Kapitel 12

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 „Hallo?!“, schrie Bilbo nun nach unten. Das Rascheln wuchs zu einem Knacken und Brechen der Äste heran und die Bäume wackelten, als stößten Riesen dagegen. „Bilbo! Pass auf!“ Zu spät bemerkte Ahvril das Spinnennetz, in dem sich die Füße des Hobbits verheddert hatten. Mit wild rudernden Armen fiel er nun in die Tiefe. Netze, dachte Ahvril bitter und wusste was sie zu bedeuten hatten. Schnell schoss sie durch das Blätterdach und verwandelte sich zurück. Mit einem Knie auf dem Boden, ihren Dolch gezogen und bereit für den Kampf sah sie sich um.

Ihre Gedanken bewahrheiteten sich. Spinnen krabbelten überall durch die Bäume des Düsterwaldes. Bei dem Anblick lief ihr ein Schauer über den Rücken. Zum ersten Mal wurde ihr wirklich bewusst, wieso dieser Wald nun seinen neuen Namen trug. Zu ihrem Entsetzen hatten sie bereits ganze Arbeit geleistet. In mehreren Kokons hingen die Zwerge von den Bäumen. In der Nähe schrie Bilbo auf, vermutlich hatte es nun auch ihn erwischt. Ahvril musste sich beeilen, so viel stand fest, denn die Spinnen fraßen am liebsten lebend. Leichtfüßig sprang die Celva auf einen der Äste und rannte zum ersten Kokon. Sie riss ihren Dolch nach oben und schnitt durch die Fäden. Mit einem dumpfen Geräusch landete der Kokon auf dem Boden. Ahvril verzog das Gesicht, hoffentlich verletzte sich niemand!

Nach ein paar weiteren Metern, wurde sie entdeckt. Eine der riesigen Spinnen kam auf sie zu, ihr Maul weit aufgerissen und der lange Stachel auf dem Rücken entblößt. Die Celva wich erschrocken zurück. Sie hatte nicht damit gerechnet unter ihnen giftige Spinnen zu treffen. Legenden besagten, dass nur noch Kankra übrig war, die sich am Rande von Mordor niedergelassen hatte. Ihre Sprösslinge sollten keinen Giftstachel mehr besitzen. Ahvril erinnerte sich an eine Lehrstunde mit Herrn Elrond: Das Gift Kankras betäubt einen so weit, dass jeder einen für tot halten würde, noch nicht mal mehr die Atmung ist zu erkennen. Sie hoffte, dass auch deren Gift nicht mehr verursachte.

Flink konnte Ahvril der angreifenden Spinne ausweichen, ehe sie sie erneut verfolgte. Im Augenwinkel sah sie Bilbo, der nun an ihrer Stelle die Kokons befreite. Der kleine Hobbit trug sein Schwert hoch erhoben, bereit alles dafür zu tun, um die Zwerge zu retten. Ahvril wünschte sich unterdessen verzweifelt ihren Bogen zurück, der vermutlich noch irgendwo in der Goblin-Höhle lag. Mit ihrem kurzen Dolch musste sie viel zu nah an die Spinne heran und damit auch an deren Stachel. Immer wieder lockte sie die Kreatur in eine Richtung, nur um dann auf einen anderen Ast zu springen und den Weg zu ändern. So fuhr sie fort, doch die Spinne hing ihr immer dicht an den Fersen.

Mittlerweile hatten sich alle Zwerge befreit und rannten nun davon. „Na los!“, rief Thorin laut. Ahvril erkannte ihre Chance nur jetzt, durch den Ruf abgelenkt hielt die Spinne kurz inne und die Celva änderte ihre Gestalt. Mit ihrem Wolf lief sie nun nicht mehr davon, sie griff an! Ihre Zähne erwischten leider nur eines der Beine, trotzdem zeigte es den gewünschten Erfolg. Die Spinne schrie gequält auf und machte kehrt. Ahvril heulte kurz triumphierend, ehe sie den Zwergen nachlief. „Kili?“ , fragte sie besorgt. „Alles ok!“, hörte sie aus dem Getümmel von unten eine Antwort. Mit einem großen Sprung landete der Wolf neben den Zwergen und rannte nun mit ihnen im Einklang.

Schnell kamen ihnen neue Spinnen entgegen. Mit erhobenen Waffen stürzten sie sich in den Kampf. Ahvril fand endlich Kili und gab ihm Deckung, während er Pfeil um Pfeil auf die Bestien schoss. Jede quietschte wild vor ihrem Tod, was nur noch mehr Spinnen anlockte. Ahvril grub ihre Zähne in alles was sie packen konnte. Das widerliche Blut füllte ihren Mund, es schmeckte noch ekelerregender, als das der Orks. Von überall drangen neue Spinnen hervor. Ihre langen Beine trugen sie blitzschnell zu ihnen hinüber. Ahvrils Kopf schoss hin und her, sie wusste gar nicht welche sie als erstes angreifen sollte!

Hinter ihr schrie nun Kili auf. Eine der Spinnen hatte ihre Beine um ihn geschlungen und drohte ihn zu zerquetschen. „Fili!“, rief er aus und sofort war der blonde Zwerg zur Stelle. Er stach mit seinem Schwert zu, wodurch die Spinne augenblicklich losließ. Ahvril sprang mit einem Satz auf die Kreatur und biss ihm den Kopf ab. Zu dritt kämpften sie weiter. „Kommt! Schnell jetzt! Sie sind weg!“, Thorin und die anderen rannten los. Auch Fili folgte dem Befehl seines Onkels sofort. Ahvril und Kili jedoch hatten noch eine Spinne vor sich. Sie wurden von den anderen abermals getrennt.

Die Kreatur von zuvor, die mit dem Stachel, stand Ahvril entgegen. Mit gefletschten Zähnen wollte sie gerade los rennen, als Kili aufschrie. Es hatten sich zwei weitere Spinnen herangeschlichen! Erschrocken verlor die Celva die Konzentration und sah zu dem Zwerg. Sie würde ihn nicht rechtzeitig erreichen! Sofort wechselte sie ihre Form und stand auf zwei Beinen. Sie griff nach ihrem Dolch und schmiss ihn ohne zu zielen. Die silberne Klinge traf die Spinne zwischen den Augen.

Kili sah sich erleichtert um, er erblickte Ahvril sofort, doch sein Gesicht verzog sich gleich zu einer Maske des Horrors. Hinter der Celva stand nun die Spinne mit dem Stachel. „Nein!“, rief er aus, doch es war zu spät. Mit einem entsetzlichen Geräusch vergrub sie ihren Stachel im Rücken der Celva, die Spitze ragte aus ihrer Brust hervor. Sofort quoll ein Schwall Blut aus ihrem Mund und tropfte ihr Kinn herab. Kili sah geschockt zu, wie die Spinne ihren Stachel wieder zurückzog. Geräuschlos sackte die Celva zusammen. Der Zwerg wollte sofort zu ihr, doch weitere Spinnen versperrten ihm den Weg. „Fili! Hilfe!“, schrie er aus. „Kili!“, kam aus der Ferne die besorgte Antwort. Eine der Kreaturen packte seinen Stiefel und brachte ihn zu Fall. Wild tretend schrie Kili wütend auf. Er musste sich um Ahvril kümmern!

Als habe man seine Gedanken gehört, flog plötzlich ein Pfeil an ihm vorbei und versenkte sich tief in einem Auge der Spinne. Erschrocken sah der Zwerg sich um. Hinter ihm stand eine Frau, sie hatte rotes Haar und trug lederne Kleidung. Sie war ohne Zweifel eine Schönheit und zudem eine Elbin. „Geht mir aus dem Weg, Zwerg!“, knurrte sie mit einer glockenhellen Stimme. Kili gehorchte ihr nur zu gern. Augenblicklich rannte er zu Ahvril, die regungslos am Boden lag. Schnell zog er seinen Mantel aus und hüllte sie darin ein. Die Kapuze verdeckte ihr Gesicht komplett. Erst danach hob er ihr Wams an, um zu sehen was die Spinne für einen Schaden angerichtet hatte. Auf Ahvrils blasser Haut stach ein rotes Loch hervor, genau unter dem Schlüsselbein. Wenn Kili sich nicht täuschte, hatte der Stachel weder das Herz, noch die Lunge verletzt. Behutsam schob er beide Arme unter ihren Körper und hob sie hoch, dabei achtete er stets darauf, dass der Umhang sie gut verdeckte. Die Elbenfrau hatte unterdessen die restlichen Spinnen erledigt. „Mitkommen“, befahl sie ihm streng und packte ihn an der Schulter, „wer ist das?“

„Eine Hobbit-Frau, die mit uns reist“, log er schnell und schüttelte dabei innerlich mit dem Kopf. Das würde ihm niemand glauben. „Ist sie tot?“

„Nur verletzt“, Kili gefiel der Tonfall nicht, mit dem diese Elbenfrau sprach. Der Zwerg hatte jedoch nicht mehr Zeit sich darüber zu ärgern, vielmehr alarmierte ihn die Tatsache, dass seine Hand unter Ahvrils Schulter zu kleben begann. Sie blutete bereits den Umhang durch. „Durchsucht sie!“, erklang eine neue Stimme, diesmal männlich. Kili, Ahvril und die Elbin erreichten die anderen. Sie standen zusammengepfercht da. Mehrere Elben umzingelten sie. Einer von ihnen, ein blonder, stand in der Mitte und erteilte Befehle. Kilis Griff um Ahvril verstärkte sich.

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und wir wissen ALLE was nun kommt *eeeeppp* ich freu mich :3

Fire Princess (Hobbit FF: Band 2)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt