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Ich ging mit Ava und Sydney nach oben in mein Zimmer, damit wir in Ruhe reden konnten. Der Gesichtsausdruck der beiden machte mir unheimliche Angst und ich ahnte bereits Böses. 

"Du bist so dumm, Jaz", fing Sydney direkt an zu meckern, als ich die Zimmertür hinter uns schloss. 

Ich wusste zwar, dass meine beste Freundin ein sehr direkter Mensch war, aber in diesem Moment, gefiel mir das gar nicht.

"Tut mir leid, aber dumm ist gar kein Ausdruck", warf Ava ein. 

Total überfordert schaute ich meine Freundinnen an und mein Magen zog sich zusammen, weil ich plötzlich das Gefühl hatte, irgendwas total schlimmes angestellt zu haben. 

Was war passiert, als ich weg war?!

"Worum geht es denn überhaupt?", fragte ich verzweifelt. 

Mittlerweile wurde mir so richtig übel vor Angst. Sie sollten einfach nur Klartext reden. 

"Du hast mich als Alibi benutzt für deinen Wochenendtrip mit Harry", fing Ava endlich an zu erklären. "Ohne mich darin einzuweihen."

Da hatte ich vorher gar nicht drüber nachgedacht. Ich hatte meinen Eltern erzählt, dass ich mit Ava wegfahren würde, ohne ihr davon zu erzählen. Das alles war ja auch ziemlich kurzfristig und ich hatte ganz andere Dinge im Kopf. Aber warum machten sie deswegen so einen Aufstand?

"Tut mir leid, ich habe das wohl ganz vergessen", entschuldigte ich mich. "Aber war das jetzt so schlimm?"

Sydney lachte spöttisch auf. 

"Du wärst fast aufgeflogen."

Erschrocken riss ich meine Augen auf. Was?! Wie das denn bitte?

"Wir waren gestern alle bei Eric, weil er spontan ein paar Leute eingeladen hat. Und dein Bruder war auch da", erzählte Ava. 

So langsam verstand ich immer mehr, worum es hier ging. Die Geschichte nahm eine Richtung, die mir absolut nicht gefiel und ich konnte schon Böses ahnen. Allerdings meinte Sydney, dass ich nur fast aufgeflogen wäre. Also musste es noch eine gute Wendung geben, was mich noch nicht komplett verzweifeln ließ. 

"Hat Jayden etwas bemerkt?", wollte ich angespannt wissen. 

Harry und ich wollten ihn zwar nun eh über alles aufklären, aber garantiert nicht auf diese Art. Ich hätte mir sofort ein eigenes Grab schaufeln können, wenn Jayden das von anderen Leuten durch einen dummen Fehler von mir erfahren hätte. 

"Keine Sorge, Alexandra hat dir den Arsch gerettet", antwortete Sydney. 

Hatte ich das richtig verstanden? Alexandra? Das Mädchen, das immer jede Gelegenheit genutzt hatte, um mich fertig zu machen? Anscheinend nahm sie unsere Abmachung doch ganz schön ernst und wollte auf keinen Fall, dass Jayden von unserer Vergangenheit erfuhr. 

"Krass", murmelte ich und versuchte die Information zu verarbeiten. "Und wie genau?"

"Jayden dachte ja, dass du mit mir verreist wärst und war natürlich sehr verwundert, als er mich gesehen hat. Da ich aber nichts von der ganzen Sache wusste, habe ich auch dementsprechend reagiert und ich stand so unter Druck, dass mir so schnell keine Ausrede einfiel. Dann hat Alexandra einfach erzählt, dass du seit Kurzem einen Freund hast, es aber deiner Familie noch nicht erzählen wolltest."

Als Ava mit ihrer Erzählung fertig war, musste ich erstmal tief durchatmen. Das hätte ganz schön in die Hose gehen können, nur weil ich so dumm und unvorsichtig war. Aber Alexandra hatte mir tatsächlich den Arsch gerettet, obwohl sie mich auch hätte auffliegen lassen können. Dafür sollte ich ihr wohl noch danken. 

"Wenigstens weiß Jayden jetzt schonmal, dass ich in einer Beziehung bin", seufzte ich erleichtert. "Das macht den Rest vielleicht etwas einfacher."

Sydney und Ava schauten mich plötzlich so an, als hätte ich mich in ein Gespenst verwandelt. 

"Hast du gerade das Wort Beziehung benutzt?", fragte Sydney ungläubig.

"Du bist mit Harry zusammen!?", schlussfolgerte Ava.

Stimmt, da war ja noch was. Durch ihren dramatischen Ansturm, hatte ich gar keine Zeit gehabt, ihnen davon zu erzählen. Aber da hatte ich in den vergangenen Minuten auch gar nicht drüber nachgedacht. 

