Ich lauschte dem Regen, der gegen die Scheiben prasselte. Es war bereits dunkel draußen. Die Nacht war heran gebrochen. Schloss ich meine Augen, dann sah ich ihn vor mir. Mit dem Lächeln. Mit den Augen. Mit mir. Mit mir und seinen Lippen auf den meinen. Wir hatten nach dem Kuss nur noch geringfügig Worte gewechselt. Es war aber auch nicht nötig. "Woran denkst du?" Leise hallte die Stimme von Tessa an mein Ohr. "Darf ich dir eine Geschichte erzählen Tessa?" Ich ging nicht auf ihre Frage. "Ja. Ich würde gern eine Geschichte hören." Ich nickte und sie stellte sich zu mir. Zusammen starrten wir in den Regen. "Es geht um ein Mädchen. Ihr Name lautete Lynn. Lynn war mutig, sodass jeder Respekt vor ihr hatte. Doch Lynn lebte in einer Traumwelt. Einer Welt, die perfekt für sie war. Lynns Mutter liebte Tochter. Sie akzeptierte, dass sie anders war, als die anderen. Und das brachte Lynn Sicherheit ein. Das kleine blonde Mädchen wollte nicht raus. Raus in die große, graue, gefährliche Welt. Egal wie mutig sie auch war. Das war zu viel. Und doch rief etwas nach ihr. Es trieb sie immer weiter hinaus. Hinaus in das Verborgene. In den Schatten. Lynn hielt diese Sehnsucht nicht mehr aus. Sie verließ ihre Mutter in einer Nacht voller Regen, Donner und Blitze. Doch Lynn kämpfte. Kämpfte gegen das Unwetter an. Draußen, in der anderen Welt fühlte Lynn sich wohl, auch wenn sie ihre Mutter bereits vermisste. Sie hatte ihr ganzes Geld zusammengekramt, damit sie weiter kommt, als ihre Mutter es tat. Ja, Lynns Mutter war auch als kleines Mädchen weggerannt. Abenteuerlust lang schon immer in der Familie. Lynn suchte sich einen Job, dabei war sie noch so jung. Und dann lernte sie ihn kennen. Er war perfekt. Das dachte sie jedenfalls. Sie zogen zusammen. Heirateten. Bekamen ein Mädchen. Und doch, nach all den Gerüchten er würde ihr fremdgehen blieb sie bei ihm. Lynn war bewusst: Liebe machte Blind. Sie hasste es verliebt zu sein. Und eines Tages sagte Lynn zu ihrer Tochter folgendes: Mein Schatz, mein Engel, mein Leben. Ich möchte, dass du es besser haben wirst als ich es hatte. Ich habe meine Familie, meine Mutter, früh verlassen. Und das gut so, denn sonst hätte ich dich jetzt nicht. Aber hör mir gut zu mein Kind. Ich wollte auf einer Art bleiben. Auf der anderen Art gehen. Was sollte mich festhalten? Wie jedes Mädchen war ich verliebt. Ich ließ allein um hierher zu gehen. Ich bereue es nicht, dich bekommen und deinen Vater kennengelernt zu haben mein Kind. Aber ich bereue es ihn verlassen zu haben. Lynns Tochter wusste damit nichts anzufangen. Sie war doch erst fünf Jahre alt. Doch als ihre Mutter verschwand wusste sie es. Ihre Mutter war bei ihm. Ihrer großen Liebe. Und es war nicht ihr Vater. Das arme Mädchen hatte sie dort gelassen. Doch ihre Tochter verstand es. Lynn musste an sich denken. Und die Tochter versprach sich selbst und auch ihrer Mutter sie besuchen zu werden. Und das tat sie auch. Der Mann, an dessen Haustür Lynns Tochter klingelte kam ihr wenig bekannt vor. Er zeigte ihr, wo sie ihre Mutter finden würde. Sie fand Lynn auf dem Friedhof. Sie stand vor dem Grab ihrer Mutter." Es war keine einfache ausgedachte Geschichte. Sie war wahr. Tessa wusste das. "Rose... Was ist passiert?" Ihre Hände legten sich auf meine Schultern. "Warum redest du so wirres Zeug?" Sie hatte Recht. Ich hatte wirklich Mist geredet. "Ich weiß auch nicht. Ich fühl mich irgendwie schlecht." Besorgt musterte sie mich, dass spürte ich. Tessa war kurz verschwunden ehe sie in Begleitung wieder kam. "Rose?" Ich begann zu lächeln, als ich seine Stimme hörte.
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Erinnerung Ans Vergessen
RomansaNachdem Deutschland von den neoNazis übernommen wurde marschierten sie weiter nach Norden um Schweden zu erreichen. Doch dieses Land ist bestens vorbereitet und schickt alle Kinder nach Amerika. Unter ihnen auch die junge Rose Mitchell, gerade 18 ge...
