„Der junge Prinz ist euch sehr angetan Mylady“ Die junge Ahvril hob den Kopf und sah zu der alten Köchin. Für gewöhnlich sah man Elben ihr Alter nicht an, doch für die Celva erschien Vivianna schon immer alt und weise. Es war einfach eine gewisse Aura, die sie umgab. Ahvril liebte es, wenn sie das Waldlandreich besuchte hier in der Küche bei ihr zu sitzen. Heute hatte sie ihren Unterricht hierher verlegt. Sie saß mit gekreuzten Beinen auf einem Hocker, die Sticktafel im Schoß. Herr Elrond bestand darauf, dass sie die allgemeinen Fertigkeiten des Webens beherrschte, so wie es jede Lady können sollte. „Oh nein, ihr müsst euch irren Vivianna“, erwiderte sie lächelnd und zog einen silbrigen Faden durch das Webmuster. „Nonsense“, wetterte die Alte und klopfte den Teig etwas fester, das Mehl flog nur so um sie herum, was Ahvril amüsierte, „tut nicht so, als falle es euch nicht selbst auf!“ Die Celva dachte nach und errötete dabei leicht. Legolas war ein alter Freund von ihr. Mehr sah sie nicht in ihm und er nicht in ihr. „Nonsense“, brummte Vivianna wieder und schüttelte den Kopf.
Ahvrils Kopf war so schwer wie Stein, als sie erneut erwachte. Ihr gesamter Körper kribbelte, als liefen tausende von Armeisen über ihre Haut. Mittlerweile spürte sie weder ihre Hände, noch ihre Beine. „Kili?“, flüsterte sie, doch es bewegte sich nur ihre Lippen. Kein Ton war zu hören. Und doch bemerkte der Zwerg sie. Schnell lief er an ihre Seite. „Du bist wach! Ich dachte du erlangst das Bewusstsein nicht wieder! Ich hab versucht die Elben zu bitten dir zu helfen, doch sie sind einfach gegangen!“ Die Gedanken der Celva waren so zäh wie Honig, ihre Sicht verschwamm und sie erkannte Kilis Gesicht nur wie durch Wasser. „Keine Elben“, wisperte sie verzweifelt, „sie töten mich!“
„Du bist schon so gut wie tot!“, rief Kili aus und riss sich sofort wieder zusammen. Erschrocken sah er sich um, doch niemand hatte ihn gehört. Tränen stiegen in seine braunen Augen, als er Ahvril nun betrachtete. Schweiß hatte sich auf ihrer Stirn gebildet und ihre Augen waren glasig. Er musste seinen Plan durchführen! Und zwar bald!
Sie saßen eine Zeit lang still da. Kili hatte ihren Kopf in seinen Schoß gelegt und strich ihr über die nassen Haare. Von weit her hörte er die Stimmen seiner Kameraden. Thorin war dem König vorgeführt worden, doch statt einen Handel einzugehen hatte er ihn beleidigt. Das bedeutete ihr Todesurteil. Ihr aller Todesurteil.
Es dauerte nicht lange, da kam die erste Wache, um einen Kontrollgang zu machen. Kili sah wieder die Rothaarige. Tauriel, hatte der blonde Elb sie genannt. Vorsichtig legte er Ahvril auf den Boden, sie hatte bereits seit Stunden wieder das Bewusstsein verloren. Er zog seinen Runenstein hervor und setzte sich auf die Bank, direkt neben der Tür. Während er den Stein immer wieder in die Luft schmiss, wartete er. Bald schon hörte er ihre zarten Schritte auf dem steinernen Boden. Sie blieb einen kurzen Moment vor seinem Tor stehen, ehe sie fragte: „Der Stein in eurer Hand, was ist das?“
„Ein Glücksbringer“, erwiderte er ruhig, aber ernst, „er ist verzaubert. Ließt ein anderer als ein Zwerg diese Runen, ist er für immer verflucht.“ Ruckartig hob er den Stein und hielt in mit der Schrift nach vorne direkt vor ihr Gesicht. Erschrocken wich die Elbin zurück und wand sich ab. „Oder nicht“, fügte Kili hinzu und grinste, „kommt drauf an, ob man an so was glaub. Es ist nur ein Andenken.“ Das ließ Tauriel innehalten. Er hatte ihre Neugier geweckt.
Im hinteren Teil der Zelle kämpfte Ahvril darum am Leben zu bleiben. Immer wieder fühlte sie, wie die Dunkelheit des Todes nach ihr griff. Ab und zu stand sie kurz davor ihre Augen zu öffnen, dann verschluckte sie wieder die Finsternis. Doch wenn sie es schaffte fast zu erwachen, hörte sie Stimmen. Kili sprach mit jemandem. Wie durch Watte hörte sie seine Stimme. „Ist nur ein Andenken“, sagte er gerade. Sie konnte das Lächeln in seiner Stimmfarbe erkennen. „Ein Runenstein. Meine Mutter hat ihn mir geschenkt, damit ich an mein Versprechen denke.“
„Was für ein Versprechen?“, fragte eine helle, silbrige Stimme. Ahvril wusste das es eine Elbenfrau sein musste. Nun kämpfte sie mit aller Macht darum aufzuwachen. „Das ich zu ihr zurückkehre“, erwiderte Kili nun, er klang sanft. Fast genauso, wie wenn er mit ihr sprach. „Sie sorgt sich. Sie hält mich für waghalsig“, er lachte leicht, während er dies erzählte. „Seid ihr es?“
„Nein“
Ein lautes Klirren unterbrach die Unterhaltung. Kili musste den Stein fallen gelassen haben. Es folgte ein rascheln, offensichtlich stand der Zwerg auf. Für Ahvril wurde der Kampf unerträglich. Es fühlte sich an, als atme sie Rasiermesser. Jeder Luftzug schnitt ihr in die Kehle. „Da oben scheint ja eine ganz große Feier im Gange zu sein“, stellte Kili fest. „Es ist Mereth-en-Gilith, das Sternenlichtfest. Den Eldar ist alles Licht heilig. Aber am meisten lieben Waldelben das Licht der Sterne.“
„Ich fand immer es ist ein kaltes Licht. Unnahbar und weit entfernt“, Ahvril versuchte zu schlucken, doch etwas blockierte ihren Hals. „Es ist Erinnerung, besonders kostbar und rein! So wie euer Versprechen!“ Es waren wieder Geräusche zu hören, sie musste Kili den Stein zurückgeben. Vor ihrem inneren Auge sah Ahvril, wie sich ihre Finger berührten. „Ich bin manchmal dorthin gewandert. Über den Wald hinaus und hinauf in die Nacht. Ich habe gesehen wie die Welt verschwindet und das weiße Licht der Ewigkeit die Luft erfüllt“, die Elbin klang versunken in ihrer eigenen Welt. Ihre Stimme war voll von Bewunderung und Hingabe. „Ich habe mal einen Feuermond gesehen. Er ging bei dem Pass von Dunland auf. Riesig, rot und golden, der gesamte Himmel leuchtete. Wir eskortierten eine Gruppe Kaufleute aus den Ered Luin. Sie tauschten Silberarbeiten gegen Felle. Wir nahmen den Grünweg nach Süden-“, nun erkannte Ahvril, was ihr die Kehle zuschnürte. Tränen stiegen ihr brennend heiß in die Augen. Die Stimmen verblassten und sie versank in der Dunkelheit.
„- das Gebirge zu unserer Linken“, Kili versuchte verträumt zu lächeln, doch seine Sorge brachte ihn fast um. Aber sein Plan ging auf. Sie schien auf seinen Charme hereinzufallen. „Und dann erschien er: Dieser riesige Feuermond und erleuchtete unseren Weg. Ich wünschte ich könnte euch die Höhlen unter diesen Bergen zeigen!“, Tauriel sah ihn lächelnd an, vollkommen eingenommen von seiner Geschichte. „Das klingt wunderschön“, sagte sie entzückt. „Ja, das war es“, erwiderte er grinsend. Die Elbenfrau stand auf, offensichtlich bereit zu gehen. „Wartet!“, rief Kili ihr hinterher, „könnt ihr denn gar nichts für meine Freundin hier tun? Sie stirbt!“ Etwas verlegen sah Tauriel zu Boden, doch dann griff sie an ihren Gürtel und zog einen Schlüssel hervor.
****
Was haltet ihr von der neuen Entwicklung der Dinge? Hättet ihr damit gerechnet? Erzählt mir was ihr denkt und was in eurem Kopf vorgeht :D
Außerdem ein ganz großes Dankeschön an @mathiiiiilda für den Vorschlag einer zweiten weiblichen Hauptperson, zwar wird Vivianna keine Hauptrolle übernehmen, aber sie hat mir in dem Puzzle meiner Ideen noch gefehlt und durch dich kam ich auf sie :D Danke!
DU LIEST GERADE
Fire Princess (Hobbit FF: Band 2)
FanfictionEndlich akzeptiert von den Zwergen und als geliebtes Mitglied der Gemeinschaft steht Ahvril nun vor einem neuen Problem. Längst vergessene Geschichten kommen wieder zum Vorschein und alte Freunde begegnen ihr auf dem Weg zum Erebor. Doch nicht nur F...
