Kapitel 17

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Vivianna half ihr ihre Haare zu bürsten und zurückzustecken. Das Kleid passte ihr, als sei es für sie geschneidert worden. „Hast du gesehen wer meine Waffen genommen hat?“, fragte Ahvril, bevor sie zur Tür hinausgingen. „Leider nein. Einer der Wachen trug sie hinaus, samt ihrer Kleidung. Vermutlich bekommt sie der Prinz zur Begutachtung“, Vivianna senkte den Blick. „Natürlich“, seufzte Ahvril angespannt, „dann werden meine Worte als Waffe genügen müssen.“

„Ihr seid gekleidet wie die Prinzessin, die ihr seid. Der König wird euch anhören, da bin ich mir sicher!“

„Danke“, erwiderte die Celva aufrichtig. Zusammen schritten sie aus der Tür, wo bereits mehrere Wachen warteten. Ohne ein Wort setzten sie sich in Bewegung und verfolgten die beiden Frauen leise. Nur das klirren ihrer Rüstungen war zu hören. Mit jedem Schritt schwand Ahvrils Entschlossenheit ein wenig mehr. Die kalte Wahrheit kroch in ihre Knochen, sie würde Thranduil entgegentreten müssen. Dem Mann, der ihr alles genommen hatte, was sie sich nach Smaugs Überfall wieder aufgebaut hatte. Ihr Schritte hallten durch die riesige Halle. Umso näher sie dem Thron kam, umso langsamer wurden sie. Irgendwann legte ihr Vivianna eine Hand auf den Rücken und schob sie weiter. „Ihr schafft das“, flüsterte sie ihr ins Ohr und Ahvril nickte. Sie musste, was für eine Chance hatten die Zwerge sonst? Am Anfang einer langen Treppe, blieben die Wachen stehen und positionierten sich so, dass ihr der Rückweg versperrt wurde. „Ab hier musst du alleine gehen“, sagte die Elbin leise und lächelte ihr noch einmal aufmunternd zu. „Danke, für alles“, antwortete Ahvril ebenso leise und umarmte sie fest. Vielleicht das letzte Mal, wenn Thranduil entschied sie gleich zu töten. Zittrig erklomm sie die Stufen. Eine nach der anderen, Fuß um Fuß kam sie dem König näher. Sie behielt ihren Blick gesenkt, wohl wissend das sie bald in Sichtweite kommen müsste. Die Stille wurde durch etwas unterbrochen, womit Ahvril nicht gerechnet hatte: Ein Lachen. Es klang so verspottend und giftig wie sie es in Erinnerung hatte. Noch ein paar letzte Stufen und dann hob sie den Kopf.

Vor ihr saß Thranduil, der Elbenkönig und Gebieter des Waldlandreiches. Er hatte sich kaum verändert. Seine fast weißen Haare lagen ihm glatt über den Schultern und reichten ihm bis zur Mitte seines Rückens. Er trug seine Krone aus blühenden Ästen, genau wie sie es von ihm kannte. Der König kleidete sich in silbernen Roben, die bis zum Boden fielen.

Er lachte noch immer, als die Celva ihn nun betrachtete. „Wen haben wir denn da“, ertönte seine Stimme und schien durch das gesamte Königreich zu hallen, „wenn das nicht mal die ist, die ich einst ins Exil schickte!“ Ahvril blieb stumm und reckte nur ihr Kinn in die Höhe. „Ich hätte mir denken können, dass der König unter dem Berge nicht alleine reist“, er sprach Thorins Titel aus wie eine Schmach. Er zog die Nase kraus und lehnte sich in seinem Thron zurück. Er schlug die langen Beine übereinander, noch immer leise lachend. „Was mache ich nun mit dir?“, er legte den Kopf schief, wobei mehrere seiner silbernen Strähnen über seine Schulter glitten, „was ist? Bist du in all den Jahren verstummt?“

„Nein, euer Gnaden“, sie verschluckte sich fast an dem Adelstitel, den sie bereits früher bei ihm verwendete. „Euer Gnaden“, äffte er ihre hohe Stimme nach, „noch immer so höflich nach all den Vorkommnissen? Ich bin mir sicher du versuchst hier nur deine Haut zu retten, nicht wahr?“

„Ich versuche meine Freunde zu retten, was mit mir geschieht ist mir gleich“, erwiderte Ahvril kühl. Ihr Zittern hatte aufgehört, stattdessen breitete sich eine dunkle Wut in ihr aus. „Wie töricht. Ich bin mir sicher auch du glaubst dieses Unterfangen sei ehrenhaft. Glaubst du wirklich, du könntest einen Drachen töten? Schenkst du dieser lächerlichen Prophezeiung Achtung? Wir haben bereits gesehen, wie viel du bei einem Drachen ausrichten kannst.“ Ahvril erschrak. Woher wusste er das? „Ja, ja. Ich habe nachgeforscht. Kurz nachdem ich dich und dein Volk aus diesen Hausen verbannte, las ich alles was ich über dich finden konnte. Das Dezemberkind, so nennen sie dich. Was für ein wundervoller Titel, doch leider nutzlos“, erklärte Thranduil, während seine eisigen Augen sich in sie zu bohren schienen. Ahvril ballte die Fäuste. Hinter dem Thron ertönten plötzlich Schritte.

„Vater, du hast nach mir verlangt?“, aus dem Schatten trat nun ein blonder Elb. Er trug eine Rüstung und Waffen auf dem Rücken. Ahvril hätte ihn überall wieder erkannt, egal wie sehr er sich auch verändert hatte. Seine Schultern waren breiter, sein Gesicht älter, aber auch kälter und irgendwie verändert. „Ah Legolas! Ich dachte mir, du freust dich eine alte Bekannte wiederzusehen!“

Seine blauen Augen fielen auf die Celva und beide erstarrten. Ahvril sah wie er die Zähne zusammenbiss, die Muskeln an seinen Schläfen zuckten. Das war nicht mehr der Junge, den sie damals davon reiten sah und sie war nicht mehr das dumme Kind, was um ihn und wegen seines Verrates geweint hatte. Bevor er etwas sagen konnte trat Ahvril einen Schritt vor. Sein Auftauchen hatte das Fass ihrer Emotionen zum Überlaufen gebracht. „Damals konntet ihr mich erniedrigen, verraten und ins Exil schicken, ohne das ich mich wehrte. Doch heute nicht mehr“, sie erhob ihre Stimme, bis sie genauso durch die Hallen schallte, wie die des Königs zuvor, „mein Name ist Ahvril Pfeilenprinzessin, ich bin die letzte Prinzessin der Weltenwanderer, Dezemberkind und zukünftige Königin der südlichen Wälder!“ Nun zitterte sie erneut, doch nicht aus Angst, sondern vor Wut. Vor ihr stand der Mann, der ihre Kindheit zerstörte, der ihre erste wahre Freundschaft zerstörte, der ihr Leben unter den Elben zerstörte, einer zweiten Familie, die sie zu lieben gelernt hatte. Thranduil erhob sich langsam von seinem Thron. Mit leichten Schritten durchquerte er die Distanz zwischen ihnen und baute sich vor der Celva auf. Legolas blieb im Hintergrund und beobachtete die Situation gespannt. „Und ich bekomme meine Rache an dieser Bestie!“, fügte sie noch schnell hinzu, bevor der Elb sie unterbrechen konnte. „Rache! Pah!“, er spie die Worte förmlich aus, „was kannst du noch ausrichten, wenn ich dich hier in meinem Königreich köpfen lasse?“

„Diese Rache gehört mir, genauso wie sie Thorin und den Zwergen des Erebor gehört! Ich nehme mir was mir gehört, mit Feuer und mit Blut werde ich es mir nehmen!“, Ahvril antwortete genauso finster und verlieh jedem Wort Nachdruck, der die Luft zu vibrieren lassen schien. Nun verzog sich das hübsche Gesicht des Königs zu einer Fratze des Hasses. Er näherte sich der Celva, die nicht auch nur einen Zentimeter wich und entblößte sein wahres Gesicht. Die bleiche, schöne Haut seiner linken Gesichtshälfte schien sich aufzulösen, zu verbrennen bis nur noch Knochen, Sehnen und roher Muskel übrig blieb. Ein Zischen erfüllte die Luft, als geschehe es genau in diesem Moment. „Erzähl mir nichts vom Drachenfeuer! Ich weiß wie wütend und tödlich es ist! Ich kämpfte schon gegen die großen Feuerschlangen des Nordens!“, so wie es gekommen war, so verschwand das verkohlte Fleisch wieder und hinterließ eine makellose Haut. Thranduil trat zurück, nun lächelnd. „Ich warnte Elrond vor diesem Tag! Euer Volk ist in der Lage uns alle in diesem Feuersturm zu zerstören! Eine gewöhnliche Frau, wie du-“

„Versteht ihr nicht? Ich bin keine gewöhnliche Frau! Meine Träume gehen in Erfüllung. Die Prophezeiung wird eintreten und dann werdet ihr noch beten, ihr hättet mich mit Respekt behandelt!“, die Worte rutschten Ahvril einfach aus dem Mund, sie wusste das Thranduil sie nun niemals lebend würde gehen lassen. Ihr Blick flog zu Legolas, der sie nur erstaunt ansah. Was auch immer sein Vater ihm über sie erzählt hatte, es musste ihm gerade klar werden, dass es gelogen war. Denn Thranduil hatte soeben den wahren Grund für seinen Hass gegen die Celva offenbart. Er empfand keinen Hass, sondern Angst. Wenn die Prophezeiung stimmte, konnte Ahvril die Drachen kontrollieren. Zum ersten Mal wurde ihr der Ausmaß dessen bewusst und dies ließ sie Thranduil spüren, schon allein das, war ihr Triumph genug.

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Da ist der große Moment :D Thranduil, Legolas und Ahvril treffen aufeinander! Habt ihr es euch so vorgestellt? Ich hoffe es war keine Enttäuschung, ich hab mein ganzes Herzblut da reingelegt ^^' Keine Angst, eine Konfrontation zwischen Legolas und Ahvril wird auch noch folgen :) Und einige unter euch, die GoT kennen, werden ein Zitat wiedererkannt haben :P 

Fire Princess (Hobbit FF: Band 2)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt