Ich freute mich so für Anna! Paddy hatte ihr einen Antrag gemacht und sie erzählte mir alles am Telefon – jedes Detail. Sie war unglaublich glücklich und das hatte sie sich mehr als verdient. Paddy liebte sie abgöttisch. Man konnte es sehen und fühlen. Anna und ich kannten uns seit wir Teenager waren. Obwohl ich ein paar Jahre älter war als sie, verstanden wir uns von Beginn an bestens und vertrauten uns blind. Anna war schon Kelly Fan, als wir uns kennen lernten. Ich wurde durch sie auf die Familie aufmerksam. Doch ich mochte keine langen Haare bei Typen. Aber als sich Jimmy die Haare abschnitt, zog sie mich mit in dieses Fan-Universum. Jimmy mit kurzen Haaren fand ich richtig heiß und vor allem, liebte ich seine Stimme. Meine Freundin war immer schon von Paddy angetan. Wir hatten so viel Spaß zusammen und träumten oft davon, die Jungs einmal kennen zu lernen. Fast 20 Jahre später stand ich nun hier. Zu Besuch bei Paddy und Anna in ihrem neuen Haus. Wir saßen im großen Wohnzimmer und warteten auf Jimmy. Paddy hatte ihn ausgewählt, um ihm bei der Organisation der Hochzeit zur Seite zu stehen. „Du wirst sehen, Jimmy ist ein echt lustiger und netter Kerl", erzählte mir Anna. Ein paar Minuten später, klingelte es auch schon. Ich suchte Anna's Blick. Sie verstand wie nervös ich war und drückte meine Hand. „Beruhige dich", sagt sie. „Er ist total locker. Du wirst sehen!" Ich stand an der Haustür und unsere Blicke trafen sich zum ersten Mal. Er kam näher, lächelte mich an und sagte: „Hallo, ich bin Jimmy – Paddy's Bruder." Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und lächelte genauso freundlich zurück. „Hallo, ich bin Chiara – Anna's Freundin." Er reichte mir die Hand und gab mir zwei Küsschen auf die Wangen. Ich spürte die Schamesröte, die mir ins Gesicht stieg. Na, das konnte ja ein spaßiger Tag werden, dachte ich.
Um mich vor weiteren Peinlichkeiten meinerseits zu schützen, drehte ich mich um und ging ins Haus. Jimmy folgte mir und ich hörte Paddy hinter uns rufen: „Hey Jimbo, ich nehme deine Sachen gerne mit. Keine Ursache!" Als er die Tasche nahm musste sie wohl schwerer gewesen sein, als er dachte. Denn gleich darauf hörte man ihn wieder laut fragen: „Ziehst du hier ein oder warum ist deine Tasche so schwer? Alter, was hast du alles eingepackt?" Anna lachte und sagte: „Jetzt lass ihn erst einmal ankommen. Los komm ins Haus, Babe. Wir trinken etwas, dann können wir mit den Planungen beginnen."
Im gleichen Moment setzte mein Herz einen Schlag aus! „Was?" schrie eine Stimme in mir. „Er schläft auch hier?" In mir machte sich Aufregung breit. Was sollte das nur für ein Wochenende werden? Vermutlich würde ich das Eine oder Andere Gläschen brauchen um mich zu entspannen. Jimmys Anwesenheit brachte mich komplett aus dem Konzept.
Anna und ich bereiteten in der Küche ein paar Getränke vor. Kaum waren wir dort angekommen sagte ich leise: „Er schläft auch hier? Warum hast du mir das nicht erzählt? Ich bin am Durchdrehen!" Genauso leise flüsterte sie zurück: „Jetzt reiß dich bitte zusammen. Er kann heute nicht mehr nachhause fahren! Weißt du nicht, wie weit weg er wohnt? Er bleibt bis morgen. Also schieb keine Panik!" Ich war über ihren etwas scharfen Ton doch überrascht. „Nein, ich weiß nicht wo er wohnt. Ich bin hier nicht die Stalkerin von uns beiden!", bellte ich zurück. Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, taten sie mir auch schon wieder leid. Als ich ihren Blick sah, entschuldigte ich mich sofort. „Es tut mir leid Anna. Ich habe das nicht so gemeint. Keine Ahnung was mit mir los ist, aber ich bin so aufgeregt. Ich fand ihn früher schon scharf, das weißt du doch und jetzt lerne ich ihn wirklich kennen. Als sich vorhin unsere Blicke trafen... Ich weiß auch nicht was das war. Ach, lassen wir das?" „Kein Problem, ich verstehe dich schon. Bitte atme ein paar Mal tief durch. Sonst merken sie noch was. Und dann drehe ich hier durch!", sagte meine Freundin nervös lächelnd. Der Nachmittag verging wie im Flug. Je mehr Alkohol floss, desto lockerer wurde ich. Jimmy's und meine Blicke trafen sich immer wieder. Wenn er etwas erzählte, zwinkerte er mir manchmal zu. Hatte er einen Tick oder lag es am Alkohol? Seine Frau erwähnte er gar nicht. Nachdem die Jungs einige Lieder zum Besten gaben, meinte Jimmy, Anna und ich sollten auch etwas singen. Ich prustete meinen Cocktail zurück ins Glas und fragte ihn ob er noch ganz dicht sei. „Ich kann sowas von gar nicht singen. Und ich werde keinen Pieps machen. Schon gar nicht vor euch Sängern. No way!" und lachte. Niemals würde ich vor ihnen singen. Die Stimmung war bestens. Jeder von uns genoss diesen Abend.
„Ich würde mir gerne ein Lied von dir wünschen", sagte ich und klimperte richtig übertrieben mit meinen Wimpern, sodass wir alle lachen mussten. Er antwortete auf die gleiche Art: „Ok my Lady, was wünschen sie zu hören?"
Ich kicherte und überlegte kurz. Schon immer wollte ich diesen Song von ihm hören. Er merkte, dass ich zögerte. „Na komm schon", sagte er, „welches Lied soll es sein? Such dir aus was immer du willst!" Er sah mir direkt in die Augen. In diesem Moment dachte ich, es zieht mir den Boden unter den Füßen weg. „Los, sag es mir."
Doch ich konnte nich. Ich machte einen Rückzieher, sah ihn an und antwortete: „Always – von Bon Jovi."https://www.youtube.com/watch?v=9BMwcO6_hyA
An seinem Blick merkte ich, dass er mich durchschaute. Wie konnte das sein? Wir sahen uns heute zum ersten Mal. So etwas wie hier und jetzt war mir noch nie passiert. Anna, die als Einzige nüchtern war merkte es auch. Ich sah wie sie mich ansah und eine Augenbraue hochzog. Ich bewegte kaum merklich meine Schultern.
Jimmy wartete einen Augenblick. Scheinbar darauf, ob ich meine Meinung ändern möchte und fing dann an zu singen. Jetzt war es endgültig um mich geschehen. Wie sollte das enden? Ich konnte mich kaum mehr auf das Lied konzentrieren, so viele Gedanken schossen durch meinen Kopf. Als er zu Ende gesungen hatte, applaudierten wir. Paddy war beeindruckt. Er klopfte ihm auf die Schulter und lobte ihn: „Wow brother. Your Voice is incredible."
Zum Dank umarmte ich ihn und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Meine Emotionen überwältigten mich. Ich musste hier raus, also entschuldigte ich mich und verschwand augenblicklich im Bad. Ich hörte wie Anna sich bemühte die Stimmung am Laufen zu halten, und als ich wieder zurück kam, brach meine beste Freundin die Party charmant ab. Ich gähnte um ebenfalls zu zeigen, wie müde ich war. „Morgen ist auch noch ein Tag", sagte ich so gelassen wie möglich. Wir gingen in den ersten Stock. Dort befanden sich die Gästezimmer. Ich stieg in die Dusche und überlegte noch ob ich heiß oder kalt duschen sollte. Was für ein Tag. Ich wusste, ich würde kaum ein Auge zu machen und ebenso, dass die Zeit bis zur Hochzeit die anstrengendsten Monate meines Lebens sein würden. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht ahnen wie sehr ich mich täuschte. Als Anna mir erzählte, dass Jimmy eine weitere Nacht blieb, antwortete ich ihr nur: „Na bravo. Was für ein Wochenende!" „Ach komm schon. Er ist nett und wir hatten gestern wirklich Spaß. Auch heute wird es bestimmt toll werden. „Ja du hast recht." Ich ging raus in den Garten, an die frische Luft. Als ich die Terrassentür einen Spalt öffnete, hörte ich Jimmy draußen telefonieren. Allein an seiner Stimmfarbe erkannte ich wer am anderen Ende der Leitung war. Ich verstand nur einzelne Fetzen. „Nein es ist alles ok... natürlich lieb ich dich... Aber ich hab ihn so lange nicht gesehen... können deine Eltern nicht kommen... bitte Meike sag das n... wieso gl..."
Es wurde immer schwieriger ihn zu verstehen und ich wollte nicht lauschen. Das gehörte sich nicht. Leise schloss ich die Tür und machte mich auf den Weg in die andere Richtung und ging an der Vordertür raus. Ich setzte mich auf die kleine Bank und genoss die Stille.
Als ich in die Küche zurückkam, sah ich, dass Anna gerade begann das Essen vorzubereiten. „Die Jungs wollen Grillen", lachte sie. Ich lächelte sie an. „Schön, ich habe auch Hunger." Das Essen war köstlich, die Stimmung gut und ich konnte mich zeitweise richtig entspannen. Bevor wir am Sonntag abfuhren tauschten Jimmy und ich unsere Nummern. Ich war überwältigt. Als Teenie hätte ich für die Telefonnummer gemordet und jetzt erhielt ich sie einfach so. Dieses Gefühl zu erklären, war schlichtweg unmöglich.
Wir hatten einiges zu organisieren und vereinbarten, dies so gut es ging telefonisch zu erledigen. Er würde sich bei mir melden, da es mit Meike immer etwas schwierig war und wer nicht wollte, dass sie sich unnötig sorgte. Jimmy und ich telefonierten alle 2-3 Wochen. Ich freute mich, so regelmäßig mit ihm zu telefonieren und seine Stimme zu hören. Bei den ersten Telefonaten waren wir beide kurz angebunden. Wir klärten Verschiedenes bezüglich der Hochzeit ab. Nach kurzer Zeit, ging es nicht mehr nur um die Planung, sondern auch wie wir die Zeit seit dem letzten Telefonat verbracht hatten. Oder eher wie ich sie verbracht hatte. Jimmy war mit seinen Informationen sehr sparsam. Er erzählte mir, dass er und Meike seit fast dreizehn Jahren verheiratet waren und sie drei Kinder hatten. Ich wusste das natürlich – sagte aber nichts. Er erzählte manchmal über die Auftritte mit seinen Geschwistern während der Comeback-Tour.
Ich wusste, dass er immer dann anrief, wenn er wegen eines Konzertes unterwegs und seine Frau nicht dabei war. Vor allem seit die Anrufe immer länger und persönlicher wurden. Ich hatte das Gefühl, alles aus meinem Leben würde ihn interessieren.
Er war so lustig und warmherzig. Er textete mir immer nach dem Soundcheck und fragte ob ich später Zeit hätte und so telefonierten wir meist spät nachts.
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Butterflies in my Belly
FanfictionAnna, 34 , frisch geschieden, Mutter von Zwillingen, macht einen Ausflug in ihre Vergangenheit und trifft dabei auf ihr Teenie Idol, welcher sich als die große Liebe entpuppt. Begebt euch mit ihr auf diese Reise in ein neues Leben. Lernt auch Chiara...