„Was ist das für ein Aufruhr?", rief er aus und schwang sich einen schweren Pelzmantel über die Schultern. Mit schwerfälligen Schritten trat er an den Rand der Treppe und überschaute so die Szene vor ihm. „Wir haben sie vorhin geschnappt, als sie Waffen stehlen wollten Herr", antwortete einer der Wachen. „Ah, also Hochverräter", erwiderte der Bürgermeister voller freudiger Erwartung einer Hinrichtung. „Nur ein kümmerlicher Haufen Söldner, wenn ihr mich fragt Herr", spottete Alfrid, der nun neben ihn getreten war. „Passt bloß auf! Hütet eure Zunge!", zischte Dwalin wütend und blitzte die beiden Männer feindselig an. Er befreite sich von den Griffen der Wachen und trat an den Fuß der Treppe. „Ihr wisst nicht mit wem ihr es zu tun habt!", rief er, nun lauter, „das ist nicht irgendein Halunke! Das ist Thorin, Sohn von Thráin, Sohn von Thrór!" Dwalins Stimme wuchs zu einem lauten Brüllen an und Thorin trat hervor. Der Bürgermeister hob beide Augenbrauen und schien nun überrascht. Er erkannte den Namen aus den alten Geschichten. Geschichten voller Ruhm und Gold. „Wir sind die Zwerge Erebors!", verkündete Thorin. Um ihn herum begannen die Bürger zu murmeln. Auch ihnen war die Prophezeiung über den König unter dem Berge nicht unbekannt. „Und wir sind gekommen, um unsere Heimat zurück zu fordern!", fügte der Zwerg stolz hinzu. Seine Augen wanderten aufmerksam durch die unruhigen Reihen, ehe er den Bürgermeister ansah. Er wirkte fast herausfordernd. Als niemand ein Wort sprach, fuhr Thorin fort: „Ich erinnere mich an diese Stadt in alten Zeiten. Ganze Handelsflotten lagen im Hafen. Beladen mit Seide und Edelsteinen!" Wieder tauschten die Anwesenden Blicke untereinander. Es wurden immer mehr, bald hatte sich die gesamte Stadt versammelt. Viele nickten zustimmend. Die Zwerge sahen sich ebenfalls an, neugierig über den Verlauf der Dinge. Schnee verfing sich in ihren langen Haaren und Bärten, doch sie schenkten ihm keine Beachtung. Zu sehr fesselte sie die Rede ihres Königs. „Dies war keine vergessene Stadt auf einem See. Dies war der Mittelpunkt für jedweden Handel im Norden!" Thorin hob eine Faust und ermutigte die Menge zum Jubel. Seine Worte waren kraftvoll und bedeutend. In diesem Moment hätte er so ziemlich jeden von ihnen überzeugen können. Als er nun erneut zu sprechen begann hob er seine Stimme noch lauter und noch schallender. Sie schien durch jede Gasse der Stadt zu dringen. „Ich hole diese Zeit zurück! Wir entzünden die großen Schmieden der Zwerge neu, auf das sich Wohlstand und Reichtum wieder ergießen! Aus den Hallen Erebors!" Nun hob ganz Seestadt die Hände und jubelte dem Zwerg zu. Thorin wand sich stolz an den Bürgermeister, doch es gab Jemanden, der ihm nicht zustimmte. „Tod!", schrie Bard und drängte sich durch die Menge, „das werdet ihr über uns bringen! Drachenfeuer und Verderb!"
Bilbo und Balin machten dem Seemensch schnell platz und sahen ihn ungläubig an. „Wenn ihr die Bestie weckt", Bard sah Thorin ernst an und der Zwerg erwiderte seinen Blick grimmig, „werdet ihr uns alle vernichten!" Der einstige Jubel der Menschen ging nun in Schock und Furcht über. Sie kannten Bard und vertrauten ihm. Hier und da sah man Frauen, die sich erschrocken eine Hand vor den Mund legten oder ihre Kinder näher an sich pressten. „Ihr könnt auf diesen Schwarzmaler hören", meinte Thorin nur trocken, „doch ich verspreche euch: Wenn es gelingt, werden alle am Reichtum des Berges teilhaben." Die Vorstellung von Unmengen Gold und Edelsteinen, Reichtum und Macht waren verlockend für die Menschen der, mit den Jahren heruntergekommenen, Stadt. Einige von ihnen sahen in dem Zwerg eine Hoffnung. Hoffnung für ein neues, besseres, Leben. „Dann habt ihr genug Gold, um Esgaroth zehn mal neu zu erbauen!", Thorins Stimme wurde wieder laut und von neuem zog er alle auf seine Seite. Bard stand mit tiefen Schulter und gesenktem Blick vor ihm. Der Seemensch kannte die Wahrheit und er wusste das es auch die Bürger wussten, doch er war der einzige der sie nicht verleugnete. „Warum sollten wir euren Worten glauben schenken?", fragte nun Alfrid von seinem Platz neben dem Bürgermeister, „wir wissen überhaupt nichts von euch! Wer hier bürgt für eure Redlichkeit?" Die Menge wurde still. Hier und da tuschelte man untereinander. Ein langer Moment verging, ehe eine leise Stimme sich meldete. „Ich bürge!", rief Bilbo aus und hob seine kleine Hand. Der Bürgermeister verengte die Augen und sah den Hobbit ungläubig an. „Ich bürge für ihn!", wiederholte Bilbo strenger und mit mehr Ausdruck. Thorin wand sich zu ihm um. „Ich bin schon sehr weit mit diesen Zwergen gereist. Durch große Gefahren und wenn Thorin Eichenschild sein Wort gibt, dann hält er es auch!" Thorin sah ihn dankbar an und nickte kurz, um ihn herum brach erneut Jubel aus. Bard sah sich hilfesuchend um. „Ihr alle!", rief er, „Hört mir zu. Ihr müsst zuhören!" Die Menschen verstummten. Bard starrte einen nach dem anderen an, als könne er sie nur so überzeugen. „Habt ihr vergessen, was mit Thal passiert ist? Habt ihr die vergessen, die ihr Leben ließen in dem Feuersturm?" Mehrere Protestrufe wurden laut, empört darüber wie Bard nur so etwas behaupten konnte. „Und wofür das alles? Für eines Bergkönigs blinden Ehrgeiz!", Bard wand sich nun wieder an Thorin, der wütend drein blickte. Ihm gefielen die Wiederworte des Seemenschen nicht, vor allem aber beleidigte er seinen Vater und Großvater! „So zerfressen von Gier, dass er nichts anderes als seinen eigenen Vorteil im Sinn hat!"
„Bitte! Bitte!", zum ersten Mal, meldete sich der Bürgermeister selbst zu Wort, „wir dürfen - und das gilt für uns alle — niemanden voreilig beschuldigen! Und vergessen wir auch nicht: Es war Girion, Fürst von Thal, euer Ahnherr, der die Bestie zu erlegen versäumt hat!" Spottend verzog der Mann den Mund, endlich eine Chance witternd Bard eines auszuwischen. „Wohl war Herr", stimmte Alfrid zu und nickte, „wir alle kennen die Geschichte! Pfeil um Pfeil hat er geschossen, jeder verfehlte sein Ziel!" Die Bürger nickten, auch diese Geschichte war ihnen bekannt. Bard schritt wütend auf Thorin zu, der nur gespannt zugehört hatte. „Ihr habt kein Recht", sagte er zu dem Zwerg und schüttelte den Kopf, „kein Recht, diesen Berg zu betreten!" Thorin erwiderte seinen Blick voller Trotz. Seine Mundwinkel hoben sich zu einem spöttischen Lächeln. „Ich allein, habe das Recht!"
Damit wand er sich ab und sah die Stufen empor. „Ich spreche zum Bürgermeister der Seestadt", langsam erklomm er die Treppe, „wollt ihr erleben, dass sich die Prophezeiung erfüllt? Wollt ihr teilhaben an dem großen Reichtum unseres Volkes?" Thorin wusste es bereits, die Gier stand dem Mann ins Gesicht geschrieben. Alle wurden still und erwarteten gespannt die Antwort des Bürgermeisters. „Was sagt ihr?"
„Ich sage zu euch -", er hob einen Finger und deutete auf Thorin, dabei ein schleimiges Grinsen auf den Lippen. Er breitete die Arme aus und rief unter dem schallenden Jubel aller Anwesenden: „Willkommen! Willkommen! Und drei mal willkommen! König unter dem Berge!"
Bard schloss ergeben die Augen.
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Fire Princess (Hobbit FF: Band 2)
FanfictionEndlich akzeptiert von den Zwergen und als geliebtes Mitglied der Gemeinschaft steht Ahvril nun vor einem neuen Problem. Längst vergessene Geschichten kommen wieder zum Vorschein und alte Freunde begegnen ihr auf dem Weg zum Erebor. Doch nicht nur F...
