Nur ein Mittel zum Zweck

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Allana

Voldemort kann nur dann vollkommen sterben, wenn entweder die Horkruxe zerstört werden oder man die Kinder tötet.
Die Worte hallten dumpf in meinem Kopf wieder, wie ein Schatten, der die Dunkelheit in meinem Geist noch weiter verfinsterte. Es gab keinen Ausweg. Voldemort konnte nur dann sterben, wenn man entweder die Horkruxe unschädlich machte oder zwei Menschen tötete. Uns, korrigierte ich mich. Wenn man uns tötete.
Eine Absicherung. Das war alles, warum wir existierten. Damit wir helfen können einen Massenmörder am Leben zu erhalten.
Ich hatte wirklich geglaubt, unser Vater könnte gar nicht verdorbener sein, als er ohnehin schon war. Ich hatte mich geirrt. Er hatte Regulus nur benutzt. Er hatte unsere Mutter nur benutzt. Er nutzte uns aus, als wären wir sein Besitz, als wären wir Dinge.
Seine eigenen Kinder ... wir ... nur ein simples Instrument um weiter zu existieren. Unser gesamtes Leben war für ihn nur die Chance ewiges Leben zu erlangen. Nur deshalb existierten wir. Das war alles, was wir für ihn waren: Ein Mittel zum Zweck.
Ich schloss kraftlos die Augen.
Ich hasse ihn so sehr.

Jaime

Deswegen hatte er mein Blut auf dem Friedhof gebraucht! Es war die einzige Möglichkeit wieder einen Körper zu bewohnen! Die Horkruxe schützten die Seele zwar vor dem Tod, aber nur durch Allana und mich konnte er feste Gestalt annehmen.
,,Das." - Ich schlug mit aller Kraft gegen die Wand - ,, War. Alles. Sein. Verdammter. Plan!" Jedes Wort wurde von einem Schlag begleitet. Ich spürte einen brennenden Schmerz in meiner Hand. Nur langsam flaute er zu einem dumpfen Pochen ab.
Horkruxe. Die perfekte Waffe. Nie mehr sterben. Nur ein kleiner Zauber ...
Oh, wenn das jemand herausfinden würde!, dachte ich bitter. Jeder Zauberer würde hinter uns her sein. Was hatte das Leben zweier Kinder im Vergleich zu der Vernichtung von Voldemort schon an Bedeutung? Besser zwei Personen zu töten, als ein Leben lang vor einem Dunklen Magier zu fliehen, nicht wahr? Das größere Wohl war schließlich entscheidend. Ich lachte humorlos. Aber nicht mit mir! Wenn sie glauben, dass ich tatenlos zusehe, wie mein ganzes Leben ausgelöscht wird, haben sie sich definitiv geirrt! Ich werde nicht mein eigenes Leben geben, egal wie viel es auch verändern wird! Das ist mein Leben und kein anderer als ich kann darüber bestimmen! ,,Niemals", presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und stampfte wie zur Verdeutlichung mit dem Fuß auf.
Allana sah mich erschüttert an.
Ich holte einmal tief Luft. Jetzt ganz ruhig bleiben, sagte ich mir. Du brauchst einen Plan. Denk rational.
,,Okay ...", brachte ich zittrig hervor, ,,entweder die Horkruxe oder wir, stimmt's? Also, ich weiß nicht, wie es dir geht, ABER ICH HABE VERDAMMT NOCH MAL KEINE LUST ZU STERBEN!"
Allana zuckte merklich zusammen, blieb aber an sich ruhig über meinen aprupten Ausbruch.
Ich raufte mir die Haare und ging unruhig durch das Zimmer. ,,Horkruxe, Horkruxe, Horkruxe, ich wette, Dumbledore weiß etwas darüber." Ich drückte die Finger an meine Schläfen. ,,Aber wo sind sie? Was sind sie? Besitzt er nur einen? Denk nach, denk nach, denk nach!" Mir wollte einfach nichts einfallen! ,,Argh!", rief ich aus und ließ mich auf das staubige Bett sacken. Ich sah empor auf die grüne Decke ...
,,Regulus hatte ein Buch über schwarze Magie auf dem Schreibtisch liegen. Vielleicht stehen dort einige Informationen", meinte Allana nüchtern. Sie ging zu mir und legte mir eine Hand auf die Schulter.
Ich drehte den Kopf und sah sie an. Warum war mir so etwas nicht eingefallen?!
,,Jaa ... Ja, da könntest du Recht haben!" Ich rappelte mich auf. ,,Durchsuch die Regale, möglicherweise findest du dort etwas ... es muss doch Aufzeichnungen geben ... Irgendetwas ..."
Umserr einzige Chance zu überleben war die Horkruxe zu finden und zu zerstören. Ohne Horkruxe würde er nicht als körperlose Form existieren können. Das bedeutete, er würde nie einen Körper benötigen. Also auch kein Ritual. Also auch nicht uns. Wenn alle Horkruxe zerstört wären, würde er sterben und wir könnten unser bisheriges Leben weiterführen, so gut es ging. ,,Wir müssen also nur alle Horkruxe zerstören", murmelte ich nachdenklich. Dann würden wir überleben.
Allana nickte wie zur Bestätigung. ,,Aber dazu brauchen wir erst einmal das Wissen, was genau ein Horkrux ist."
Und wie wir ihn erkennen und zerstören können.
Kreacher steckte seinen schrumpeligen Kopf durch den Türspalt. ,,Der Herr Sirius wünscht Sie beide zu sehen, Master und Mistress Black", quiekte er unter vielfachen angedeuteten Verbeugungen.
Allana lächelte leicht in meine Richtung. ,,Der Titel gefällt mir."
Ich zwang mich zu einem Lächeln. Zumindest besser als Master und Mistress Riddle.
,,Was ist mit den Briefen?", fragte sie plötzlich. Ich sah auf. ,,Hmm?"
,,Die Briefe. Nimmst du sie mit?"
Ich überlegte kurz. ,,Die Briefe tun wir wieder in die Schublade ... verschlossen durch Kreacher natürlich. Auch wenn ich nicht glaube, dass irgendwer in den nächsten Jahren diesen Raum betreten wird. Und das Buch über schwarze Magie nehme ich mit. Vielleicht hast du Recht und es gibt dort tatsächlich noch wichtige Informationen ..." Ich hob das lederne Buch sorgfältig auf und wickelte es in eine Rolle Pergament.
,,Okay ... sollen wir gehen?" Ich wollte schon die Tür öffnen, aber Allana hielt mich zurück. ,,Du siehst aufgewühlt aus", murmelte sie. ,,Versuch' es zu verbergen.  Es wird nur noch mehr Aufmerksamkeit auf dich lenken. Harry sucht nur nur nach Gründen, um dich weiter zu verdächtigen. Er wird dich dieses Jahr ganz genau im Auge behalten."
Ich sah in ihre hellen Augen, welche die gleiche Farbe wie meine besaßen. Mit jedem Mal, mit dem ich sie ansah, schienen sie an Farbe zu verlieren. Emotionsloser zu werden. Ihr Gesicht war bleich. Ihr Blick besorgt.
,,Und jeder, der dich anschaut, wird wissen, dass dich etwas beschäftigt", meinte ich zu ihr. ,,Nicht nur ich muss etwas verbergen. Wir beide müssen es jetzt."
Ich schenkte ihr ein leichtes Grinsen, bevor ich meine Mimik binnen eines Wimpernschlags ausdruckslos werden ließ. Mein Blick wurde spürbar kälter. Schlangenähnlicher. Eine Fassade. Aber meine äußere Gelasen- und Gleichgültigkeit gelangte nicht in meinen Kopf. Im Inneren brodelte es förmlich. 
Allana bedachte mich mit einem letzten besorgten Blick, dann zwang sie sich zu einem munteren Lächeln. Es erreichte ihre Augen nicht. 
Ebenfalls nur eine Maske.
,,Wir kommen!", rief ich das Treppenhaus hinunter.
Einen Moment lang fragte ich mich, ob ich überhaupt noch mein wahres Ich vor jemand anderen als Allana zeigen könnte.

Seine Erben (2)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt