In der Nacht träumte ich erneut von den Wächtern des Todes. Es war keine Traumvision, es kam mir eher wie ein Alptraum vor. Es war dunkel um mich herum und die großen schwarzen Gestalten recken ihre langen Klauen nach mir. Irgendwann stand Nymeth neben mir und die Klauen der Wächter kratzten ihr Gesicht auf. Ich konnte mich nicht wehren. Ich stand wie festgewurzelt da und musste dem Geschehen zugucken. Es war ein schreckliches Gefühl. Nichts tun zu können. Irgendwann schrie ich.
Eine Berührung riss mich aus meinem Traum. Ich lag in unserem Bett im Gasthaus und Nymeth war über mich gebeugt. Ihre müden Augen spiegelten Sorge mit sich. Sie legte eine Hand auf meine Wange und streichelte diese. „Ssch. Es war nur ein Traum", beruhigte sie mich.
Schweiß lief meine Stirn hinunter und langsam beruhigte sich mein Herzschlag wieder. War es nur ein Traum? „Ich habe geträumt, dass die Wächter des Todes dich holen wollten. Und ich konnte nichts tun. Das war das schlimmste Gefühl. Ich konnte dir nicht helfen. Ich stand daneben und habe zugeguckt." Ein Kloß bildete sich in meinem Hals und ich hasste diesen Moment der Schwäche. „Ich musste zusehen, wie sie dich töteten.", beendete ich die Erzählung und griff ihre Hand.
Sie erwiderte den Griff und streichelte meine Wange. „Alles ist gut", flüsterte sie. „Heute wird ein aufregender Tag. Vielleicht hast du deshalb schlecht geträumt."
Hatte ich vor Aufregung diesen schlechten Traum gehabt? Mag schon sein ... Oder es war eine Vorahnung auf das was kommen mag.
„Wie spät ist es eigentlich?", fragte Nymeth verschlafen und rieb sich die Augen. Ich warf einen Blick aus dem Fenster. Die Sonne erklomm bereits die Baumwipfel und warf einen hoffnungsvollen Schimmer durch die Baumkronen.
Ich drehte mich im Bett um und blickte Nymeth in die Augen. In diese wunderschönen und unschuldigen Augen.
Manchmal fragte ich mich was sie in meinen Augen sah. Eine Mörderin? Eine Assassine? Eine kaltblütige Killerin? Oder jemanden der alles tun würde um seine Liebe zu retten?
Gerade manifestierte sich diese Frage auf meiner Zunge als sich das Mädchen zu mir vorbeugte und mir einen Kuss auf die Lippen drückte. „Es wird alles gut", flüsterte sie mir auf die Lippen. „Versprochen".
Wir hatten unser letztes Frühstück auf der Insel verspeist und machten uns nun auf den Weg zu den Schmieden. Ich war voller Vorfreude und Erwartungen. Ich wusste nicht, was auf uns zukam. Aber ich versprach mir etwas atemberaubendes.
Nymeth ging neben mir her und auf halbem Weg tragen wir auf Pleia, welche sich uns anschloss und auf die Schmieden zuschlackste. Pleia und ich warfen uns vielversprechende Blicke zu, doch wir verloren keine Worte auf dem Weg. Die Aufregung war zu groß.
Auch diesmal spürte man mit jedem Schritt, dass man den Schmieden näher kam. Die Luft vibrierte und kochte, Hammerschläge hallten durch die Luft, genauso wie aufeinander schlagendes Metall.
Pleia entdeckte sie sofort. Myra stand etwas abseits des Geschehens und wusch einen Lappen in einer Tränke, mit welchem sie sich den Schweiß von der Stirn wischte.
Wir gingen geradewegs auf sie zu und blieben kurz vor ihr stehen. „Ich habe euch erwartet.", begrüßte sie uns.
Unwohl trat ich von einem Bein aufs andere. Nymeth lächelte nervös, lediglich Pleia grinste und nickte. „Dann zeig doch mal was du für uns hast", grinste sie frech.
Wortlos verschwand Myra in einem Schuppen und zeigte uns zu folgen. Wir betraten einen alten Schuppen, welcher erstaunlicherweise aber sehr sauber war. Licht fiel durch ein Deckenfenster auf eine Reihe Rüstungsständer und ließ diese in einem erstaunlichen Licht glänzen. Und wir stockten. Der Anblick der sich uns bot war unglaublich.
Vor uns standen fünf unterschiedliche Rüstungen. Jede wunderschön und nützlich auf seine Art und Weise. Die linke Rüstung bestand aus Metall und besaß unglaublich viele wunderschöne Verzierungen. Ein Bogen lehnte an Dieser und auch der Bogen glänzte von innen. Daneben stand eine Rüstung die unglaublich königlich wirkte. Das unbekannte Material schimmerte silbern und es hatte goldene Verzierungen. Am Nacken war ein dunkelblauer Umhang aus Satin eingenäht. Auf dem Kopf prangte eine goldenes Diadem mit pulsierenden Verzierungen. An der Rüstung lehnte ein Schwert wie ich es noch nie gesehen hatte. Es hatte rot leuchtende Merkmale und einen Rubin auf dem Griff eingebaut.
Daneben stand eine Rüstung aus einem Material was aussah wie Leder, aber schimmerte wie Metall. Auch diese trug viele Verzierungen und einen dunkelroten, fast schwarzen Kaputzenumhang. In einer Scheide steckte ein Dolch, mit einer doppelten Schneide, Verzierungen und einer pulsierenden Macht die davon ausging.
Rechts daneben standen zwei weitere Rüstungen, ähnlich der Linkem, aber dennoch ganz anders.
Ein Langschwert stand bei der Rüstung rechts. Ich hatte noch nie so ein riesiges Schwert gesehen.
Als ich fertig mit der Begutachtung war, fiel mir auf, dass mein Kiefer heruntergeklappt war. Diese Meisterstücke waren wunderschön.
Pleia ging bereits auf eine der Rüstungen zu und berührte sie. An der linken Rüstung blieb sie stehen und lächelte. Nymeth stand genauso fassungslos festgewurzelt rum. Myra ergriff das Wort.
„Alle diese Rüstungen sind aus einem Material, welches unglaublich leicht aber auch kaum zu zerstören ist. Sie sind alle mit Siegeln und Zeichen verzaubert und sorgen so für einen noch besseren Schutz.
Pleia, deine Rüstung ist die ganz linke. Aus härtem Material für offene Kämpfe. Mit dem Bogen den du dir gewünscht hast. Er wird sein Ziel nicht verfehlen.
Nymeth, eure Rüstung ist die daneben. Eine Rüstung wir sie einer Königin gebührt. Extra ausgepolstert über empfindsamen Stellen, wie dem Herzen. Sie ist so verzaubert, dass die meisten Feinde schon zittern werden euch auch nur anzugreifen. Für den maximalen Schutz.
Dazu ein Schwert, wie es einer Königin gebührt. Es wird tödlich verwunden und seinen Dienst nie aufgeben.
Alena, eure Rüstung ist die in der Mitte. Sie besteht aus einen Leder ähnlichen Material, welches allerdings genauso schützt wie Metall. Allerdings sorgt es so für mehr bewegungsfreiheit.
Das Besondere an eurer Rüstung ist der Umhang. Setzt ihr die Kaputze auf, seid ihr fast nicht mehr erkennbar, ein Blendzauber liegt darauf. Der Dolch ist fähig alle Arten von Gift und Zaubern in sich aufzunehmen. Ihr könnt ihn niemals verlieren. Er wird immer zu euch zurück finden.
Die anderen Rüstungen sind für eure Gefährten."
Ich war sprachlos. Wir waren alle sprachlos. Und ohne Worte traten wir vor und begutachteten die Rüstungen. Es waren wunderschöne Meisterwerke.
„Danke", sagte ich. So ehrlich wie ich es noch nie gemeint hatte.
„Azera ist euch etwas schuldig.", fügte Nymeth hinzu.
Myra lächelte nur, verbeugte sich und verließ den Schuppen.
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Der Dunkle Thron
FantasíaWas wäre, wenn ein einzelner Mensch dich deinen Lebenssinn überdenken lässt? Wenn die pure Existenz dieser Person die Grundlagen deines Lebens umwirft? Mit dieser Wendung hat Alena Eshrava, besser bekannt als 'der Schatten', nicht gerechnet. Sie m...
