Anna - Zeit für uns

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Paddy war einfach unglaublich. Überschwänglich fiel ich ihm um den Hals. „Du bist immer für eine Überraschung gut, Kelly." Es war erst mittags und wir hatten den ganzen Tag Zeit für ausgedehntes Sightseeing. Paddy checkte uns in der Penthouse Suite ein. Das Zimmer war riesig und furchtbar luxuriös. Die atemberaubende Aussicht, unterstrich diesen Luxus nur noch mehr. „Wow, Babe, ziemlich glamourös für eine Nacht", merkte ich an, als ich mich umsah. Die Suite war größer als meine alte Wohnung. „Ich denke wir und vor allem du, hast dir ein wenig Luxus und Glamour verdient, Süße." Er trat von hinten an mich heran, umschlang meine Taille mit seinen Händen und fuhr fort. „Du bist Tag und Nacht mit den Zwillingen und Mia beschäftigt und in der letzten Zeit war ich für meinen Geschmack viel zu wenig zuhause." Das schlechte Gewissen konnte ich genau aus seiner Tonlage heraus hören. Ich drehte mich zu ihm um und küsste ihn stürmisch. Wir ließen uns auf das riesige Kingsize Bett, hinter uns fallen. Natürlich konnten wir, wie üblich, nicht die Finger voneinander lassen, also musste unser Sightseeing Trip noch etwas warten. Eine halbe Stunde später, war unser Schäferstündchen beendet und wir beschlossen als Erstes, eine Kleinigkeit essen zu gehen. Paddy und ich hatten beide einen Bärenhunger. Das wunderte mich nicht, denn nach den vielen Kalorien die wir dieses Wochenende beim Sex verbrannten, musste unser Energiehaushalt auch wieder gefüllt werden. Zum Glück hatte ich mein Ausgangsgewicht wieder erreicht und würde vermutlich nun doch nicht wie eine Tonne in meinem Hochzeitskleid aussehen. Chiara und ich hatten für nächste Woche den finalen Anprobe Termin meines Brautkleids und des Brautjungfernkleides vereinbart. Ich hatte es erst vor drei Wochen ausgesucht und gekauft, da die restlichen Schwangerschaftskilos noch runter mussten. Es war ein heißer Tag im Spätsommer. Paddy und ich begannen unsere Tour bei einem Italiener im schattigen Gastgarten. Wir bestellten Pizza und gönnten uns ein Bierchen und einen kleinen Cocktail. In diesem Moment, musste ich an Chiara denken. Sie war noch mit Jimmy im Auto unterwegs und die Beiden führten gerade bestimmt nicht so ausgelassene Gespräche wie Paddy und ich. Sie tat mir leid. „Was ist los, Baby? Woran denkst du?" „An Chiara. In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Sie hat es wirklich total erwischt. So verliebt habe ich sie noch nie gesehen und du weißt wie lange ich sie schon kenne." Paddy nickte. „Lass uns am besten einmal abwarten in welche Richtung sich das Ganze noch entwickelt. Wer weiß, vielleicht können sie sich irgendwie im Guten voneinander lösen." „Vielleicht", antwortete ich ihm nur knapp. Ich wusste genau, dass das unter keinen Umständen der Fall sein würde. Als hätten Paddy und ich uns im Guten voneinander lösen können. Wenn es so wäre, würden wir nicht in 14 Tagen heiraten. Aber ich denke, so ein Happy End liegt für Chiara in weiter Ferne. Leider. Nach einer köstlichen Pizza, standen wir auf und begannen nun endlich mit unserem Sightseeing. Paddy buchte, ganz in Touristen Manier, eine Tageskarte im Hop-on/Hof-off Doppeldeckerbus. Das offene Cabrio Deck des Busses, war perfekt für das heiße Wetter. Die Route führte über die Hauptwache, wo wir starteten. An der Paulskirche stiegen wir aus und sahen uns diese an. Die Kirche war richtig imposant und von den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg, welche die Kirche in Mitleidenschaft zog, war nichts mehr zu sehen. Wir nahmen an einer kurzen Führung teil und bevor wir die Kirche wieder verließen, nahm sich Paddy noch Zeit für ein kurzes Gebet, während ich am Paulsplatz auf ihn wartete. Wir setzten unsere Tour fort und machten als nächstes am Palmengarten halt. Paddy und ich schlenderten gemütlich durch die verschiedensten Vegetationszonen. Am Bootsverleih, liehen wir uns ein Tretboot und schipperten eine halbe Stunde über das flache Wasser. Ich genoss jede Minute unseres kleinen Ausflugs, denn die nächsten zwei Wochen war Paddy mit Terminen vollgestopft. Er hatte nicht nur seine Sommer Tournee, sondern war auch in einer TV Show als Coach tätig. Ich würde ihn also vor der Hochzeit kaum zu Gesicht bekommen. „Hey Süße, träumst du?", holte mich Paddy aus meiner Gedankenwelt zurück. Mittlerweile waren wir wieder am Ufer angekommen. „Ja, Sorry, Schatz. Ich dachte nur gerade über die nächsten Wochen nach. Und das ich dich bis zur Hochzeit fast nicht sehen werde." Ich zog gespielt eine Schnute und Paddy küsste mich belustigt. „Tut mir Leid, Baby, das ich so eingeteilt bin und dir nicht mehr bei den letzten Vorbereitungen helfen kann." Da war es wieder, Paddys obligatorisches schlechtes Gewissen. Ich denke, dass Joelle ihm damals vorgeworfen hatte, dass er nie da war und deshalb die Kluft zwischen ihnen beiden entstand, hallte immer noch in seinem Unterbewusstsein nach. Aber bei uns war das ganz anders. Ich musste bei Gelegenheit nochmal mit ihm darüber sprechen, doch nicht heute. Das Wochenende gehörte ganz uns und bis jetzt war es perfekt, deshalb wollte ich die Stimmung damit nicht drücken. Wir fuhren zurück zum Hotel, um uns fürs Abendessen frisch zu machen. Zum Glück packte ich immer mehr Klamotten ein, als ich tatsächlich benötigte. Wir gingen in ein Restaurant in der Nähe des Hotels. Natürlich wurde Paddy, wie so oft, von Gästen erkannt. Er nahm sich kurz Zeit um ein paar Fotos zu machen. In der Zwischenzeit setzte ich mich an unseren Tisch und wartete auf ihn. Entschuldigend setzte sich Paddy nach ein paar Minuten zu mir. Es war ihm sichtlich unangenehm. Nun sprach ich das Thema rund um sein schlechtes Gewissen, doch an. „Schatz, du musst dich nicht entschuldigen. Ich habe dir schon des Öfteren gesagt, dass mich so etwas nicht stört. Genauso wenig stört es mich, dass du so viel unterwegs bist. Du musst auch kein schlechtes Gewissen deswegen haben. Ich wusste doch von Anfang an, dass es so sein wird und das ist vollkommen in Ordnung für mich. Es ist dein Beruf und du liebst ihn sehr, was ich wunderbar finde. Du unterstützt mich wo du nur kannst. Immer! Wir beide haben doch alles super im Griff. Es ist einfach perfekt." Ich wollte auf keinen Fall, dass er das Gefühl hatte, sich schlecht fühlen zu müssen. Klar, wir hatten gerade ein Baby bekommen und ich war durch seine Arbeit mehr auf mich alleine gestellt als sonst, aber das machte mir nichts aus. Ich erhielt immerhin auch viel Unterstützung von meinen Eltern. Paddy lächelte mich an, beugte sich über den Tisch und gab mir einen Kuss. „Ich liebe dich so sehr und kann es kaum erwarten, dich endlich zu heiraten." Diese Worte brachten mein Herz zum Schmelzen. Nach dem Essen, machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel. Vor dem Restaurant warteten bereits zwei Paparazzi auf uns. Paddy versuchte mich hinter ihm zu verstecken. Natürlich brachte das gar nichts. Da ich bald seine Frau und das wohl auch künftig noch Thema sein würde, stellte ich mich neben ihm und schenkte den Reportern mein schönstes Lächeln für die Kamera. Ich bedankte mich bei den Beiden Herren, die gerade gar nicht glauben konnten, dass sie tatsächlich ein posiertes Foto von uns bekamen. Dann nahm ich Paddy an der Hand und wir gingen schnellen Schrittes ins Hotel. „Was war denn das, Baby?" „Naja, ich dachte mir, wir werden uns noch öfter in solchen Situationen finden, also wieso dann nicht gleich nett in die Kamera lächeln? Vielleicht sehe ich dann auch einmal gut auf einem Foto aus und nicht wie ein verschreckter Fisch." Paddy musste lachen. „Du hast Recht, sollen sie sich an deinem zauberhaften Anblick genauso erfreuen, wie ich mich jeden Tag." Er war so süß. Eigentlich stand ich gar nicht auf so schnulzige Aussagen, doch Paddy zeigte mir von Anfang an, dass es nur auf die Person, die die Worte aussprach, ankam. Wir verbrachten noch eine wunderschöne Nacht zusammen, bevor wir den Heimflug wieder antreten mussten. Wieder hieß es für mich, eine Stunde zittern im Flugzeug. Ich war zwar eine Spur entspannter als beim Hinflug, doch an diese Fliegerei werde ich mich wohl nie gewöhnen.

Butterflies in my BellyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt