Kapitel 28

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Langsam und diesmal mehr bedacht setzten sie ihren Weg durch die Stadt fort. Bard sah um jede Ecke und in jede Seitenstraße, ehe er den Zwergen den Weg leitete. Die Meute wollte schon wieder die Fäuste heben, als nun ein kleiner Junge mit schwarzem Haar und abgetragenen Kleidern ihnen entgegen rannte. Bard hob beschwichtigend eine Hand und ging dem Jungen entgegen. „Vater!“, flüsterte der Junge hastig, „unser Haus, es wird beobachtet!“ Bard sah sich sofort um, als befürchtete er sie würden verfolgt. „Bain“, antwortete er seinem Sohn und fasste ihm mit einer Hand auf die Schulter, „zeig uns einen Weg zum Haus, der nicht beobachtet wird!“ Der Junge nickte und ging schnell voran. Die Zwerge sahen sich untereinander misstrauisch an. Es gefiel ihnen nicht, dass sie nun ihr Leben in die Hand eines kleinen Jungen legen mussten.

Bain führte sie leise und ungesehen über die Stege. Irgendwann hielten sie an. Bard und sein Sohn tauschten einen Blick. Der Mann seufzte und drehte sich zu den Zwergen. „Das wird euch jetzt nicht gefallen!“, murmelte er.

Bard und Bain setzten ihren Weg alleine fort. Überall saßen Leute des Bürgermeisters und beobachteten sie unauffällig. Sie läuteten Glöckchen, zündeten Pfeifen an oder wechselten schlicht ihre Sitzposition, um sich untereinander Zeichen zu geben. Hätte Bard sie nicht schon öfters gesehen und ihre Spielchen durchschaut, würden sie aussehen wie normale Bürger, die normale Sachen taten. Sie gingen die hölzerne Treppe zu ihrem Haus hinauf, direkt neben ihnen im Fluss lag ein Fischerboot, mit zwei vermeintlichen Anglern. Bard nahm einen Apfel aus seiner Tasche und schmiss ihn über das Geländer. Er pfiff, ehe er sprach: „Sagt dem Bürgermeister, dass ich für heute fertig bin!“ Einer der Fischer fing den Apfel überrascht auf und beide sahen ertappt zu Boden.

Im inneren der kleinen Hütte war es warm und Bard schlug sofort das behagliche Gefühl von Zuhause entgegen. Ein kleines Mädchen, in einem blauen Kleid kam ihm entgegen. „Vater!“, rief sie erfreut aus und schlang ihre dünnen Arme um seinen Torso, „wo warst du denn?“

„Vater! Da bist du ja, ich war so in Sorge!“, ein weiteres Mädchen, ein paar Jahre älter als das erste, nahm ihn fest in den Arm. Sigrid und Tilda, seine beiden Töchter sahen aus wie ihre Mutter. „Hier Sigrid“, brummte Bard und gab ihr seine Tasche. Deren Inhalt war es gewesen, wofür er eigentlich losgefahren war. Er war zu nervös und gehetzt, um die Mädchen richtig zu begrüßen. Hastig ging er zu dem kleinen, vergitterten Fenster und sah hinaus. „Bain!“, rief er aus, „hol sie herein!“ Der Junge nickte und lief die Treppen hinunter in Richtung ihres kleinen Badezimmers. Bain öffnete die Tür und klopfte drei Mal gegen die hölzerne Wand. Gespannt sah er auf ihre Toilette. In Esgaroth hatten sie alle eine direkte Verbindung zu den Kanälen, daher stammte auch größtenteils der Gestank, der überall in den Straßen hing. Bains klopfen war kaum richtig verhallt, da tauchte ein Kopf aus dem Wasser der Toilette. Es war Dwalin. Sein Kopf war so rot, dass Bain dachte er würde jeden Moment von ihm verprügelt, für die Idee die Zwerge durch den Kanal ins Haus zu schmuggeln oder aber er platze. Wütend riss der Zwerg die Klobrille beiseite und hob sich am Rand aus dem eiskalten Wasser. Der Junge wollte ihm eine Hand reichen, doch Dwalin schlug sie weg. „Finger weg! Wenn du das irgendwem erzählst, reiß ich dir beide Arme aus!“, knurrte er barsch und Bain hatte keine Probleme damit ihm zu glauben. „Nach oben!“, murmelte der Junge nur hastig und machte dem tropfnassen Zwerg platz. Nach Dwalin kam Bilbo zum Vorschein. Der Arme hatte die Augen weit aufgerissen und schien nicht zu Atmen, aus Angst etwas von dem Wasser in den Mund zu bekommen. Seine Lippen waren blau und mit den Haaren, die ihm auf der Stirn klebten, sah er aus wie ein begossener Straßenhund. Bain tat der kleine Mann leid und so half er ihm aus dem Wasser. Wenigstens er wehrte seine Hilfe nicht ab.

Einer nach dem Anderen ging die Treppen hinauf. Sigrid kam an das Treppengeländer und schaute überrascht, als sich ihr kleines Haus mit Zwergen füllte. „Vater?“, fragte sie unsicher, „wieso kommen lauter Zwerge aus unserem Klosett?“

„Werden sie uns Glück bringen?“, fragte auch Tilda, jedoch mehr begeistert über die Anwesenheit der Fremden, als ihre Schwester.

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Frohen Ostersonntag meine Lieben :3  

Fire Princess (Hobbit FF: Band 2)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt