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Man hört das leise Plätschern des Wassers.
„Denkst du die Fremen wissen von hier?", frage ich Liara die sich auf dem Rücken treiben lässt.
„Nein. Hier kommen sie doch nicht rein", sagt sie selbstsicher und starrt auf die Lichterdecke.
Ich treibe auf dem Wasser und genieße jede Sekunde.
„Aber wenn sie davon wüssten, hätten sie mehr Wasser", sage ich. Sie macht sich wieder gerade und sieht mich an. „Paul, die Sietches sind über dem Wasser hier. Um hier rein zu kommen, müssten sie die Steinmauer aufbrechen und dann würde alles zusammenbrechen", macht sie mir klar. „Dann ist dieser Ort hier kaputt."

Sie hat recht. „Aber wie sind wir denn hier rein gekommen?", frage ich ungeduldig und schwimme um sie herum. „Paul, ich kann so viel mehr als du denkst", verrät sie mir und ich bleibe vor ihr schwimmen.
„Ich kann kaputte Dinge reparieren. Ich kann durch Gedanken sprechen. Ich kann Wunden heilen. Ich kann von einem Ort zum anderen kommen", mit offenem Mund stehe ich da. „A-aber warum machst du das nicht ständig?", frage ich verwirrt. Wenn ich all diese Sachen könnte, ich weiß nicht wo ich anfangen würde.

„Weißt du, wenn das jemand mitbekommen würde, dann hätte ich kein eigenes Leben mehr. Dann würde man mich wahrscheinlich einsperren und dazu bringen, jeden Menschen zu helfen."
Ich verstehe. Und sie hat absolut recht. „Und was sagt deine Mutter dazu?", sage ich. Liara taucht einmal unter und streicht sich die nassen Haare hinter die Ohren.

„Meine Mutter weiß das nicht", sagt sie ruhig. Ich runzle die Stirn. „Wer weiß es denn sonst?"

„Wir beide."

Wir laufen leise und triefend zurück in unser Zimmer.
„Ich brauche unbedingt trockene Sachen", sagt Liara und holt uns beiden trockene Klamotten aus dem Schrank. Sie geht mit ihren ins Bad und zieht sich dort um. Ich tue es hier. Es ist jetzt fast fünf Uhr in der Früh und man kann schon ganz leicht an den Decken erkennen, dass die Sonne bald aufgeht. Die Decken werden dann etwas heller.

Ich lege mich zurück in mein Bett. Kurz darauf kommt auch schon Liara aus dem Badezimmer und ihr Blick fällt gleich auf mich. „Oh nein. Du schläfst jetzt nicht ein", schimpft sie spielerisch und setzt sich auf mein Bett, direkt neben meinem Bauch. Ich rutsche etwas hoch und setze mich auf. „Vorhin hast du mich nicht schlafen lassen", grinst sie. „Jetzt lasse ich dich nicht schlafen."

„Bist du nicht froh, dass wir die Höhle gefunden haben?"

Liara grinst weiter und rutscht etwas näher zu mir. „Natürlich bin ich froh. Das war wahrscheinlich das Schönste, was ich jemals gesehen habe", sie nimmt meine Hand und spielt mit meinen Fingern. Jede Berührung von ihr versetzt in mir etwas. Das beste Gefühl der Welt.

Ich sehe auf ihr Schlüsselbein. Und dann fällt mir erst auf, dass sie eine Kette trägt. Ich lehne mich etwas vor und betrachte den kleinen Anhänger. „Woher hast du die?", frage ich sie. Der Anhänger ist ein kleiner Stein indem ein M und ein G eingeritzt ist. „Eine Fremin hat sie mir heute geschenkt", antwortet sie mir. Sie verschränkt ihre Finger mit meinen. „Messias und Gallini", sagt sie leise. Ich kann ihr Herz rasen sehen, so nah bin ich an ihrer Brust.

„Paul und Liara", hauche ich. Ich sehe zu ihr hoch und kann ihr kleines Lächeln erkennen. „Sie ist schön", sage ich über die Kette und streichle über ihre Haut. Mein Herz erwärmt es, dass sie sie trägt.

„Paul, was genau ist unser Plan jetzt hier?"

Die Frage ist gut. Denn die Antwort dafür wüsste ich auch gerne. Ich denke nur an die Worte von Lieg Kynes. Und an die meines Vaters, dass er Frieden bei den Fremen erzeugen will. Aber jetzt, wo die Harkonnen ihn getötet haben und jetzt wieder Arrakis um das Spice ausbeuten, weiß ich auch nicht was ich tun soll.

Ich kann doch nicht jeden einzelnen Harkonnen töten? Wie soll ich denn bitte Frieden herstellen?

„Ich weiß es noch nicht", gebe ich zu und streichle gedankenverloren über ihren Handrücken. „Später müssen wir auf jeden Fall Javier finden. Und der muss uns dann einfach ein paar Antworten geben. Wie die Bestimmung denn ist, die sie denken, die Messias und Gallini erfüllen sollen."

Liara stimmt mir zu und gähnt. Sie legt ihren Kopf auf meine Brust aber lässt meine Hand nicht los. „Vielleicht sollten wir doch noch ein paar Stunden schlafen", meint sie müde und ich muss leicht lachen. „Ja, das sollten wir."

Und so sind wir gemeinsam auf meinem schmalen Bett nochmal eingeschlafen.

Dunes chosenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt