Anna - Was? Schon 1 Jahr?

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Die nächsten Monate lebten wir uns richtig in unserem neuen Zuhause ein. Der komplette Umbau war fast abgeschlossen. Es war nun Anfang Mai und es stand die Gartengestaltung auf dem Plan. Aufgrund meiner vorangeschrittenen Schwangerschaft, war ich keine wirkliche Hilfe. Ich kam mir vor wie ein dicker, fetter Wal. Es waren noch gute 6 Wochen bis zum geplanten Geburtstermin. Paddy trug mich auf Händen. Manchmal sogar zu sehr für meinen Geschmack. Er fühlte sich in seiner Rolle als Hausmann richtig wohl und erledigte fast alle Arbeiten alleine. Liam und Emma waren ebenfalls richtig eifrig und griffen Paddy und mir unter die Arme, wo sie nur konnten. Die Beiden freuten sich auch schon sehr auf das Baby. Obwohl ich eine Bilderbuch Schwangerschaft erlebte, war ich nun doch froh, im Endspurt zu sein. Die Kinder waren heute bei Freunden und Paddy und ich machten es uns auf den Terrassenmöbeln im Garten bequem. Er sah etwas bedrückt aus. „Ist alles ok, Schatz?", fragte ich ihn gerade heraus. Er drehte sich zu mir und lächelte mich an. „Klar. Ich mache mir nur Gedanken über den Geburtstermin. Meine Ersten Konzerte in diesem Jahr beginnen bereits Anfang Juli. Was ist, wenn du über die Zeit gehst und das Baby erst dann zur Welt kommt - und ich vielleicht, weiß Gott wo, unterwegs bin." Ich wusste, dass ihn dieser Gedanke schon länger beschäftigte. Eigentlich wollte Paddy die gesamte Sommer Tour aussetzen, doch ich sagte ihm, dass er das nicht müsste. Immerhin standen die Termine bereits seit November fest und waren fast ausverkauft. Ich wollte auf keinen Fall, dass seine ganze Routine auf den Kopf gestellt wird. „Babe, ich bin mir sicher, wenn das Baby kommt, bist du hier." Ich streichelte über seine Hand, die auf meinem Bauch ruhte. Heute erwarteten wir Besuch. Ich lud Flora zu uns ein. In letzter Zeit, hatten wir öfter Kontakt. Chiara war im Moment ziemlich beschäftigt, doch sie sagte mir nicht womit. Paddy bereitete den Grill für das Essen vor. Während ich in der Küche stand und das Gemüse schnippelte, klingelte es an der Türe. Paddy öffnete und begrüßte Flora. Als sie in die Küche kam, fielen wir uns um den Hals. „Hey Mami, wie geht's dir?", begrüßte sie mich. „Es geht mir gut, Flora, Danke. Zwar ist alles schon ziemlich mühsam, aber im Großen und Ganzen passt es." Flora hatte selbst keine Kinder, aber sie war Krankenschwester auf einer Säuglingsstation, deshalb hatte sie immer gute Tipps für mich. Wir unterhielten uns in der Küche, während sie mir half, die letzten Vorbereitungen zu treffen. „Ladys, der Grill ist bereit", informierte uns Paddy und trug das Fleisch in den Garten. Flora und ich nahmen den Rest mit. Es schmeckte einfach köstlich. So wie leider fast Alles im Moment. Ich machte mir schon Sorgen, dass ich in meinem Hochzeitskleid wie eine Tonne aussah. „Und Flora, wirst du mich auch dieses Jahr wieder auf ein oder zwei Konzerten beehren – oder vielmehr Ryan?" Paddy legte all seine Betonung auf den Namen seines Gitarristen und Freundes. Ich stieß ihn leicht mit dem Ellenbogen in die Seite. Flora wurde etwas rot. Paddy zog sie jedes Mal damit auf. „Ja, ich werde euch natürlich wieder mit meiner Anwesenheit beehren", antwortete sie schmunzelnd. „Vielleicht bekommst du ja auch mal Freikarten", mischte auch ich mich lachend ein. Paddy grinste und nickte zustimmend. Wir quatschten noch bis spät am Abend, ehe sich Flora wieder verabschiedete. Als wir zusammen die Küche sauber machten, spritzte sich Paddy etwas ungeschickt mit Wasser voll. Wir mussten beide lachen, doch als sich mein Verlobter das nasse Shirt auszog, spürte ich sofort ein prickeln in meinem Unterleib und mein belustigtes Gelächter schlug in pure Lust um. Durch die viele Arbeit rund um unser Haus, hatte Paddy in den letzten Monaten stark an Muskeln zugenommen und das machte mich ziemlich an. Mein gieriger Blick blieb auch vor ihm nicht unbemerkt und er ging auf mich zu, das Shirt hing lässig über seiner linken Schulter. „Na, gefällt dir was du siehst, Baby?", fragte er mich mit einem schmutzigen Unterton in der Stimme. Ich biss mir auf meine Unterlippe und nickte nur. Sofort verschwanden wir in unser Schlafzimmer. Genau wie alles andere in diesem Schwangerschaftsmonat, war auch der Sex etwas umständlicher geworden. Doch es tat dem Resultat absolut keinen Abbruch, denn es war wie immer unglaublich. Es gab so viele Gründe, weshalb ich die Entbindung kaum erwarten konnte, allen voran natürlich, unser kleines Mädchen endlich im Arm zu halten. Doch auch auf den ersten Sex ohne meinen dicken Bauch, freute ich mich ebenfalls. Es dauerte nicht lange, bis Paddy einschlief. Kein Wunder, denn im Moment, war es hauptsächlich er, der unseren Alltag managte. Da ich, wie üblich, nicht einschlafen konnte, machte ich mir noch eine Tasse Tee und setzte mich mit einer Decke auf die Terrasse. Es war eine der ersten, für Mai ziemlich ungewöhnlich, lauen Nächte in diesem Jahr. Morgen war genau ein Jahr vergangen, dass ich Paddy zum ersten Mal traf. Ich konnte es manchmal immer noch nicht glauben, wie sehr sich mein Leben in diesem einen Jahr verändert hatte. Paddy und ich sind in dieser kurzen Zeit, durch so viele Höhen und Tiefen gegangen. Hätte mir jemand nach unserer ersten gemeinsamen Nacht gesagt, dass ich heute hier sitzen würde, in Paddys und meinem neuen Haus, mit seinem Baby in meinem Bauch und gerade mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, hätte ich diesen jemand bestimmt in die Klapse einweisen lassen. Manchmal fühlte es sich immer noch wie ein Traum an. Im Gedanken schwelgend, trank ich meinen Tee aus und legte mich ins Bett. Endlich konnte ich einschlafen. Am späten Vormittag, weckte mich der zarte Duft von Kaffee aus einem wunderschönen Traum. Ich schlug meine Augen auf und machte mich auf den Weg nach unten in die Küche. Von Paddy keine Spur. Da die Terrassentür offen war, vermutete ich ihn im Garten. Und da saß er, in sein Notizbuch vertieft, am kleinen Bistrotisch und trank Kaffee. Ich umarmte ihn von hinten und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Guten Morgen, Kelly." „Good Morning, Honey", entgegnete er mir und küsste mich zärtlich auf die Lippen. „Hast du gut geschlafen?", fragte er mich während er sein Notizbuch zuklappte. „Ich konnte wieder nicht einschlafen, also habe ich noch eine Tasse Tee getrunken, aber danach habe ich wunderbar geschlafen – und geträumt." Ich lächelte ihn zaghaft an. „Sehr gut, Süße. Ich habe eine Überraschung für dich." Er grinste mich schelmisch an, während ich ihn wahrscheinlich wie ein Autobus ansah. Er zog eine Schatulle aus seiner Hosentasche hervor und stellte sie vor mich auf den Tisch. „Alles Gute zum Jahrestag, Baby." Ich öffnete die kleine Schachtel und fand ein silbernes Armband darin. Es war schlicht gehalten, genauso wie ich es mochte. Ein kleiner herzförmiger Anhänger zierte es, mit dem Datum von heute vor einem Jahr eingraviert. Es war wunderschön. „Ich wünsche dir auch alle gute zum Jahrestag, mein Schatz." Leidenschaftlich küssten wir uns. Natürlich hatte auch ich etwas für Paddy besorgt. Es stellte mich jedes Mal vor ein Hindernis, weil es ziemlich schwierig war, das perfekte Geschenk für ihn zu finden. Doch diesmal entschied ich mich für Konzertkarten. Ja, ich schenkte meinem Musiker zwei Karten für ein Konzert von „U2" in Hamburg. Ich ging kurz rein, holte das Kuvert mit den Karten und überreichte es Paddy: „Das ist mein Jahrestag-Geschenk für dich." Gespannt nahm er das Kuvert entgegen und öffnete es. Er freute sich riesig, als er die Karten darin vorfand. „Danke Baby! Ich war schon ewig nicht mehr auf einem Konzert von U2!" „Ich weiß, deshalb fand ich es ziemlich passend, wenn wir beide unser erstes gemeinsames U2 Konzert besuchen." „Mit keinem würde ich lieber hin gehen, als mit dir." Paddy zog mich an sich heran und küsste mich.

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 „Weißt du, ich finde es witzig, dass wir diesen Tag heute, beide unabhängig voneinander, als unseren Jahrestag bezeichnen. Immerhin ist es eigentlich nur der Tag, als wir uns das erste Mal trafen. Wir hatten ja doch ein paar Stolpersteine ehe wir ein Paar wurden", sagte ich zu Paddy. Er hielt kurz inne und antwortete: „Ja, das stimmt schon. Doch der Moment, als ich dir das erste Mal in die Augen sah, war auch jener wo ich wusste, dass ich das für immer tun möchte. Es war einfach unser Schicksal und deshalb ist der heutige Tag unser Jahrestag. Der Tag an dem alles begann." In seinen Worten war so viel Liebe. Einen kurzen Moment dachte in an Joelle, da sie zu der Zeit noch die Frau an seiner Seite war, doch ich schob den Gedanken schnell wieder weg. Das war Vergangenheit. Ich stand auf und streckte Paddy meine Hand entgegen. „Komm, lass uns wieder nach oben gehen." Als er mich ansah, entdeckte ich das lodernde Feuer der Lust in seinen Augen. Er ergriff meine Hand und wir verbrachten den restlichen Tag im Bett.

Butterflies in my BellyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt