drivers license - olivia rodrigo
Sein Blick durchbohrte mich förmlich, doch Henry schien nicht großartig von meiner Antwort überrascht zu sein.
Stattdessen überkam seine Lippen ein freches Grinsen. Ich hielt automatisch meine Luft an, da ich keine Ahnung hatte, was jetzt auf mich zukommen würde. Mein Blut schoss so schnell durch meine Adern, dass ich das Gefühl bekam es durch jede einzelne Ader pulsieren spüren zu können.
Fest biss ich mir auf die Unterlippe. Die paar Sekunden Stille kamen mir vor wie Stunden.
"Willst du denn eine Freundin?", fragte ich direkt.
Das war der erste Gedanke, der klar in meinem Kopf war und schon konnte ich mich nicht zurück halten. Diese Frage schoss schneller aus meinem Mund heraus, als ich es eigentlich wollte. Mein ursprünglicher Plan war es gewesen auf seine Antwort zu antworten. Obwohl, nein. Ganz ursprünglich war es garnicht erst geplant Gefühle zu bekommen. Ich wollte nur guten Sex. Den hatte ich ja am Ende auch, aber mehr war nie geplant gewesen.
"Nein."
Autsch. Ich merkte zwar, dass seine Antwort ehrlich war, aber auch wie sehr mich das verletzte. Eigentlich hatte ich das Gefühl gehabt, dass da mehr zwischen uns ist. Sonst hätte ich ihm auch nie ehrlich gesagt, dass ich mir vorstellen könnte ihn als Freund zu haben.
"Verstehe mich nicht falsch, Leya. Ich kann dich echt sehr gut leiden und vielleicht auch einwenig mehr als angedacht."
"Aber?"
Da musste ein 'aber' kommen. Sonst würde er niemals nein sagen. Ich meine, er hatte sogar zugegeben, dass er mich vielleicht auch einwenig so mag wie ich ihn. Doch offensichtlich schien ihn irgendwas abzuhalten. War etwas mit mir nicht okay? Oder hatte er ein allgemeines Problem mit Beziehungen? Gott, dieser Kerl machte so lange Pausen zwischen seinen Antworten, dass ich ihm diese einfach nur rausprügeln wollte.
"Ich weiß nicht, ob eine Beziehung zwischen uns so gut wäre. Ich liebe meinen Ruf als Playboy und du bist ein ziemlich bekanntes...Playgirl. Mit unserem Ruf is absolut alles in Ordnung, aber unsere besondere Freundschaft war jetzt schon kompliziert. Wir haben gesagt, dass es keine Gefühle gibt und es ist doch passiert. Wir befinden uns die ganze Zeit in einem Hin und Her zwischen Streit und Sex. Ich weiß nicht, ob wir das schaffen in einer Beziehung zu ändern."
Irgendwie bekam ich das Gefühl, dass Henry um die Wahrheit herum redete. Etwas in mir sagte, dass das sicher nicht die Gründe waren. Hinter seinem Nein steckte so viel mehr, doch er rückte nicht mit der Sprache heraus. Und selbst wenn das seine Begründung war, verstand ich es nicht. Wir haben es doch nicht mal versucht. Wie kann ein Kerl wie er aufgeben bevor er es probiert? Das ist definitiv nicht er. Der Henry, den ich in den letzten Wochen kennengelernt habe, nimmt sich was er will und lässt dann auch nicht locker. Wenn er wollen würde, würde er es versuchen.
"Was verschweigst du mir?"
Ich sah ihn an. Er sah mich an und dann konnte ich es deutlich in seinen Augen sehen. Henry fühlte sich ertappt. Es war somit offensichtlich, dass er mir etwas verschwieg.
Offensichtlich merkte auch Blondie, dass ich es bemerkt hatte. Tief atmete er ein. Auf was musste ich mich denn jetzt einstellen? Gerade tat er so, als würde er gleich eine Atombombe auf unsere Freundschaft oder was auch immer wir sind fallen lassen. Vielleicht würde er das gleich auch, aber wenn nicht dann würde es definitiv Schläge geben. Die Frechheit zu besitzen sich hier aufzuspielen, während es gerade um den heißen Brei ging, wäre einfach nur gemein.
"Ich wollte unsere Freundschaft Plus- was auch immer das eigentlich ist- schon länger beenden. Der Gedanke war da", sagte er und ich wusste nicht was ich dazu sagen sollte. Irgendwie tat es ja nicht meine Frage zu beantworten, doch ich merkte, dass er noch mehr sagen wollte. Genau deshalb ließ ich es mit dem Nachhaken. Offensichtlich musste sich Henry etwas sammeln für seine nächsten Worte. Er schien deutlich verletzt. Nur wusste ich noch nicht von was. Welcher Gedanke quälte ihn so sehr?
"Ich habe vor zwei Wochen ein Mädchen an meiner Uni näher kennengelernt. Wir haben uns auch gut verstanden, aber ich war mir nicht sicher, ob sie es Wert ist meinen Ruf beiseite zu legen. Ich habe niemanden von ihr erzählt - nicht einmal Shaun. Ich musste mir selber klar kommen, meine Gefühle sortieren und habe einfach weiter gemacht als würde sie mich nicht durcheinander bringen. Mir ist nicht entgangen, dass du Gefühle bekommen hast und ich weiß auch, dass ich dir keine Hoffnung machen sollen, aber ich wusste nicht wie ich mit der Situation umgehen sollte. Ich hatte dich auch zu lieb gewonnen als eine Freundin, um dir das Herz zu brechen und mich der Situation zu entziehen."
Ich hörte ihm zu und fühlte so viel auf einmal. Schmerz, Verständnis, Wut. Irgendwie alle Gefühle in einem verpackt. Mein Handy vibrierte in meiner Hosentasche und ich wusste, dass es wahrscheinlich Shaun oder Lucie waren, welche sich fragten wo wir sind.
Doch ließ ich das Handy in Ruhe und trat stattdessen einen Schritt zurück. Henry stand mir für meinen Geschmack viel zu nahe.
"Du hättest früher reden müssen, aber gut. Dann ist es jetzt so wie es jetzt ist. Ich kann dich ja auch nicht zwingen dich in mich zu verlieben. Mit der Wahrheit ist unser Ding dann wohl jetzt beendet und ich wünsche dir viel Glück mit diesem Mädchen."
Das ich sauer war, war wohl deutlich zu hören, doch ich hatte gerade keine Lust meine Gefühle zu verstecken. Er konnte ruhig wissen, dass er mir wehgetan hat. Es war mehr als unangebracht einer Person zu sagen, dass sie einem gehört, wenn man weiß, dass man nichts ernstes von ihr will. Auch seine ständige Eifersucht auf andere Typen war mir nicht erklärbar. Hauptsache er hatte seine Bestätigung, dass ich an ihm hänge.
"Leya-"
"Ist schon gut. Niemand kann sich aussuchen in wen man sich verliebt, aber man kann sich dazu entscheiden ehrlich zu sein, wenn es eng wird."
Henry fuhr sich durch die blonden Haare und sein Lächeln war mittlerweile ganz von seinen Lippen verschwunden. Verdient. Ich atmete durch und wandte mich langsam ab von ihm.
"Ich gehe jetzt nach Hause. Sag den anderen einfach, dass es mir irgendwie nicht so gut geht - wäre ja nicht einmal gelogen."
Mit diesen Worten drehte ich mich um. Kaum hatte ich ihm den Rücken zugewandt, spürte ich wie meine Sicht ganz verschwommen wurde. Scheiß Gefühle. Eine kleine Träne verließ mein eines Auge, doch ich wischte diese direkt weg. Ich war eine starke Frau und würde keinen Kerl brauchen, der mir mehrere Wochen das Gefühl gibt Tag für Tag immer wichtiger für ihn zu werden, wenn das nicht der Fall ist.
A/N:
Bisschen Herzschmerz muss auch sein.
Wie geht es wohl weiter?
Ach und übrigens: wer Interesse hat, kann in meinen Covershop "drivers license" mal reinschauen :)
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Playgirl
Teen Fiction❝I feel your nails in my back❞ Leya Mawson kommt zu jeder Party. Bei ihr kann Mann nur eine Sache erlangen: Sex. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden und meldet sich bei ihren One Night Stands nie wieder. Sie hat keine Lust auf eine feste Bindung...
