XXXIX.

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Die Lichter flackerten bunt durch Magnus' Appartement und die Musik hallte von den schalldichten Wänden wider. Auf der Tanzfläche tummelnden sich jegliche Art von Unterweltlern, wie auch Hybriden und ein paar Shadowhunter. Doch Raphael und Simon standen etwas abseits. Sie hatten alles mit den Hybriden abgeklärt und dennoch tippelte Simon unruhig mit dem Bein.  ,,Nervös?" grinste Raphael.  ,,Ein wenig." gestand Simon und sah zu seinem Freund hinüber.  ,,Du?" Raphael zuckte mit den Schultern.  ,,Ein wenig." Das brachte Simon zum Lächeln, was ein kleines Feuerwerk in Raphael auslöste. Schließlich nahm Simon seine Hand und meinte:  ,,Okay, bin soweit." Raphael nickte und ging hinüber zum DJ-Pult. Auf seinen Wunsch hin drehte die Frau die Musik herunter, woraufhin die Partygäste zu ihm hinüber sahen.  ,,Keine Sorge, geht gleich weiter." sagte er, auf die verwirrten Blicke der Gäste hin.  ,,Ich habe nur eine kleine Ankündigung zu machen. Wie einige von euch vielleicht schon mitbekommen haben, gab es einen gewissen Vorfall, woraufhin einige Unterweltler gewisse Veränderungen durchgemacht haben. Diese Veränderungen reichen so weit, dass eine neue Rasse entstanden ist."  ,,Um diese neue Rasse der Hybriden offiziell zu machen," fuhr Simon fort und nahm Raphaels Hand in seine.  ,,haben mein Partner und ich einen neuen Clan gegründet. Unser Antrag auf einen Sitz im Vorstand wurde heute morgen genehmigt. Weitere Informationen, wie Residenz oder Ähnliches, könnt ihr durch einen der Hybriden oder mich erfahren." Raphael und Simon hoben die Gläser.  ,,Auf die neue Rasse der Schattenwelt; auf die Hybriden." Die Menge erhob ebenfalls ihre Gläser und rief:  ,,Auf die Hybriden!" Raphael nickte der DJ zu und sie drehte die Musik wieder auf. Noch immer Hand in Hand gingen Simon und Raphael zurück zu dem runden Stehtisch, wo Alec, Magnus, Isabelle, Clary und Jace standen.  ,,Herzlichen Glückwunsch!" rief Clary und fiel Simon um den Hals. Auch Isabelle umarmte Raphael kurz, ehe sie ihm gratulierte. Sogar Jace hielt Raphael lächelnd die Hand hin, welche dieser ebenfalls lächelnd ergriff. Nachdem alle den Beiden gratuliert hatten, entschuldigte Simon sich und ging hinüber an die Bar zu Maia. Gerade als Raphael einen Schluck von seinem Drink nehmen wollte, tippte ihn jemand an der Schulter an. Überrascht drehte er sich um und war noch überraschter, als er Lily dort stehen sah.  ,,Na, sieh mal einer an! Du in Idris?" Die Vampirin verdrehte die Augen und zog ihr weinrotes Kleid zurecht. ,,Ja, ich weiß, unfassbar." sagte sie.  ,,Aber du hast doch nicht wirklich geglaubt, ich würde den Tag verpassen, an dem du deinen eigenen Clan gründest!" Sie gab ihrem Kumpel ein vielsagendes Lächeln.  ,,Ich soll dir die Bar zeigen?"  ,,Ja, bitte." Die Beiden lachten und Raphael brachte sie zu Simon und Maia. 

Als Raphael am nächsten Morgen aufwachte sah er Simon grinsend neben sich im Bett sitzen.  ,,Guten Morgen, mi corazón." murmelte der Hybrid.  ,,Was gibt's denn zu Grinsen?"  ,,Du." erwiderte Simon.  ,,Du erinnerst dich nicht daran, was gestern Abend passiert ist, nachdem wir mit Jace, Magnus, Clary und Isabelle dieses Trinkspiel gespielt haben, oder?" Raphael versuchte sich aufzusetzen, sein Körper jedoch verhinderte dies.  ,,Bleib liegen. Du hast 'nen Kater." meinte Simon daraufhin.  ,,Ich hab uns Frühstück im Taki's bestellt. Ein Glas Wasser steht auf der Kommode, direkt neben einer Kopfschmerztablette." Nachdem Raphael die Tablette genommen hatte setzte er sich ins Wohnzimmer, wo er mit Simon zusammen frühstückte. Kaum dass er zu essen angefangen hatte, ging es dem Latino auch schon besser.  ,,Wow, du siehst gesund aus." witzelte Simon und Raphael zuckte die Schultern.  ,,Vielleicht ein Vorteil vom Hybriden-Dasein."  ,,Ja, vielleicht." meinte Simon, noch immer mit einem breiten Grinsen.  ,,Okay, hab ich mich bei diesem Trinkspiel gestern so blamiert oder gibt es einen anderen Grund für deine gute Laune?" fragte Raphael schließlich, woraufhin Simon sich zu ihm hinüber beugte, seinen Hals küsste und flüsterte:  ,,Wir haben unsere eigene Familie gegründet. Fehlt nur noch, dass man mich Mister Santiago nennt." Raphael lachte leise und legte seine Hände auf Simons Hüften.  ,,Willst du denn heiraten?" fragte er. Simon zuckte nur mit den Schultern.  ,,Ich hätte nichts dagegen. Ich bräuchte es aber auch nicht unbedingt." sagte der Tageslichtler.  ,,Was ist mit dir?"  ,,Ich bräuchte es auch nicht. Solange ich dich habe, brauche ich kein Blatt Papier, das dies bezeugt." Simon lehnte grinsend seinen Kopf an Raphaels Schulter und sagte:  ,,Du bist so schnulzig!"  ,,Ich kann dich aber auch einfach so Mister Santiago nennen." erwiderte Raphael, doch Simon schüttelte nur den Kopf.  ,,Sag mir einfach, dass du mich liebst, das reicht mir vollkommen." Schmunzelnd drückte Raphael dem Jüngeren einen Kuss auf die Schläfe und wisperte:  ,,Te amo, mi amor."  ,,Ich liebe dich auch, Raphael." 

In den nächsten Tagen gab es viele Sitzungen innerhalb des Clans, aber auch mit dem Vorsitz der Schattenwelt. Während Simon sich um die kleinen aber wichtigen Dinge innerhalb des Clans kümmerte, übernahm Raphael die Außenpolitik. Obwohl es ein paar Tage lang etwas stressig war, funktionierte das System reibungslos. Die Beiden lernten ihre Clanmitglieder viel besser kennen und auch untereinander entstanden offensichtlich Freundschaften. Schon nach ein paar Wochen fühlte sich die Wohnung an, wie ein großes Familienhaus und Raphael, wie auch Simon liebten es. Als Jace und Clary ihre Verlobung bekannt gaben, feierte die rothaarige Shadowhunter sogar ihren Junggesellinnenabschied in Simons Wohnung. Raphael stand gerade an der Tür zum Schlafzimmer und sah Simon und Clary beim Tanzen zu, als ihm plötzlich jemand einen Drink unter die Nase hielt. Verwundert riss er sich von Simons Anblick los und sah in Isabelles lächelndes Gesicht.  ,,Komm schon!" grinste sie.  ,,War letztes Mal lustig." Doch Raphael lehnte nur dankend ab.  ,,War es tatsächlich so peinlich, was ich getan habe?" grinste er.  ,,Simon hat es schon ein paar mal erwähnt, will aber nichts genaueres verraten." Isabelles Lächeln wurde breiter und sie nippte an dem Drink.  ,,Es war nichts, was du getan hast." erwiderte sie.  ,,Aber die Geschichten, die du beim Ich-Hab-Noch-Nie-Spiel erzählt hast, waren vielleicht . . ." Sie lachte und Raphael ahnte böses.  ,,Sagt dir 'Texas' etwas?"  ,,¡Por dios!" machte Raphael und rieb sich die Schläfe.  ,,Por favor, verschone mich mit dieser Erinnerung." Erneut brach Isabelle in kurzes Gelächter aus, ehe sie einen weiteren Schluck von ihrem Drink nahm.  ,,Raphael," sagte sie schließlich.  ,,es gibt da etwas, bei dem ich gerne eine unvoreingenommene Meinung gehört hätte."  ,,Sicher." meinte Raphael sofort und sah sie interessiert an.  Isabelle schaute in ihr Glas, nahm den letzten Schluck und fing an, zu erklären:  ,,Ich hab da mal so einen Kerl getroffen. Ein Mundi. Er war wirklich nett, fürsorglich, klug und witzig, aber . . . das mit der Schattenwelt wurde auf Dauer einfach zu riskant, also hab ich die ganze Sache beendet." Raphael nickte verstehend, ehe die Shadowhunter fortfuhr.  ,,Aber ich hab ihn vor zwei Tagen wieder getroffen und irgendwie . . . Ich weiß auch nicht . . Wir haben uns gestern auf einen Kaffee getroffen. Es war wirklich toll, aber dann hat er mich gefragt, ob wir es nicht nochmal miteinander versuchen könnten. Ich hab ihm gesagt, wir würden morgen bei einem Essen reden." Isabelle atmete tief durch, sah Raphael nun direkt an und sagte:  ,,Ich will ihm die Wahrheit sagen. Die ganze Wahrheit. Findest du, das ist eine schlechte Idee?" Der Latino dachte kurz nach, seufzte jedoch schließlich und meinte:  ,,Es ist riskant. Sehr riskant. Wenn er einmal über uns bescheid weiß, hat er das zweite Gesicht."  ,,Ich weiß." seufzte Isabelle.  ,,Aber wenn es dir das Risiko wert ist, solltest du es ihm sagen." sagte Raphael schließlich und ließ seinen Blick zu Simon wandern.  ,,Und wenn du ihm genauso viel wert bist, wird er es akzeptieren." 

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