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i just wanna know - nf

Ich konnte nicht anders als leicht zu schmunzeln. 'Gibt es denn eine halbe?' Henry hatte wirklich Nerven so etwas zu fragen, aber ich wusste mittlerweile damit umzugehen.

"Nein, nur eine ganze", antworte ich und setzte mich schließlich zurück auf mein Bett. Mit der Handfläche klopfte ich neben mich auf die Bettdecke und forderte ihn so still auf sich zu mir zu setzen.
Blondie kam der Aufforderung relativ zügig nach. Er ließ sich neben mir fallen und legte seine eine Hand auf meinen Oberschenkel.

"Du musst nicht. Ich will dich hier zu nichts zwingen, wenn es dir schwer fällt darüber zu reden."

"Ist schon okay. Ich trage das jetzt schon zwei Jahre unausgesprochen mit mir herum. Ich glaube es wäre besser für mich, wenn ich wenigstens versuche darüber zu reden."

Mein Blick landete auf Henry und unsere Augen begegneten sich. Die Art wie er mich ansah ließ mich sicher fühlen, doch das war gut so. Es gab mir die Kraft über meine Geschichte tiefgründiger nachzudenken und ich hoffte auch, dass ich den Mut fand darüber zu reden.
In meinem Kopf habe ich schon oft mit mir selber über alles geredet und mir Konversationen mit anderen vorgestellt, aber schlussendlich habe ich nie laut ausgesprochen was vor sich ging.

"Ich glaube alles hat angefangen mit Jonathan. Klar vor seiner Präsenz in meinem Leben gab es auch öfter mal Höhen und Tiefen, aber schlussendlich hat er mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin."

Ich spürte wie mein Herzschlag sich beschleunigte und meine rechte Hand leicht zu zittern begann. Das Ereignis saß mir tief in den Knochen. Sehr tief sogar. Es fühlte sich an als würde sich ein Messer immer tiefer in meine Brust drehen mit jedem Atemzug den ich betätigte.

"Vielleicht brauchst du die Vorgeschichte bevor ich zu dem Auslöser für alles komme. Jonathan und ich standen uns schon immer Nahe. Wir befanden uns mit Lucie in einer Freundesgruppe und es gab nichts, was wir nicht miteinander geteilt und erlebt haben. Mit zunehmenden Alter wurde er für mich immer anziehender und attraktiv, aber durch den Altersunterschied dachte ich nie daran, dass wir ansatzweise etwas werden könnten.
Das erste Mal habe ich mit 14 gemerkt wie sehr ich doch auf ihn stehe, als ich auf meiner ersten richtigen Party war. Jonathan hatte uns zu den Größeren dazu geholt und ich wollte natürlich dabei sein, mich integrieren. Als ich gesehen habe wie er ein anderes Mädchen geküsst hat, habe ich mich noch nie so verletzt gefühlt. Mein ganzes Herz hatte so unglaublich wehgetan und ich wusste nicht wie ich welche Kategorie ich dieses Gefühl stecken sollte. Ich war schließlich noch jung und war tatsächlich immer eine der Unschuldigen.
Als ich am nächsten Morgen nach Hause gekommen bin, hatte mich meine Mutter gefragt wer mir denn das Herz gebrochen hätte. Sie meinte es eigentlich nicht ernst, sondern nur rhetorisch, da ich wohl ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter gezogen haben muss. Doch ich wusste dann plötzlich was ich für ihn gefühlt hatte. Ich hatte mich das erste Mal ernsthaft verliebt gehabt und das in einen Typen, der mir so nah und noch so fern schien."

Ich hielt meinen Blick auf meine Hände gerichtet und spürte wie sich ein Arm um meine Schulter legte. Mein Kopf fiel auf Henry's Brust und ganz langsam legte er sich so mit mir nach hinten. Seine Hand fuhr sanft durch mein Haar und die Stille zeigte mir, dass er wartete. Er würde mich nicht dazu drängen etwas zu sagen, sondern bewies tatsächlich Geduld, worüber ich mich natürlich freute. Zittrig atmete ich ein und aus, ehe ich mich dazu entschied die Geschichte fortzusetzen.

"Irgendwann mit 15 wollte ich ihm gestehen, was ich fühle und habe ihn Zuhause besucht. Damals hatte ich nicht erwartet, dass meine Gefühle so lange anhalten, aber ich konnte sie nicht mehr leugnen. Jedes Mal, wenn er mich angesehen hatte, hatte ich etwas hineininterpretiert. Nur eine Freundschaft war nicht mehr drin für mich, also klingelte ich an seiner Haustür. Jedoch öffnete nicht Jona mir die Tür, sondern irgendeiner seiner Freunde in seinem Alter.
Dennoch wurde ich hineingebeten und ich stellte fest, dass wohl eine kleine Party geschmissen wurde. Augenblicklich wollte ich Jona fragen, ob ich auch Lucie einladen könnte. Lucie war zu dem Zeitpunkt sehr verklemmt und hatte es absolut nicht mit Parties und das wusste er. Als hätte er meine Gedanken gelesen, meinte er, dass man doch auch ohne Lucie den Abend mit Freunden genießen kann. Da ich wirklich alles richtig machen wollte um ihm zu gefallen, hatte ich mein Handy beiseite gelegt und mich diesem Abend zugewandt. Natürlich wollte ich Jonathan beeindrucken, also habe ich mich mit allen, die anwesend waren betrunken.
Als die Anderen gegangen waren, wollte ich auch gehen, aber dazu kam es nicht mehr. Ich war zu betrunken und hing mich Jona um den Hals. Er war angetrunken, aber hatte eigentlich genug Verstand, um zu wissen, dass es nicht fair wäre mich jetzt auszunutzen. Im Endeffekt war es ihm egal, ich war blind vor Liebe und er verwickelte mich in einen plötzlichen Kuss. Es war nicht mein erster Kuss gewesen, aber maximal mein dritter. Ich, total unerfahren, dachte natürlich, dass es ein Zeichen sei. Also habe ich ihn führen lassen und mich ihm vollkommen hingegeben. Statt meinen ersten Kuss hat Jona diesen Abend meine Jungfräulichkeit bekommen."

Henry wickelte einer meiner Haarsträhnen um seinen Finger, während ich spürte wie die ersten Tränen meine Augen verließen und auf sein Shirt tropften. Doch offensichtlich schien es ihn nicht einmal zu stören. Er schien vollkommen in Ordnung damit und strich mir beruhigend über den Rücken. Ich war wirklich erleichtert darüber, dass er meine Erzählung nicht unterbrach, sondern einfach nur zuhörte ohne mich für etwas zu verurteilen. Gleichzeitig merkte ich wie ich das dringend gebraucht habe. Ich hätte mir meine Geschichte schon früher von der Seele reden müssen. Vielleicht wäre ich dann jetzt anders gewesen, aber wer weiß das schon.

"Am nächsten Morgen gab er mir Frühstück ans Bett und fragte mich, ob ich etwas bereuen würde. Ich hatte es tief innerlich bereut, aber sagte ihm das Gegenteil. Ich wollte nicht zeigen, dass ich mich in Wahrheit so schwach wegen ihm fühlte. Jona bat mich darum, dass es ein Geheimnis zwischen uns beiden bleiben würde und als ich dann aufstand merkte ich wie sehr mir alles wehtat. Mein ganzer Körper. Der Alkohol hatte die Schmerzen beim ersten Mal betäubt, aber der Morgen danach war halt scheiße. Unabhängig davon, dass ich miese Kopfschmerzen hatte, tat mir Untenrum alles weh. Unterm Strich ging es mir beschissen.
Ich weiß nicht wieso, aber meine Gefühle gestand ich ihm am Ende des Tages doch nicht mehr. Stattdessen ging ich nach einem Film und etwas Essen nach Hause. Wie er mich darum gebeten hatte, blieb es ein Geheimnis. Doch plötzlich wollte er sich öfter Mal mit mir treffen. Zu Anfang erwähnte er noch, dass er mal etwas ohne Lucie machen möchte, aber irgendwann musste er es nicht mehr. Ich hatte verstanden worum es ging. Sex. Beinahe jedes Mal knickte ich irgendwann wieder ein, wenn er mich einfach küsste und im Endeffekt ließ ich mit mir machen was er wollte. Meinen eigenen Willen hatte ich ausgeschaltet. Wir führten nun eine unausgesprochene Freundschaft mit gewissen Vorzügen von der bloß keiner Wind bekommen sollte. Sobald wir uns auch mal zu dritt mit meiner besten Freundin treffen sollten, tat er als sei nie etwas passiert und als hätten wir nicht eine Stunde vorher Sex gehabt. Stattdessen machte er Lucie schöne Augen und es trieb mich zur Weißglut. Meine Gefühle für ihn wurden mit jedem Mal Sex stärker und ich hasste es. Auch meine Eifersucht gegenüber Lucie vergrößerte sich. Jonathan und ich stritten uns immer öfter, aber lösten das am Ende mit Versöhnungssex. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen."

Ich machte eine Pause. Ich nahm einfach einwenig von Henry's Shirt und wischte mir damit die Tränen aus dem Gesicht. Erneut schien ihn das nicht zu stören.

"Ist schon okay, Kleine", hauchte er leise und kraulte sanft meinen Kopf.

Total aufgelöst sah ich auf zu ihm. An seinem Blick erkannte ich es. Er dachte das sei das Ende der Geschichte. Da hatte er sich stark getäuscht. Erst jetzt würde der Part kommen, der mich bis in meine Träume verfolgte, der mir am meisten wehtat und verändert hatte. Leise schniefte ich einmal und hielt mich an ihm fest. Ich spürte wie mein Atem wieder unregelmäßiger wurde und ich damit kämpfte nicht alles runterzuschlucken. Es würde mich sowieso nicht weit bringen. Ich hatte mich soweit Henry gegenüber geöffnet, dass ich nun nicht mehr auf unerreichbar ihm gegenüber tun könnte. Das wäre nicht möglich und das würde auch er wissen.

"Das war nicht alles, Henry. Die Frage der Zeit waren nicht unsere Streits und Konflikte oder der dauerhafte Sex, wo nur ich Gefühle zeigte und er kein bisschen. Die Geschichte ist noch nicht vollständig."

Als hätte er eine Vorahnung, dass gleich das Schlimmste kommt, setzte er sich mit mir im Arm ein Stückchen weiter auf.

"Erzähl mir was passiert ist. Lass dir trotzdem Zeit."

A/N:

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