16. Ist das alles wirklich passiert?

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Es war der Schrei von Leah, der mich wieder in die Realität brachte. Ein paar Mal blinzelte ich, schaute den Jungen vor mir an. Was war da passiert? Wieso hatte ich das Bedürfnis Seth zu beschützen, ihn zu lieben, alles zu sein?

Nein, nein, nein, nein, NEIN!, murmelte Leah vor sich hin. Wieso nur? Ich warte seit über 20 Jahren darauf und er wollte das gar nicht! Wieso auch noch sie? Halb Vampir! Nein

Ich schaute sie nicht an, doch ich spürte wie sich die Wut in mir staute, als sie diese Worte sagte. Was dachte sie eigentlich, wer sie war? Sollte sie sich nicht für ihren Bruder freuen?

Hey, sagte der schöne Junge vor mir. Wir waren beide noch auf den Knien. Ich bin Seth Clearwater. Das ist es was ich eben eigentlich sagen wollte. Nervös zuckten seine Mundwinkel nach oben, doch ich starrte ihn nur weiter an.

Er erhob sich und ging zwei große Schritte auf mich zu, mein Herz schlug schneller, und dann reichte er mir die Hand. Zitternd nahm ich sie und sobald sich unsere Hände berührten, durchfuhr mich ein Schauer, der einem Elektroschlag ähnlich war. Zischend saugte ich die Luft ein, auch er hielt sie Luft an. Mein Herz raste und ich konnte hören, dass auch seines sehr schnell schlug. Er stellte mich auf, meine Beine waren schwach und zitterten, so wie der Rest meines Körpers.

Wir schauten uns an, hielten noch unsere Hände und sagten dennoch kein Wort. Seine Hand war warm, er war warm. Ich hingegen, war kalt wie Eis.

Panik stieg langsam in mir auf, ich wusste nicht, was geschehen war. Das einzige was ich tat, war in Gedanken einen Menschen zu rufen, der mich stimmenlos hören konnte. Meine Stimme würde bestimmt brüchig sein, wenn ich jetzt nach jemandem rufen würde.

"Edward! Was passiert hier?!"

Sogar in Gedanken war meine Stimme heiser und brüchig.

Du zitterst! Ist dir kalt?, fragte mich Seth besorgt. Wir hatten uns noch immer nicht losgelassen. Schnell schüttelte ich den Kopf. Nein mir war nicht kalt, aber ich wusste ja auch nicht, was mit mir los war.

Clara?, hörte ich irgendwo hinter mir. Viele weitere Stimmen kamen aus dem Haus. Seth, was ich passiert? Edward stand jetzt bei uns, neben ihm Carlisle und Jacob. Wir schauten sie an, sagten kein Wort.

Sie haben sich aufeinander geprägt! Das ist passiert!, zischte Leah wütend hinter Seth.

Geprägt? War dies das Gefühl des Prägens? Ich versuchte verzweifelt die Worte meiner Mutter zu suchen.

"Vom Augenblick an, da er die Person erblickt, auf die er geprägt wird, wird er alles tun, um diese zu erfreuen und zu beschützen. Alle anderen Verpflichtungen in seinem Leben werden zweitrangig."

Ich schaute das schöne Geschöpf vor mir an. Ja, ich wollte ihn beschützen. Ich wollte ihn zum Lachen bringen, dass es ihm auf ewig gut ging. Die schwere Last meiner Mutter, dass ich sie angegriffen habe und fast getötet hätte. Es tat nicht mehr so weh. Dieser Junge, Seth Clearwater, er war erstrangig.

Ich räusperte mich ein bisschen, damit ich wieder normal sprechen konnte. Seth schaute sofort zu mir und ich hätte geschworen, dass ich, wenn ich es könnte, rot geworden wäre. Mein Herz pumpte mein Blut, ich hörte es in meinen Ohren rauschen, doch meine Haut gab nichts davon preis. Das erste Mal dankte ich meinem Vater, dass ich seine Haut bekommen hatte.

Edward neben mir kicherte, er hatte meine Gedanken gehört. Halt die Klappe, sagte ich laut. Erstaunlicherweise war meine Stimme fest und zitterte nicht im Vergleich zu meinem Körper. Der Blick von Seth ruhte auf meinem Gesicht, er lächelte. Dieses Lächeln brachte mich innerlich zum schmelzen. Edward unterdrückte ein Lachen, heraus kamen nur komische Laute. Er hielt sich die Faust vor den Mund. Du sollst die Klappe halten!, sagte ich ein wenig knurrend und schlug nach ihm mit meiner freien Hand. Er wich geschickt aus, natürlich hatte er es wieder gehört. Jetzt konnte er sich nicht mehr halten und brach in Gelächter aus und auch ich konnte mich nicht mehr halten. Meine Gefühle spielten verrückt. Was war nur los mit mir?

Unendlichkeit.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt