Als ich am Flughafen ankam und mein Mietauto gecheckt hatte, war auch schon ihre Adresse auf meinem Handy. Ich wusste, dass sie mich gerne abgeholt hätte, aber ich hasste Abschiedsszenen am Flughafen und ich war mir sicher, dass es diese nach diesem Wochenende geben würde. Die Fahrt dauerte nicht lange und ich fand den Wohnblock sofort. Es sah ganz schick aus und ich dachte mir: Gott sei Dank wohnt sie am Land. Als ich sie am Eingang ihres Gartens stehen sah, kribbelte es in meinem Bauch. Nach einer herzlichen Begrüßung und einer kurzen Führung durch ihre Wohnung, fuhren wir weiter ins Restaurant. Es war ein Traum. Ich fühlte mich sofort wohl und wir wurden herzlich empfangen. Die Inhaberinnen freuten sich Chiara wieder zu sehen. Wir nahmen den Aperitif im Weingewölbe und wurden anschließend zu unserem Platz geführt. Als ich davorstand und den gedeckten Tisch sah, war ich belustigt. Ich sagte ihr, dass es ok ist und es mir hier sehr gut gefällt – mit ihr. Kelly, dünnes Eis, sehr dünnes Eis auf dem du dich bewegst. Der Abend war wunderschön und die Zeit verging wie im Flug. Chiara trank ein paar Gläser Wein und man merkte, dass ihr der Alkohol leicht zu Kopf stieg. Sie war lustig und unbekümmert. Ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr und vergaß all meine Sorgen. Kurz erzählte ich zwar von den Problemen mit Meike und ich hatte schon Angst uns den Abend zu versauen, aber das ließ sie nicht zu und dafür war ich ihr dankbar.
Als ich ihr erzählte, dass ich das ganze Wochenende bleiben würde, wich sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht. Wie konnte es sein, dass sie damit nicht gerechnet hatte? Ich musste fast losprusten als ich sie ansah. Ihr Blick war göttlich und ich spürte, dass ich mich zu verlieben begann. Ganz schlechtes Timing, Jimmy. Komplett beschissene Situation. Ich brachte Chiara bis zu ihrer Wohnungstür und wollte mich gerade zum Gehen wenden, da zog sie mich in eine feste Umarmung. Es fühlte sich so gut an. Als ich wieder im Auto saß und zu meiner Unterkunft fuhr, bereute ich es, sie nicht geküsst zu haben. Ich spürte es, dass sie das auch wollte. Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen, aber ich konnte nicht anders, als ständig an sie zu denken. Ich ahnte bereits, dass diese Tage mein Leben verändern würden. Aber ich ahnte nicht wie sehr. Die ganze Nacht, drehten sich meine Gedanken im Kreis. Was sollte ich nur tun? Immer wieder schlich sich auch Meike in meine Gedanken und mein schlechtes Gewissen machte sich breit. Mit diesem schlief ich auch ein. Am nächsten Morgen, trafen wir uns bei Chiara. Mit Sack und Pack stand ich vor ihrer Tür. Das Zimmer war nur für eine Nacht gebucht. Ich wusste, dass ich bei Chiara bleiben könnte, aber ich hielt es für keine gute Idee. Mal sehen wie sie reagieren würde. Als sie die Tür öffnete und ich sie sah, war ich überwältigt. Oh, oh Jimmy, das Eis wird brechen und du landest definitiv im kalten Wasser. Endlich nahm sie mein Gepäck wahr und sah mich verwundert an. Als ich ihr die Misere erklärte, bot sie mir natürlich an bei ihr zu bleiben. Da sie mich so herausfordernd anlächelte, konnte ich nicht widerstehen. Ich nahm ihr Angebot an, in dem Wissen einen großen Fehler zu begehen. Wir waren richtig produktiv und arbeiteten die Hochzeitsliste von Anna ab und tranken etwas Wein. So einen unbeschwerten Tag, hatte ich schon lange nicht mehr. Ich trällerte ihr noch ein paar Lieder. Beim letzten Song, den sie sich von mir wünschte, fixierte sie mich mit ihren wunderschönen blauen Augen. Ab diesem Moment war ich ihr komplett verfallen. Ich konnte nicht anders, als sie zu küssen. Die Leidenschaft ging mit mir durch. Meine Küsse wurden immer fordernder. Sie schmeckte so gut. Es fühlte sich so richtig an und war doch so falsch, aber ich konnte einfach nicht aufhören. Meine Selbstbeherrschung war wie weggeblasen. Wir schliefen nicht miteinander. Aber das war gar nicht wichtig. Diese Vertrautheit und Intimität die zwischen uns war, war einfach wunderschön. Ich genoss all das so sehr und bereute nichts. Wir küssten und streichelten uns noch lange, bevor wir benebelt einschliefen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag sie nicht neben mir. Ich hörte sie im Bad und setzte mich auf. Kurz überlegte ich, ob ich sie überraschen und mit ihr gemeinsam duschen sollte. Aber mein Kopf schmerzte furchtbar. Ich stützte den Kopf auf meine Hände und blieb sitzen. Als ich merkte, dass sie ins Zimmer kam, schoss mein Blick automatisch in die Höhe. Ich sah ihr in die Augen und nahm sofort ihre Unsicherheit wahr. Oh nein, sie interpretierte das komplett falsch. Vermutlich dachte sie sich, dass ich hier so saß, weil mich gerade die Selbstzweifel zerfressen. Aber so war es nicht. Ich bereute nichts. Aber wir mussten darüber sprechen. Ich kann und werde Meike nicht verlassen und was gestern passiert war, durfte sich nicht wiederholen. Obwohl ich im gleichen Moment wusste, dass dies unmöglich sein würde, solange die Hochzeit nicht vorbei war. Ich konnte dieser Frau nicht wiederstehen. Unmöglich. Ich erhob mich und ging auf sie zu, ließ jedoch einen Sicherheitsabstand, denn ich hätte sie am liebsten gleich wieder in die Arme genommen und geküsst. Verdammt, ich wollte sie unbedingt spüren. Nackt in meinen Armen. Ich blickte zu Boden. Als ich mich gesammelt hatte, blickte ich sie an und begann zu sprechen. Ich wollte ehrlich sein und sagte ihr, dass ich wusste, dass dies passieren würde. Ich wollte mich erklären, doch kaum hatte ich die ersten Worte ausgesprochen, veränderte sie sich. Plötzlich sah ich Wut in ihren Augen aufflackern. Ich verstand nichts. Hatte ich gerade etwas Falsches gesagt oder getan? Als sie zu sprechen begann, klickte es auch in meinem Gehirn. Oh Gott, sie denkt ich würde sie benutzen? Das konnte doch nicht wahr sein. Wie konnte sie das nur denken, verdammt noch mal? Ich versuchte ruhig zu bleiben und mich und mein Verhalten zu erklären. Ich wusste nicht wie ich die Situation retten konnte. Was dann kam, verschlug mir die Sprache. Nein mehr noch, es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Sie gab plötzlich zu, ein Fan von früher zu sein und mein Buch gelesen zu haben. Ich konnte nicht glauben was ich da hörte. Ich riss die Augen auf. Die Kälte ihrer Worte gab mir einen Stich. Ich war am Boden zerstört. Ich musste hier weg.
Plötzlich veränderte sich die Situation erneut. Ihr wurde bewusst, was sie mir alles an den Kopf geworfen hatte und ich dachte sie würde sich entschuldigen. Doch das einzige um was sie mich bat, war Stillschweigen über dieses Wochenende. Ich war verletzt und enttäuscht. Das waren also ihre größten Sorgen? Es interessierte sie einen Dreck wie es mir ging. Endlich hatte sie ihr Ziel erreicht, dass sie wahrscheinlich schon seit 20 Jahren hatte. Einmal Heavy Petting mit Jimmy Kelly. Ich war fassungslos, wütend, enttäuscht und dachte ich würde auf der Stelle durchdrehen. Natürlich versprach ich ihr, dass kein Wort meine Lippen über all das verlassen würde. Nun war alles gesagt. Ich ging an ihr vorbei, packte mein Zeug und verließ wortlos die Wohnung. Auf der Fahrt zum Flughafen, spürte ich, dass sich meine Augen mit Tränen füllten. Tränen der Wut und der Verzweiflung. Außerdem hatte ich ein schlechtes Gewissen wegen meiner Familie. Sollte ich Meike davon erzählen? Zum Teufel, nein. Das würde ich nicht übers Herz bringen. Außerdem werde ich Chiara nur mehr auf der Hochzeit begegnen. Dann musste ich den Kontakt abbrechen. Ich wusste nur noch nicht wie ich das schaffen sollte, denn ich vermisste sie bereits jetzt.
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Butterflies in my Belly
FanfictionAnna, 34 , frisch geschieden, Mutter von Zwillingen, macht einen Ausflug in ihre Vergangenheit und trifft dabei auf ihr Teenie Idol, welcher sich als die große Liebe entpuppt. Begebt euch mit ihr auf diese Reise in ein neues Leben. Lernt auch Chiara...