KALEO - Way down we go
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„Castiel!", ertönte es aus dem Telefon. Die dunkle, ruppige Stimme gehörte nicht zu Sasha. Ganz und gar nicht.
„Vater", hauchte Castiel und hoffte, dass es über die Leitung nicht so niedergeschmettert klang wie er sich fühlte.
„Ich gehe davon aus, dass du deine Aufgabe erfüllt hast und so bald wie möglich zurück kommst", fuhr Castiels Vater fort.
„Natürlich, Vater", presste Castiel heraus.
„Wäre dem nicht so, wäre ich sehr sehr enttäuscht von dir. Und das wollen wir ja nicht. Außerdem werden die Rudelmitglieder langsam misstrauisch", die Stimme wurde noch etwas kühler, „einen der Bauern musste ich schon in die Schranken weisen. Du verstehst sicher, dass ich das alles nur deinetwegen tue. Es wäre eine Schande, wenn meine Position im Rudel nur wegen deiner Spirenzchen bedroht würde."
„Ich verstehe. Das wird nicht passieren", antwortete Castiel.
Eine Rückmeldung bekam er nicht mehr. Sein Vater legte schlichtweg auf. Castiel ließ das Handy sinken und sah sich um. Alles Zerstört. Alles gefüllt mit Erinnerungen und Schmerz. Es nahm ihm die Luft zum atmen. Er hielt es hier nicht mehr aus. Hastig warf er das Nötigste in seine Tasche, streifte Kleidung über, die warm genug war, um ihn vor der Kälte des Winters zu schützen und verließ die Wohnung. Erst als er sich ein ganzen Stück entfernt hatte, fühlte er das Gewicht von seiner Brust schwinden. Wie er so durch den Abend lief, kam er sich unheimlich klein vor. Klein und machtlos. Und unbedeutend. All seine Probleme und seine Sorgen machten für das Universum keinen Unterschied. Das Universum interessierte sich nicht für seinen Vater und wie schlecht er alle um sich herum behandelte, Castiel und das Rudel eingeschlossen. Es interessierte sich nicht für seine Mutter, die einfach davon gelaufen war, ohne daran zu denken, mit wem sie ihre Kinder zurück ließ. Hatte sie ihn je geliebt? Hatte sein Vater je etwas geliebt? Hatte je jemand Castiel geliebt? Er wagte es zu bezweifeln. Er liebte sich ja nicht einmal selbst. Castiels Gedanken wanderten zu Sasha. Schon ihre erste Begegnung war katastrophal gewesen. Für die letzten paar Wochen hatten sie Frieden genießen können. Fast glaubte er ihre gemeinsame Zukunft vor sich zu sehen, wie sie einander halfen, wie es hätte sein können. Sasha zeigte Castiel Freiheit, Castiel schenkte Sasha Stabilität und Zuflucht. Aber es war anders gekommen. Sasha verlangte von Castiel, alle Stricke zu lösen, was nicht zu Freiheit führte sondern zum Verlorensein. Andersherum war Castiel wie eine Kette, die Sasha einkerkerte und ihm ins Fleisch schnitt. Sie waren beide zu extrem, steckten beide zu tief im eigenen Morast, um den anderen heraus zu ziehen, ohne ihn gleichzeitig mit in die eigene Brühe zu zerren.
Stattdessen suchte Castiel etwas anderes, an dem er sich festhalten konnte. Ein Aufgabe. Für eine Weile waren das die Häckeltierchen gewesen. Aber auch Castiel wusste, dass das keine Dauerlösung war. Aber was blieb ihm noch? Das Rudel? Sasha? Er musste eine Wahl treffen und ihm blieb nicht mehr viel Zeit. Aber wonach entscheiden? Er fühle sich wohl mit Sasha. Es gab Momente, da ließ Sasha ihn all den Druck vergessen, in denen er glücklich war. Wenn sie es schaffen würden, neu an zu fangen, die Altlast hinter sich zu lassen, würden sie Glückseligkeit erreichen. Vielleicht sollte er alle Stricke lösen, die Gefahr eingehen, für einen Wimpernschlag in der Zeit verloren zu sein, um dann am Ende das größere Gut zu erreichen. Es hört sich nach einem Traum an, der wahr werden könnte, wenn Castiel nur den Mut dazu hatte. Und den Willen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Aber noch hatte er den nicht. Noch war er unsicher. Noch strebte er nach einer Hand, die ihn führte, einem Plan, der ihn leitete. Es gab jemanden, der ihm diesen Plan sicher zu geben vermochte. Castiel wusste, wohin er gehen konnte.
Er tauchte aus seinen Gedanken wieder in die Realität, machte auf dem Absatz kehrt und ging zielsicher Richtung Stadtrand.
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Wolfssorgen
WerewolfCastiel, zukünftiger Alpha seines Rudels, und Sasha, freier, unabhängig Omega. Zwei nicht-ganz-Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun hätten. Wenn da nicht das Ding mit dem Gefährtensein wäre. Plötzlich kollidieren die beiden sich so st...
