78. (Ending 4)

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Gerade wollte ich loslassen, als Yoongi mich am Arm zurück riss und zu sich über das Geländer zog. „Du gehst nicht. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht in Naher Zukunft. Ich lasse dich nicht gehen. Wir finden eine Lösung, aber du wirst nicht gehen.", bestimmte Yoongi.

Ich nickte nur knapp. „Komm her, ich zeige dir einen unvergesslichen Anblick.", meinte Yoongi und kletterte nun selbst über das Geländer. Verwirrt folgte ich ihm. Warum ging er denn darüber, wenn ich nicht springen sollte? Ach egal. Vorsichtig folgte ich ihm und setzte mich neben ihn auf den schmalen Streifen, der uns vom Tod trennte.

„Es ist schon witzig, dass ich mich hier so wohl fühle, obwohl ich Höhenangst habe. Aber irgendwie lässt mich dieser Anblick sicher fühlen. Ich gehe immer auf ein Dach, wenn ich nachdenken muss. Hier ist keiner, der dich stören könnte. Die Stadt unter deinen Füßen wirkt so klein und deine Probleme verschwinden ebenso weit unter dir. Niemand kann dir hier sagen, was du zu tun und was du zu lassen hast. Du kannst hier oben endlich mal deine Maske abnehmen und du selbst sein.", meinte Yoongi und sah verträumt nach unten.

Diese Seite an ihm kannte ich gar nicht, aber es war nicht beängstigend ihn so zu sehen, ganz im Gegenteil ich fühlte mich verstanden. „Was bedrückt dich?", fragte ich also vorsichtig. „Jimin braucht eine Pause von unserer Beziehung. Er will sich seiner Gefühle klar werden. Das neue Album soll auch bald fertig sein und BigHit macht ganz schön Druck. Ich habe noch einiges fertig zu schreiben und parts aufzunehmen. Die Choreos sitzen immer noch nicht und die Fans machen es auch nicht leichter. Dynamite hat zwar unzählige Rekorde gebrochen, aber genauso groß ist der Hate. Sie wollen nur koreanische Songs, ich tanze zu schlecht, die Lyrics sind zu oberflächlich, es passt ihnen einfach nichts.", erklärte mir Yoongi mit gebrochener Stimme.

Vorsichtig ergriff ich seine Hand. „Ich liebe deinen Song und ich finde du hast alles perfekt gemacht. Du bist ein wundervoller Mensch und wenn Jimin das nicht bemerkt, dann hat er nen gewaltigen Schaden. Mit dem Album kann ich dir leider nicht helfen, aber du bist doch der Swagmaster, das schaffst du locker mein Mister Genius.", versuchte ich ihn aufzumuntern.
Er lächelte schwach.

Wir redeten noch eine ganze Weile über Gott und die Welt, doch meine Gedanken verschwanden nicht mehr und wurden sogar lauter. Mit Yoongi zu reden war wirklich schön, aber es löste keines meiner Probleme.

„Yoongi, ich kann nicht mehr.", hauchte ich. „Ich auch nicht mehr, Yui. Ich auch nicht.", flüsterte Yoongi.

Jimins pov:

Hastig stürmte ich die Treppen nach oben. Ich wollte Yoongi nicht so verletzen. Als ich erfahren hatte, dass er auf das Dach gegangen war, hatte ich richtig Panik bekommen. Zu oft musste ich ihn dort schon davon abhalten, sich in den Tod zu stürzen.

Mit einem lauten Knall stieß ich die Tür auf. Der Anblick trieb mir Tränen in die Augen. Dort vorne, auf einem schmalen Streifen, saßen Yoongi und Yui. Yoongi hatte sein Gesicht zu Yui gewandt und hielt seine Hand fest. Aber seinen Blick kannte ich zu gut. Nein. Ich durfte nicht zu spät sein.

„Yoongi!", schrie ich so laut ich konnte und rannte auf ihn zu. Nein, er durfte nicht springen. Sie durften beide nicht gehen. „Bleibt wo ihr seid!", rief ich wieder und rannte noch schneller. Ich musste es verhindern.

Wie in Zeitlupe wandte Yoongi seinen Blick zu mir. Er lächelte. Ich kannte dieses Lächeln. Nur noch ein paar Meter. Ich musste es schaffen.

Und dann ließen sie beide los.

In letzter Sekunde klammerte ich mich durch das Geländer an die beiden und hielt sie mit meiner gesamten Kraft an Ort und Stelle. „Geht nicht.", weinte ich.

Ich zog sie mit sehr viel Anstrengung zurück auf den Streifen und dann nacheinander über saß Geländer, ohne dabei den anderen loszulassen. Es war hart und mühsam, aber ich schaffte es.

Das war wortwörtlich in letzter Sekunde.

Ich wischte mir die Tränen aus den Augen und sah nun mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung zu den beiden. Sie saßen stumm auf dem Boden. „Was fällt euch eigentlich ein? Das ", ich zeigte auf das Geländer, „ist keine Lösung! Ihr könnt froh sein, dass ich noch rechtzeitig da war. Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Wisst ihr wie es uns damit ergangen wäre? Yoongi, du müsstest am besten wissen, dass das keine Lösung ist!", schrie ich sie an.

„Macht das bitte nie wieder, das halte ich nicht aus.", flüsterte ich dann.

Sie nickten zögerlich und zogen mich dann in eine Umarmung, die ich sehr dringend nötig hatte.

Yuis pov:

Wir redeten noch eine Weile und gingen dann schließlich in die Suite der Jungs. Die staunten nicht schlecht, als sie mich sahen. Yoongi und ich wurden mit Fragen überhäuft, die wir alle geduldig beantworteten. Zudem mussten wir versprechen, ihnen ab sofort immer Bescheid zu sagen, wenn wir auf ein Dach gingen und wenn etwas wäre, sie direkt anzurufen.

Wir redeten noch eine Weile, bis es dann an der Zeit war uns zu verabschieden. Wir waren gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass es wohl keinen anderen Weg gab, als dass ich zu meiner Mutter zurück ging. Es waren ja nur noch drei Jahre, die ich ausharren musste.

Nun stand ich also vor der Tür meines ehemaligen Zuhauses. Yoongi stand neben mir und hielt meinen Rucksack. Er hatte drauf bestanden, mich zu begleiten. Ich klingelte vorsichtig und nach einiger Zeit wurde die Tür geöffnet.

Meine Mutter sah furchtbar aus. Sie hatte wohl schon lange nicht mehr gut geschlafen und um Körperpflege schien sie sich auch nicht gekümmert zu haben. Mit großen Augen sah sie mich an.

„Ich habe ihren Sohn zufällig auf einem Spaziergang gefunden. Ich denke sie zwei haben noch einiges zu bereden.", meinte Yoongi kühl. Ich nahm vorsichtig meinen Rucksack entgegen, umarmte meinen Freund noch einmal fest und folgte dann meiner Mutter nach drinnen.

„Es tut mir Leid. Du weißt, was mit deinem Vater passiert ist. Ich kann das einfach nicht noch einmal ansehen. Du musst ein Mädchen bleiben, zu deiner eigenen Sicherheit.", erklärte mir meine Mutter mit flehendem Blick.

Und so fügte ich mich. Meine einzige Zuflucht waren die Jungs, die mich immer noch als Junge sahen. Sonst trug ich Röcke, musste meine Haare wieder lang wachsen lassen und mich von vorne bis hinten wie ein Mädchen benehmen.

Und ich tat es. Weil ich keine andere Wahl hatte. Meine Mutter würde nicht nachgeben und wenn ich mich vor anderen outen würde, wäre ich des Todes. Somit war dies wohl die einzige Möglichkeit, die mir blieb. Auch wenn es mir im Herzen weh tat die Jungs zu enttäuschen.

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Nun, das war Ende vier. Spitzenreiter ist immer noch Nummer drei, ihr habt sehr gut gewählt.

Frage: Wie findet ihr dieses Ende?

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