochen Trainingslager waren vergangen. Heute Abend um 11pm ging unser Flug nach Toronto. So wirklich gehen wollten wir aber alle nicht. Hier, im Trainingslager war die Zeit irgendwie unbegrenzt und irgendwo auch nicht. Hier war alles toll. Hier waren die Menschen, mit denen wir die Zeit vergaßen. Am liebsten würden wir für immer bleiben. In diesem herunter gekommenen Hostel mit dem schlechten Essen. Hier am Strand in der Wärme. Trotzdem mich Matthews Ansage, mich nicht wieder sehen zu wollen hart getroffen hatte, war ich damit klar gekommen. Denn hier war die nötige Ablenkung gewesen. Inzwischen hatten wir wieder einmal 7pm und es gab Abendessen. In den letzten Tagen war ich nicht wirklich zum Essen gekommen. Morgens war ich zu müde, mittags waren wir unterwegs und abends waren wir meist zu spät beim Essen. Heute Abend würde ich das Essen komplett ausfallen lassen, um den Flug heil zu überstehen. In Jogginghose und Vereinsshirt saßen wir alle am Esstisch. Zwischen dem Haufen an 15 Mädchen die Leute, die wir hier kennengelernt hatten und unsere Trainer.

„Du isst nicht, oder Ennie?"-George an mich gerichtet. Ich schüttelte nur leicht den Kopf.

„Okay, aber trink bitte viel"-er und reichte mir meine Wasserflasche. Ich nickte und füllte sie mit dem Wasser aus dem Krug, der auf dem Tisch stand. Ben, Ty und Luke saßen sich unterhaltend bei Naomi und Emma. Aus Naomi und Ty war leider nichts geworden, auch wenn in so einigen Suff-Phasen es zwischen den beiden heiß her ging. Sam war wieder nach LA gefahren und hatte versprochen uns demnächst in Kanada zu besuchen. Mia unterhielt sich gerade mit einem Mädchen aus dem Volleyballteam und Laurie und ich saßen nebeneinander.

„Zu schnell"-sie

„Viel zu schnell"-ich und wusste damit, dass die Zeit im Trainingslager gemeint war.

„Das ich irgendwann mal freiwillig ins Trainingslager fahre, hätte ich nie für möglich gehalten"-Laurie und ich konnte ihr nur zustimmen.

„Alle mal herhören"-George und klatschte in die Hände. Nicht nur wir schenkten ihm die Aufmerksamkeit, sondern auch alle anderen, im Esssaal. George war es keines Wegs peinlich und er fuhr unbeirrt fort.

„Ihr müsst alle noch packen und um 9pm ist Abfahrt, verstanden?"-er. Ein Nicken ging durch die Reihen.

„Gut. Auf auf"-er und nickte uns zu. Langsam löste sich die Runde auf. Laurie und ich waren schon mit allem fertig, da wir heute nach dem Abschlusstraining schon gepackt hatten. Naomi, Emma und Mia mussten alle noch packen. Die drei verabschiedeten sich mit langen herzlichen Umarmungen von Ben, Luke und Ty. Gemeinsam mit den Jungs gingen Laurie und ich noch etwas raus. Wir liefen an der Promenade lang und setzten uns auf die Mauer am Strand.

„Meint ihr, man sieht sich mal wieder?"-Luke. Laurie nickte zuversichtlich.

„Bestimmt. Vancouver und Toronto. Das ist zwar weit auseinander, aber ich kann auch eine Beziehung zwischen LA und Toronto führen. Wir werden das schon packen"-sie und brachte uns alle zum Lachen. Ben stieß mich leicht an und ich sah ihn fragend an.

„Matthew ist dumm. Ich verstehe nicht warum er den Kontakt abbricht"-er

„Weil ich es getan habe"-ich seufzend.

„Das wird wieder mit euch"-er aufmunternd. Ich schüttelte den Kopf.

„Nein. Das soll's auch nicht"-ich.

Gegen 8.30pm gingen wir wieder zum Hostel und trugen unsere Koffer in den Bus. Während die Trainer alles managten, nahmen wir Abschied von den Leuten, die wir kennengelernt hatten. Mit drei herzlichen Umarmungen nahm ich nacheinander die Jungs in die Arme und es fühlte sich an, als würdest du am Ende des Schuljahres deine Freunde verabschieden in die Sommerferien. Wir stiegen alle in den Bus und verließen diesen schönen Ort. Bei Dämmerung liefen wir als große Traube durch den Airport und suchten nach Steckdosen, um unsere Handys zu laden. Ich kapselte mich mit Kopfhörern von der Außenwelt ab und versuchte mich Mental auf den Flug vorzubereiten. Mein Handy vibrierte und ich sah, dass es James war.

J: Ich hol euch vom Flughafen ab.

F: Das wollte doch eigentlich Brad machen.

J: Brad ist in Italien und Carl ist mit eurem Dad weg.

F: Was?

J: Frag mich nicht

F: Okay bis später.

Ich wollte mein Handy weglegen, doch James schrieb mir weiter.

J: Was hast du mit Matthew gemacht?

F: Nichts. Er hat gesagt, er will nichts mehr mit mir zu tun haben.

J: Er vögelt jede. Florence du hast ein Tier aus ihm gemacht.

F: Ich kann da nichts für.

J: Wir reden später.

Genervt legte ich mein Handy weg und wartete aufs Boarding. Wir verließen LA bei Nacht und der Ausblick war atemberaubend. Ich war überwältig und hätte nie gedacht, dass eine Stadt von oben so schön sein kann. Im Flugzeug saß ich neben Laurie und sie verschlief fast den ganzen Flug, währenddessen ich schiss hatte wie ein kleiner Hund. Umso glücklicher war ich, als wir gegen drei Uhr morgens in Toronto landeten. Wir verabschiedeten uns voneinander und meine zweite Hälfte und ich suchten James.

„Man soll immer dann aufhören wenn es am schönsten ist"-Laurie grinsend und sah auf den Hintergrund ihres Handys, der ein großes Gruppenbild zeigte aus der Zeit aus dem Trainingslager.

„Mission geglückt"-ich. Sie nickte lachend. Wir fanden James in der Raucherzone. Er musterte uns prüfend und nahm uns schlussendlich zumindest einen Koffer ab. Seine Jogginghose und das Sweatshirt ließen vermuten, dass er gerade vom Sofa kam.

„War gut?"-er. Seine Frage war nur, um die Stille nicht ganz so angespannt wirken zulassen, doch Laurie sah es als Anlass die zwei Wochen detailliert zu erzählen. Ich lehnte mich Augen rollend zurück und sah aus dem Augenwinkel, wie James tonlos seufzte. Die gesamte Fahrt über war Lauries Monolog zu hören und die schwarze Straße vor uns zu sehen. Kurz vor unserem Haus, wurde Laurie unterbrochen, da sie angerufen wurde.

„Was hast du heute noch vor?"-er. Ich zuckte mit den Schultern.

„Es ist vier Uhr morgens."-ich

„Willst du schlafen?"-er.

„Keine Ahnung, bin irgendwie nicht müde"-ich.

„Kommst du mit zu mir?"-er. Fragend sah ich ihn an. Ich war zuletzt vor drei Jahren bei James. Etwas unschlüssig zuckte ich mit den Schultern.

„Justin ist auch da"-ergänzte er.

„Kann ich machen. Und Laurie?"-ich

„Die kann auch mitkommen"-er. Ohne Laurie zu fragen, fuhren wir an unserem Haus vorbei zu James. Etwas fragend sah Laurie uns an, doch der Vorteil an ihr war, sie brauchte nicht für alles eine Erklärung.

5am, Justin, James, Laurie und ich saßen auf dem Sofa im halbdunklen Wohnzimmer von James Familie und sahen irgendeinen Spielfilm. Jeder trank ein Bier und ab und zu unterhielten wir uns über belangloses Zeugs. Als James tiefer einatmete, wurde mir bewusst, dass er mir irgendwas sagen wollte.

„Du machst ihn kaputt"-James leise und sah nicht in meine Richtung. Ich wusste was er meinte und zuckte nur mit den Schultern.

„Er hat es ausdrücklich gesagt. Er will nichts mehr von mir wissen"-ich. James sah mich prüfend an.

„Warum?"-er. Ich zuckte mit den Schultern.

„Du weißt, dass er besoffen in der Schule sitzt und sich jede Nacht um die Ohren haut?"-er und es klang fast vorwurfsvoll.

„Du weißt was Dad sagt"-ich monoton und sah wieder zum TV.

„Das du mit Matt zusammen warst wundert mich, bei dem Gehorsam den du Vorweist"-er amüsiert.

Remember Me.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt