Wir kommen im Lao an und ich verschließe die schwere Panzertüre hinter mir. Der ganze Raum ist in beige, auch die Wände. Es gibt ein Bett, eine Couch, einen Schreibtisch und einen Kühlschrank. Dieser Raum ist darauf ausgelegt, für einige Wochen überleben zu können. Da dies bei uns jetzt nicht der Fall ist, müssen wir uns auch keine Destillanzüge anziehen, die an einem Kleiderhaken hängen.
Liara sieht sich ein wenig um. Ich setze mich auf die Couch und lege meinen Kopf auf der Lehne ab.
„Fremanı harada öyrəndin", frage ich sie nach einigen Sekunden der Stille.
(Wo hast du fremisch gelernt)
Liara setzt sich neben mich auf die Couch, zieht ihre Beine ran und legt ihre Wange gegen das Polster.
„Özüm öyrətmişəm", antwortet sie.
(Ich habe es mir selbst beigebracht)
„Und woher kannst du sie?", sie streicht sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. „Ich auch", erwidere ich.
„Denkst du der Jägersucher hat was mit deinen Visionen zutun?", ich sehe sie fragend an. Sie nickt gedankenverloren und sieht auf den Boden. Doch dann fängt sie sich wieder und blickt mich an. „Ich denke, dass bald Krieg kommt und ich denke, dass meine Prüfung auch naht."
„Hast du immer noch Angst, dass du sie nicht schaffst?", ich spiele mit dem Saum meines Oberteils. „Irgendwie schon aber irgendwie auch nicht", sagt sie. „Es fühlt sich komisch an".
Sie steht auf, stellt sich vor mich, dann sehe ich nur ihre Lippen bewegen, weil sie die Stimme nutzt und auf einmal stehe ich auch.
„Komm, wir üben die Stimme", sagt sie. Sie geht einen Schritt zurück. „Bring mich dazu, dir das Kissen zu bringen", sagt sie und zeigt auf das Kissen, das auf der Couch liegt.
Ich atme einmal tief ein und aus und dann schließe ich kurz meine Augen. Konzentriere mich voll und ganz auf das Kissen und auf Liara.
„Bring mir das Kissen", befehle ich nachdem ich die Augen geöffnet habe. Doch Liara bewegt sich kein Stück.
Sie greift nach meinem Arm und zieht meinen Ärmel hoch. „Du brauchst eine Gänsehaut, Paul", sagt sie und streicht darüber. „Konzentrier dich nochmal", sie lässt meinen Arm nicht los.
Also schließe ich erneut meine Augen, konzentriere mich voll und ganz auf sie und das Kissen, bis ich plötzlich eine Gänsehaut bekomme.
„Bring mir das Kissen", befehle ich erneut und dann geht Liara auf die Couch resigniert zu, und bringt mir das Kissen.
Als sie wieder ihre Fassung bekommt und sieht, dass es geklappt hat, strahlt sie mich an.
„Perfekt, du hast es zu 100% geschafft", sagt sie.
Ich lächle zurück. Ich verstehe nicht, wieso es erst geklappt hat, während sie mich berührt hat. Aber diesmal wenigstens komplett. Bei meiner Mutter habe ich es immer nur fast geschafft, sie war immer noch bei Klarem verstand. Aber Liara kann die Stimme besser als meine Mutter, also macht das alles gar keinen Sinn.
Die Strähne, die sich Liara vorhin hinter ihr Ohr gesteckt hat, ist wieder nach vorne gefallen und ich kann meinem Drang nicht wiederstehen, meine Hand zu heben, und sanft mit meinem Finger die Strähne an ihrem Gesicht nachzufahren und sie vorsichtig zurück zu stecken. Raum und Zeit spielen gerade keine Rolle.
Liara beobachtet mir, während ich das tue. Aber anstatt meine Hand wieder wegzunehmen, verweile ich mit ihr an ihrem Nacken für einige Minuten.
Liara kommt mir einen kleinen Schritt näher. Sie ist mir jetzt so nahe, dass ich ihren Duft riechen kann.
Ich höre mein Herz schlagen und ihres ebenfalls.
Auch ich komme ihr ein kleines Stückchen näher, doch dann hören wir von Außen die Panzertüre aufschließen.
Wir entfernen uns voneinander und gehen einen Schritt zurück, da stehen schon unsere Mütter im Lao.
„Liara. Paul.", sagt Harah und hat einen leicht panischen Blick im Gesicht.
„Die Bene Gesserit Schwester ist da. Liara hat ihre Prüfung."
Ich sehe zu Liara und treffe sofort auf ihren Blick. In ihren Augen spiegelt sich Panik und Angst.
„Kommt", Harah und meine Mutter drehen sich wieder um und gehen.
Ich sehe erneut zu Liara und sie hat ihren Blick nicht von mir abgewandt.
Ihre Atmung geht schnell und ihr Dekolleté hat rote Flecken gebildet.
„Paul", haucht sie ängstlich. Doch ich kann ihr die Angst nicht nehmen. Um ehrlich zu sein, habe ich auch Angst, dass sie es nicht schafft. Was ist wenn sie stirbt? Was ist wenn ich sie gerade erst gefunden habe und schon wieder verlieren würde? Ich brauche Liara um zu verstehen, was hier passiert.
Also tue ich das einzige, was ich für sie und für mich tun kann.
Ich greife nach ihrer Hand und verschränke unsere Finger ineinander.
Liara drückt meine Hand und sieht mich dankbar mit ihren grünen Augen an.
Ich versuche ihr zu zeigen, dass ich daran glaube, dass sie es schafft.
Wir gehen hinter unseren Müttern durch die Gänge. Das Schloss ist leise. Keiner bekommt etwas mit.
Als wir vor der Tür des Saals, indem Liara geprüft wird stehen, lässt meine Mutter uns alleine.
Harah kommt auf uns zu und drückt ihre Tochter, flüstert ihr irgendetwas ins Ohr. Dann geht auch sie und wir sind alleine.
Liara sieht mich an und drückt sich dann nach kurzer Überlegung an mich. Ich lege meine Arme um ihren Rücken und meinen Kopf auf ihren.
„Unutmayın, qorxu ağlın ölümüdür", flüstere ich zu.
(Denke daran, Angst ist der Tod des Verstandes)
Liara entfernt sich von mir und nickt entschlossen. Sie hat wieder Mut. „Viel Glück", sage ich noch, dann lasse ich von ihr ab und sie geht auf die Tür zu.
Ich setze mich auf den Stuhl neben der Tür. Die Tür ist nicht ganz zu. Ich höre die Gesserit Schwester die selben Worte zu Liara sagen, die sie zu mir gesagt hat.
„Entferne deine Hand aus der Box und du stirbst".
Und was ich danach höre, schmerzt mir noch mehr, als meine eigene Prüfung.
Liaras schmerzerfüllten Schreie, die den ganzen Gang nachhallen.
Meine Kapitel sind immer so ca 1000 Wörter lang. Würdet ihr euch lieber wünschen, dass ich kürzere mache aber dafür öfter Update oder es so zu lassen? Oder längere aber dafür seltener Updates :)
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Dunes chosen
FanfictionDas Mädchen, welches Paul in seinen Träumen verfolgt, hilft ihm den Wüstenplanet und seine Bevölkerung zu retten. Doch es verbindet sie mehr als nur höhere Mächte.
