3 | Drakis

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Ich wachte mit einer Klinge am Hals auf. Langsam öffnete ich die Augen und starrte auf drei Drakis. Einer von ihnen hielt seine rostige Klinge an meinen Hals. Drakis sind widerliche Geschöpfe. Obwohl auch sie einst normale Menschen waren. Sie entstehen, wenn ein menschlicher Körper Magie nicht annimmt. Diese Wandlung geschieht oft bei Ritualen von Magiern mit Menschen. Manchmal ist der Körper zu schwach oder nicht dafür vorgesehen Magie in sich aufzunehmen und wandelt sich dadurch in etwas schreckliches wie die Drakis. Warum diese Wandlung passiert wissen selbst die Gelehrten des Landes nicht. Doch so ist jede Magienutzung an einem Mensch immer ein Risiko. Drakis sind ehemalige Menschen. Nach der Wandlung sind sie eher wandelnde Leichen die vogelfrei in den Wäldern leben. Sie interessieren sich meistens nur für Wertgegenstände. Doch abends in schaurigen Kindergeschichten wird von Drakis erzählt die ihre Opfer pfählen und fressen. Ich begegnete noch nie einem Draki und hoffte inständig dass es nur Schauergeschichten waren die man unartigen Kindern erzählte.

Drei leere, bleiche Augenpaare starrten mich an. Der erste hielt mir seine Klinge an den Hals während der zweite grob meine Hände packte und sie mit einem rauen Seil zusammen band. Seine verfaulten Finger rochen widerlich und gelbe Flüssigkeit tropfte von seinem verschürften Arm auf meinen Schoss. Ich unterdrückte einen Brechreiz. Ich zerrte an den Fesseln doch ich war zu schwach. Das Gift setzte mir sehr zu. Plötzlich fing eines dieser Wesen an zu sprechen. Mir war nicht bewusst, dass sie dessen mächtig waren. "Hallo Kleines", seine Stimme klang rau und verwesen. Er fletschte seine wenigen vergammelte aber spitze Zähne. Angst überkam mich. Gesund hätte ich es bestimmt mit ihnen aufnehmen können. Obwohl ich gar nicht wusste wie oder gar ob man einen Draki töten konnte. Doch ich hätte sie alleine schon im Schlaf gehört oder gerochen und hätte fliehen können. Aber durch das Gift wurden auch meine Sinne getrübt und ich wurde immer schwächer.

Eine einzelne, kalte Träne lief meine Wange herunter. Ich wollte keine Angst zeigen, doch meine Schwäche lies es nicht mehr zu. Widerwärtig lachte der erste Draki und trat mir überraschend in den Bauch. Meine Innerein verkrampften sich und ich hustete. Ein Blutschwall entkam meinem Mund und lief mir das Kinn herab. Erschöpft sackte ich in mir zusammen. "Durchtsucht ihr Sachen, nehmt alles Wertvolle!" Er schaute mich an und nahm mein Gesicht zwischen seine knochigen, fauligen Finger. "Und danach widmen wir uns dir." Ich schluckte. Also waren die Kindermärchen doch wahr? Ich fühlte mich so erniedrigt. Normalerweise könnte ich mich verteidigen aber ich war zu schwach. "Ich habe kein Gold, ich bin nur eine Reisende. Mein Kind hat die Pest, bitte lasst mich gehen.", versuchte ich zu lügen. Erneut lachte der Draki. Und erneut schlug er mir in den Magen. "Mit dir habe ich etwas Besonderes vor" Mir wurde immer schlechter und als er mir das dritte Mal in den Bauch schlug beugte ich mich vorne über und erbrach hustend Blut vor seine Füße. Die Welt fing an sich zu drehen und blutige Tränen liefen mir über die Wangen. Der Zweite meldete sich zu Wort. Geisterhaft sprach er: "Lass sie hier. Die hat bestimmt auch Pest!" Zum ersten Mal meldete sich auch die dritte Kreatur: "Ja, lasst die Hure zum sterben hier!". Wütend resignierte der Erste. Er schnitt mir leicht in die Kehle als er sein rostiges Schwert einsteckte.

Zu lange nachdem die Drakis weg waren, schaffte ich es meine Gedanken zu fokussieren und die Fesseln zu lösen. Andauernd wurde mir schwindelig und ich musste mich festhalten. Als ich mich umblickte verlor ich meine Hoffnung. Die Drakis hatte alles mitgenommen. Mein Pferd mit dem Rucksack war weg. Doch der Sattel war noch da. Also auch Justira, den ich darunter versteckte. Ich hielt ihn eng an den Körper, als wäre er das Wichtigste auf dieser Erde. Ich hatte keine Kraft mehr mir noch ein Pferd zu stehlen. Mir blieb nun nichts anderes übrig als zu Fuß den Weg auf mich zu nehmen. Ich ließ den Sattel liegen. Zog den Umhang eng um mich und versteckte den Bogen darunter. Ein langer Marsch lag vor mir und ich wusste nicht wie ich es schaffen sollte.

Ich begab mich auf die Straße, doch sie war leer. Die Morgensonne leckte am Horizont. Meine Welt geriet immer mehr ins Schwanken. Schritt um Schritt ging es mir schlechter. Mein Kopf dröhnte. Ein weiterer Schritt. Meine Nase fing an zu bluten. Noch ein Schritt. Meine Lunge zerbarst. Ein Schritt. Ich fing an alles um mich herum auszublenden. Schritt. Ich hatte nur noch mein Ziel vor Augen und der Stadtname wurde wie ein Mantra für mich. Schritt. "Dalra." Schritt. "Dalra." Schritt. Den nächsten Schritt übersprang ich und fiel zu Boden. Regungslos und nach Atem schnappend lag ich im Dreck und hörte nur meine eigene rasselnde Atmung, unter der immer wieder das Mantra erklang. "Dalra". Dann wurde alles schwarz.

Der Dunkle ThronWo Geschichten leben. Entdecke jetzt