"Ja", war meine bloße Antwort und sofort überkam mich wieder dieses verliebte Lächeln. 

Meine Freundinnen fingen an zu kreischen und überfielen mich mit einer stürmischen Gruppenumarmung. Durch ihre Wucht, fiel ich nach hinten auf das Bett und die zwei erdrückten mich fast, indem sie auf mir drauf lagen. 

Ich hörte mir fast eine Minute an, wie sehr sie sich für mich freuten und wie toll das doch war, bis ich sie von mir schubste, da ich so langsam keine Luft mehr bekam. 

"Ihr passt einfach perfekt zusammen", schwärmte Ava weiter. 

"Jaz, du wirst dann bald Sex haben", klatschte Sydney aufgeregt in die Hände. "Das ist so aufregend."

Augenblicklich kamen mir die Erinnerungen der letzten Nacht in den Kopf. Wie Harry mich berührte, mir zeigte, wie gut man sich dadurch fühlen konnte und wie ich zum ersten Mal Sex hatte. Es war zwar total ungewohnt und auch schmerzhaft gewesen, aber ich bereute es keine Sekunde. Der Tag war perfekt gewesen und es fühlte sich in diesem Moment einfach so richtig an, dass ich es unbedingt mit ihm erleben wollte. Dadurch kamen mir uns noch viel näher und Harry war so gefühlvoll, es hätte nicht besser sein können. 

"Oh mein Gott. Es ist schon passiert", stellte Sydney erstaunt fest. 

Auch Ava sah mich mit offenem Mund an, da es wohl keiner von mir erwartet hätte. Aber ich nahm es ihnen nicht übel, ich war selbst noch überrascht. Harry musste sich ebenfalls tausendmal versichern, dass ich wirklich bereit dazu war und es wollte. 

"Kein Kommentar", sagte ich nur mit knallroten Wangen, die eh schon alles verrieten.

-

Als Jayden und Dad am späten Nachmittag wieder nach Hause kamen, durfte ich mir direkt von ihm anhören, dass er es gar nicht glauben konnte, dass ich einen Freund hatte. Er stellte mir so viele Fragen, ich fing schon an zu schwitzen und musste aufpassen, mich nicht selbst zu verraten. 

"Kenne ich ihn?", wollte Jayden neugierig wissen. 

"Also... j-... eh...vielleicht vom Sehen", stammelte ich eine Antwort zusammen.

Wenn ich "ja" gesagt hätte, wäre er alle seine Freunde durchgegangen, bis ich bei Harrys Namen vor Nervosität zusammengebrochen wäre. 

"Ich kann dir das einfach nicht glauben", sagte Jayden bestimmt zum achten Mal. 

Natürlich wollte er auch wissen, mit wem ich zusammen war. Allerdings nannte ich ihm keinen Namen, was ihn nur vermuten ließ, dass ich mir meinen Freund ausgedacht hatte. Das war wieder so typisch für meinen Bruder! Am liebsten hätte ich ihm direkt unter die Nase gerieben, dass es um seinen besten Freund ging, nur um seine verdutzte Reaktion zu sehen und weil ich innerlich so wütend ware. Aber dann hätte er mir wahrscheinlich nur ins Gesicht gelacht. 

"Wenn Jazmyn das noch nicht verraten möchte, dann lass sie doch", versuchte Mum mich zu unterstützen, wofür ich ihr sehr dankbar war. 

Schließlich wusste sie ja, um wen es hier wirklich ging. Und sie wusste auch, dass Jayden mich mit seinen ganzen Fragen ganz schön nervös machte und ich es hasste, zu lügen. Die Chance, dass ich mich jede Sekunde stellte, war gefährlich hoch. 

Ich war Alexandra wirklich dankbar, dass sie mich gedeckt hatte, das war echt nicht selbstverständlich für sie. Aber hätte man diese Situation hier nicht irgendwie vermeiden können? Sie hätte lieber erzählen sollen, dass ich ins Bibelcamp gefahren war. Das hätte Jayden auch direkt geglaubt und nicht einmal hinterfragt. 

Irgendwann schien Jayden mir dann aber doch zu glauben oder er tat einfach so, ich war mir nicht sicher. Zumindest durchlöcherte er mich nicht mehr mit Fragen und argwöhnischen Blicken. 

"Na schön. Aber ich möchte ihn kennenlernen, wenn du es uns dann endlich sagen kannst", ließ er das Thema damit schließlich fallen. 

Wenn Jayden nur gewusst hätte, dass er meinen Freund bereits sehr gut kannte. 

unexpected love || h.sWo Geschichten leben. Entdecke jetzt