44. Die Ruhe vor dem Sturm

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,,Salut Papa, comment vas tu?!", erklang eine laute Stimme in dem Arbeitszimmer eines älteren Mannes. Dieser wurde sofort aus seinen Gedanken gerissen, so dass sein Kopf fast auf die Tischplatte knallte, weil sie von seiner Hand abrutschte, die diese stützte. ,,Bien, aber bitte sprich doch normal.", erwiderte er seinem Sohn seufzend, als dieser sich auf einen Stuhl in der Nähe seines Vaters setze. Leise versuchte der jüngere ein kleines Kichern zu unterdrücken, als er seinen Weg zu einem Stuhl in der Nähe des Arbeitstisches seines Papas fand. Mit einem lauten Sprung landete er auf diesen und entfernte eines von den Mikado-Stäbchen. Sein Vater spielte wie immer ein kleines Spiel. ,,Nur weil du eine Niete in Mamas Muttersprache bist, cher Papa.", grinste er seinen Vater an, als er auch sein gewünschtes Stäbchen ziehen konnte, ohne, dass sich ein anderes bewegte.
,,Deine Mutter bezeichnete mich eher... als einen Mann weniger Worte." Er hörte das leise Buhen von seinen Sohn nach seinem Satz klipp und klar. ,,Deine Mutter war eine sehr freundliche Frau....nicht so wie du...", entgegnete der Boss seinem Sohn schnippisch. ,,Schuld des Erziehungsberechtigten."
,,Touché"

,,Worüber hast du nachgedacht, bevor ich gekommen bin? Über morgen? Was früher geschah?", fragte auch schon Killian. Natürlich hatte er bemerkt, dass sich sein Vater schon eine längere Zeit mit etwas beschäftigte. ,,Feier doch! Es ist Silvester!" Natürlich war der große Clou nur noch ein Paar Stunden entfernt und auch sonst gab es anderweitiger Probleme, die ihn ach belasten könnten, nur sah es in seinem Blick nicht so aus.
Und er kannte seinen Vater.
,,Ich sage es dir, wenn du älter bist"
,,Ich bin verflixt noch mal 27 Jahre alt"
,,Trotzdem benimmst du dich wie ein enfant."
,,Papa..!"

,,Ich habe nur an früher gedacht...", erzählte Vlad ihm, lies dabei alle Details aus und lies seinen Sohn im Unwissen. Diese Geschichte hatte er ihn sowieso schon hundertmal erzählt, nun ist sie für den Sonnenbrillenträger allein bestimmt. Eine lange Geschichte.

.

.

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Wieso?

,,Menschen sind aber auch schwach..."

Wieso blieb ...?

,,Was machen wir mit dir? Sterben oder doch was lustigeres?"

Wieso blieb er...?

,,Dann mal guten Appetit!"

Wieso blieb er am Leben?!

,,Aahhh!" Schneidezähne, länger als bei Menschen, spitzer als bei Fledermäusen und gieriger als ein wildes Tier. Schmerz. Er schrie auf, wehrte sich vergeblich, um vom Griff seines Gegenübers los zu kommen. ,,Ahh!" Es tat weh.
Es schmerzte. ,,Las loAhh" Er weitete seine Augen, als er das erste Schlucken hörte, verkrampfte, als der andere anfing zu saugen. Langsam, schmerzvoll. Dabei hörte er jeden Schlucken, den er von seiner roten Flüssigkeit abgab. Den ersten, den zweiten, den dritten, den zehnen. ,,Lass...los.." Sein Sichtfeld verschwamm, alles wurde kalt um ihn. ,,...bitte.." Seine Hand wanderte langsam zum Kopf des Gegenübers, krallte sich an den Schopf des anderen, um ihn weg zu drücken. Wie schwach er sich fühlte. Schluck. So alleine. Schluck.
So armselig in so einem wichtigen Moment. Schluck. Wie er immer weiter in die Dunkelheit driftete. Schluck. Immer mehr. Schluck...

,,Nana, ich wollte doch was anderes mit dir machen, geh jetzt bloß nicht drauf."

,,AAHHHH!" Rückartig wölbte er sich. Krallte stärker mit seiner Hand in den Schopf. Es brannte. Etwas in ihm brannte wie Lava! Seine Sicht klärte auf, seine Atmung immer noch hektisch, sein Bewusstsein kam langsam wieder zurück und auch seinen Körper konnte er wieder spüren. Und trotzdem. ,,AAHHH" Schmerz. Sein Gegenüber lies einfach nicht locker. Wieso? Wieso lies er nicht los? Er horte kein Schlucken, nicht wie sein Blut langsam von seinem Gegenüber geschluckt wurde. Nichts. Er verweilte dort nur, in der Wunde, die er ihn zugefügt hat, in seiner selbst kreierten Bisswunden. Wieso? Wieso schmerzte es mehr als tausend Nadelstiche?

Als ich dich wieder traf Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt