Kapitel 8

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Erik Fish - Willst du wirklich?

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Als Castiel das Haus betrat, wartete sein Vater schon auf ihn. In seit dem Morgen scheinbar unveränderter Pose saß er in der Küche. Ein Außenstehender hätte die Situation für ruhig und gelassen halten können. Castiel wusste es besser. Normalerweise hätte sich sein Vater schon längst in sein Büro zurückgezogen, in dem er etwas tat, das Castiel noch immer ein Rätsel war und wohl auch immer eines bleiben würde, denn arbeiten war es sicher nicht. Arbeiten tat er immer am Küchentisch. Castiels Vater erschien ruhig. Gerade diese Ruhe zeigte Castiel, dass er in Schwierigkeiten stecken würde, hätte er keine gute Ausrede, vielleicht auch dann noch.

Durch ein Klopfen am Türrahmen machte Castiel auf sich aufmerksam. Sein Vater blickte auf. Sicher hatte er seinen Sohn auch schon vorher bemerkt, aber er war nicht so zuvorkommend, dass er ihm irgendetwas einfacher machen würde.

Castiel räusperte sich. Obwohl er sich sicher war, einen guten Plan zu haben, fürchtete er die Konsequenzen, sollte er doch nicht gut genug sein. Die Furcht ließ ihm die Hände feucht werden. Sein Vater erzog ihn streng. Er schreckte vor Strafe nicht zurück. Das hatte Castiel schon einige Male am eigenen Leib erfahren, denn selbst wenn er anderorts als volljährig gelten würde, stand er noch weit unter seinem Vater bis er seine Gefährtin gefunden haben würde.

„Ich bitte vielmals um Entschuldigung, zu spät gekommen zu sein. Es wird nicht wieder vorkommen", begann er, unruhig seine Hände knetend. Als er aber den strengen Blick seines Vaters auf sich spürte, stoppte er. Sein Vater mochte diese Geste nicht. Sie drückte Unsicherheit aus. Etwas, das Castiel keines Falls symbolisieren sollte.

„Ich war mir gestern noch nicht sicher, aber ich glaubte einen Streuner gerochen zu haben. Ich berichtete dir nicht davon, weil ich dich nicht unnötig beunruhigen wollte, sollte ich falsch liegen." Castiel zögerte. Würde er jetzt weiter sprechen, würde er Sasha hintergehen, oder zumindest fühlte es sich für ihn so an. Gleichzeitig wäre es die Lösung seines Problems. Sein Vater wäre stolz, sein Rudel wäre stolz, er wäre glücklich. Zwar würde er nicht in absehbarer Zeit Alpha werden, da es ihm nicht möglich war eine Gefährtin zu finden - Werwölfe prägten sich nur ein Mal -, doch er würde auch weiterhin Teil des Rudels sein und das war was er wollte, oder zumindest war das das, was er wollen wollte.

Also schob er seine Gefühle zu einer kleinen Kugel zusammengenautscht in die hinterste Ecke seines Selbst und sprach weiter: „Deshalb bin ich heute noch einmal gegangen, um es zu überprüfen. Es war sicherlich falsch von mir, dich nicht in Kenntnis zu setzen, aber du kennst meine Gründe. Ich kann jetzt sicher sein, dass der Streuner dort ist. Ich fand Spuren an der nordöstlichen Grenze unseres Gebietes. Er..."

Wieder musste Castiel stoppen. Würde er seinem Vater sagen, Sasha sei auf ihrem Gebiet gewesen, würde dieser Sasha sicherlich töten. Würde er behaupten, Sasha sei nur an der Grenze gewesen, würde sein Vater ihn wahrscheinlich verscheuchen lassen. Klüger war seinen Vater Sasha töten zu lassen. „... hat unsere Grenze nicht überschritten." Aber Castiel konnte seine Stimme nicht dazu bringen, die Worte zu formen. Er konnte sich selbst nicht dazu überreden, seinem Gefährten zu schaden. Etwas in ihm hielt ihn auf. Er verfluchte sich selbst dafür, so empfindlich gegenüber dieser Art der Beeinflussung durch seinen wölfischen Instinkt zu sein.

„Trotzdem mache ich mir Sorgen, er könne es noch tun. Wir sollten die Grenze nicht mehr übertreten."

Castiels Vater sah ihn abschätzend an, als könne er die Lüge riechen. Augenscheinlich konnte er das aber nicht, denn er ließ sich zu einem Nicken herab. „Da magst du Recht haben können."

Castiel konnte ein Aufatmen nicht unterdrücken. Ein solcher Satz von seinem Vater an ihn kam einem Ritterschlag gleich. Castiels Vater scheute vor Lob und besonders Kritik nicht zurück, nur Castiel gegenüber schien eine Anerkennung ihm unmöglich. Vielleicht weil er sein eigen Fleisch und Blut, somit der geborene Alpha, war und alles besser als alle anderen machen musste.

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