Fleurie - Hurts like Hell
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Kaum etwas war Castiel je so heimelig vorgekommen wie die Präsenz seiner Oma. In ihrer Gegenwart hatte er die schönsten Momente seiner Kindheit verbracht.Auch wenn er jetzt erwachsen und sich nicht wirklich sicher war, ob sie seine Probleme wirklich verstand, fühlte er sich bei ihr noch immer zuhause. Nicht zuletzt, weil sie ihn mit einem Stück seiner Lieblingstorte verwöhnt hatte. Nach einem solchen Stück hatte Castiel sich auf dem gemütlichen Wintergarten seiner Oma nieder gelassen und starrte Gedankenverloren in die Winterlandschaft.
„Magst du noch etwas, Liebchen?", seine Großmutter weckte Castiel aus seiner Meditation.
„Hm?"
„Ich weiß, dass das alles schwer für dich sein muss", mit einem milden Lächeln durchquerte die ältere Dame den Wintergarten und ließ sich dann neben dem jungen Mann auf die hölzerne Bank fallen. „Man wird nun mal so schnell erwachsen und ehe man es sich versieht, muss man eigene Entscheidungen treffen. Leichte und Schwere." Vorsichtig nahm sie seine Hand in ihre runzelige. "Das habe ich mir bei deiner Mutter mitansehen müssen und jetzt bei deiner Schwester und dir genauso. Und immer mache ich mir so fürchterliche Sorgen um euch."
„Ist schon gut, Oma. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ruta und ich passen schon auf uns auf. Und Mutter bestimmt genauso", versicherte Castiel seiner Großmutter.
Wieder lächelte die Dame. Sie hatte ein weiches Gemüt. "Ich weiß schon, dass deine Schwester auf sich aufpassen kann. Und deine Mutter war neulich hier...", sie ließ den Satz im Sande verlaufen, unsicher, ob sie das Thema überhaupt hatte ansprechen sollen.
„Ach ja?", Castiel horchte auf. Seit der Trennung seiner Eltern hatte er nur wenig von seiner Mutter gehört und kaum einen Gedanken an sie verschwendet. „Ist sie glücklich, da wo sie jetzt ist?", fragte er fast mehr sich selbst.
Oh ja. Sehr." Eine Weile schwiegen sie, bewunderten die Landschaft draußen. Es fing leise an zu schneien. „Weißt du", erhob die alte Dame wieder die Stimme, einfach, weil sie wusste, dass sie etwas sagen musste. Weil sie helfen wollte. „Deine Mutter hatte damals die Wahl zwischen ihrer Verantwortung und ihrem Glück. Sie hat sich für ihr Glück entschieden und sie hat für sich die richtige Wahl getroffen. Manchmal muss man ein bisschen selbstsüchtig sein. Das ist in Ordnung."
„Hm", machte Castiel und nickte mechanisch, während es in seinem Kopf laut "nein" schrie. Er war ein wenig selbstsüchtig gewesen. Und was hatte es ihm gebracht? Nicht viel. Glücklich war er nicht geworden. Er zog die Beine auf die Bank und schlang die Arme darum. Es war ihm alles zu viel. Schon wieder. Immer wieder. Manchmal hasste er sich selbst dafür. Aber er wusste nun mal nicht, was er dagegen tun sollte.
Noch eine Weile blieben sie im Wintergarten sitzen. Die Sonne ging langsam unter.Irgendwann verabschiedete die ältere Dame sich für die Nacht und ließ ihren Enkel allein zurück. Bis in die frühen Morgenstunden blieb dieser dort sitzen und brütete über seinen eigenen Gedanken. Dann zog er sein Handy aus der Tasche und schrieb eine einzelne Nachricht an Sasha.
„Treffen wir uns heute um 18:00 Uhr am Waldrand hinter der Stadt?"
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Wolfssorgen
WerwolfCastiel, zukünftiger Alpha seines Rudels, und Sasha, freier, unabhängig Omega. Zwei nicht-ganz-Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun hätten. Wenn da nicht das Ding mit dem Gefährtensein wäre. Plötzlich kollidieren die beiden sich so st...
