Kapitel 40 - Nacht der Sternschnuppen

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Finn

"Vielleicht haben wir ja heute Glück und sie haben etwas herausgefunden" versuchte Rose mich aufzumuntern. Hand in Hand standen wir vor der Kommandozentrale, wie jeden Morgen, seit Rey verschwunden war. Erst wenn ich mich auf den neuesten Kenntnisstand gebracht hatte, fühlte ich mich überhaupt in der Lage dazu etwas zu essen oder meinen Aufgaben nachzugehen. Am Anfang war ich noch voller Hoffnung gewesen, aber sie schwand von Tag zu Tag mehr. Meine beste Freundin war wie vom Erdboden verschluckt, genauso wie Kylo Ren. Wenn ich nicht auf Poe gehört und einfach dieses Monster erschossen hätte, wäre das alles nie passiert. Stattdessen hatte er es irgendwie geschafft zu fliehen und dabei auch noch Rey entführt. Wahrscheinlich war das die ganze Zeit Kylo Rens Plan gewesen. Wieso sonst hätte er sich freiwillig dem Widerstand ausliefern sollen? Allein bei dem Gedanken, was er ihr vermutlich gerade antat, wurde mir schlecht.
"Ja, vielleicht" antwortete ich resigniert und öffnete die Tür. Poe unterhielt sich mit Connix und ein paar anderen hochrangigen Mitgliedern. Sie standen um einen größeren Tisch herum, auf dem mehrere Aufzeichnungen lagen. Als Poe uns bemerkte, hob er seinen Kopf und warf mir einen bedauernden Blick zu. Mehr brauchte ich nicht, um zu wissen, dass sie wieder einmal erfolglos gewesen waren. Sie hatten nichts Neues herausgefunden, gar nichts. Ich wäre am liebsten aus der Kommandozentrale gestürmt, aber Rose hielt mich zurück.
"Es tut mir leid, aber wir sind genauso schlau, wie am Anfang" sagte Poe niedergeschlagen, während er sich uns näherte.
"Es gibt keine Kameraaufnahmen von der Nacht oder sonst irgendwelche Hinweise. Ich würde ja einen Suchtrupp losschicken, aber wohin? Das Einzige, was wir wissen ist, mit welchem Schiff sie unterwegs sind. Aber das kann sich inzwischen schon wieder geändert haben. Ich weiß nicht mehr weiter."
"Ich auch nicht. Aber was ich weiß ist, dass meine beste Freundin seit drei Tagen verschwunden ist. Sie ist schwanger, verdammt! Wenn ihr irgendetwas passiert..." fuhr ich unseren General wütend an. Es war weder richtig noch fair, dass ich meine Emotionen an ihm raus ließ. Von uns allen war Poe derjenige, der mit Abstand am wenigsten Schlaf in den letzten Tagen bekommen hatte. Reys Verschwinden war nicht die einzige Neuigkeit, mit der wir uns befassen mussten. Die Chiss hatten ihre Truppen abgezogen und damit den Krieg gegen die Erste Ordnung für beendet erklärt. Einer der Ritter von Ren war der neue Oberste Anführer der Ersten Ordnung, was bedeutete, dass Kylo Ren Rey nicht dorthin verschleppt hatte. Allgemein schien er bei seiner früheren Organisation nicht mehr erwünscht zu sein. General Hux höchstpersönlich hatte erst gestern in einer offiziellen Videoansprache verkündet, dass sie ein Kopfgeld auf ihren früheren Anführer und Rey aussetzten. Wir mussten sie unbedingt vor ihnen finden.
"Das ist mir sehr wohl bewusst, Finn! Denkst du etwa, ich mache mir keine Sorgen?" entgegnete mein Freund aufgebracht. Eine unangenehme Stille entstand, die Rose zum Glück unterbrach.
"Habt ihr schon Reys Quartier durchsucht?"
"Ja schon längst, aber da haben wir auch keine Hinweise gefunden" antwortete ihr Poe. Mir reichte es jetzt endgültig. Wie lange wollten wir noch warten? Es war höchste Zeit, zu handeln.
"Na schön, dann fliege ich jetzt eben auf eigene Faust los und suche Rey."
"Wo willst du denn hin? Finn, dieses Vorhaben ist äußerst leichtsinnig und viel zu riskant. Bitte, tu das nicht!" flehte Rose und hinderte mich abermals daran zu gehen. Ich wollte gerade etwas erwidern, als C-3PO in die Kommandozentrale gelaufen kam. Der goldene Protokolldroide rief hysterisch nach seinem besten Freund, dem Astromech R2-D2, und machte dabei hektische Bewegungen mit seinen Armen.
"Master Poe, haben Sie Erzwo endlich gefunden?"
"Nein, leider nicht Dreipeo" entgegnete Poe, was den Droiden nur noch mehr jammern ließ. Auch das noch.
"Mein armer, kleiner Freund. Wo bist du nur?" klagte C-3PO, bevor er mit gesenkten Kopf davon ging.
"Warte mal kurz...Erzwo ist auch verschwunden?" fragte ich verwundert. Das war mir neu. Poe nickte nur.
"Es wird immer bizarrer. Jetzt klaut Kylo Ren sogar schon unsere Droiden" sagte ich verwirrt.
"Vielleicht hat Erzwo uns ein Signal gesendet, womit wir ihn orten können. So könnten wir gleichzeitig auch Reys Standort ausfindig machen!" schlug Rose enthusiastisch vor. Was hatte ich doch für eine schlaue Freundin.
"Einen Versuch ist es wert" willigte Poe ein und beauftragte Connix sofort damit, nach möglichen Signalen zu suchen.
"Tut mir leid, aber ich finde absolut nichts" machte Poes Stellvertreterin nach wenigen Minuten unsere kurzzeitige Hoffnung zunichte.
"General, Finn, Rose, können wir kurz reden? Allein?" setzte sie hinterher, woraufhin Poe alle anderen Mitglieder aus dem Raum schickte. Verblüfft schauten wir zu Connix. Was konnte so wichtig sein, dass nur wir davon wissen durften?
"Ich habe in den letzten Tagen viel nachgedacht und mich lässt eine Sache einfach nicht los. Rey war regelrecht verzweifelt, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Ich meine klar, sie ist jung und die Situation ist auch nicht gerade ideal. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, das mehr dahinter steckt. Sie wollte weder mir noch Finn verraten, wer der Vater ist. Und dann ist Kylo Ren plötzlich bei unserer Basis aufgekreuzt und-"
"Was willst du damit sagen?" stoppte Poe sie in ihrem Redefluss.
"Wäre es nicht möglich, dass...Kylo Ren der Vater des Kindes ist?" äußerte Connix vorsichtig ihre Vermutung, die Poe in Gelächter ausbrechen ließ. Mir dagegen war gar nicht mehr zum Lachen zumute. Rey hatte oft die Basis ohne eine Erklärung verlassen. Ich erinnerte mich daran, dass ich sie sogar einmal auf Naboo abgeholt hatte. Dazu kam ihr sonderbares Verhalten in der letzten Zeit. Sie hatte auf mich schon länger den Eindruck gemacht, als würde sie etwas belasten. Aber ich dachte, Rey würde sich mir irgendwann anvertrauen, wenn sie bereit dafür war.
"Du hast echt eine blühende Fantasie, Connix. Das ist völlig absurd!" lachte Poe, verstummte aber schnell, als er unsere Reaktionen bemerkte.
"Kommt schon, Leute! Wann soll das denn bitte passiert sein? Rey war doch die ganze Zeit bei uns. Wir hätten es gemerkt, wir..."
"Nein, war sie nicht. Selbst auf unseren gemeinsamen Missionen ist Rey öfter mal verschwunden. Wir waren viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt, um es zu bemerken!" fiel ich ihm ins Wort.
"Du meinst, immer wenn sie weg war, hat sie sich mit Kylo Ren getroffen? Aber wieso sollte sie das tun?" fragte mich Rose besorgt.
"Er hat sie bestimmt manipuliert. Rey ist zwar stark und hat ihn mehrere Male besiegt, aber Ren hat ihr trotzdem mehrere Jahre Training in der Macht voraus. Er kennt bestimmt Wege, von denen Rey oder wir nicht einmal etwas ahnen. Ich glaube kaum, dass sie freiwillig seine Gesellschaft sucht" schilderte ich meinen Freunden meinen Verdacht. Alle sahen mich fassungslos an und versuchten diese Neuigkeiten zu verarbeiten. Es war ein einziger Schock. Was waren wir bitte für schlechte Freunde?
"Und wenn das alles wahr ist und er wirklich der Vater von Reys Kind ist, dann...Wir müssen davon ausgehen, dass er sie vergewaltigt hat" fügte ich noch hinzu. Ich wollte gar nicht daran denken, was er Rey alles angetan hatte in den letzten Monaten. Wie konnte uns so etwas nur entgehen?
"Es passt alles zusammen. Wieso sonst hätte er sich freiwillig dem Widerstand ausliefern sollen? Kylo Ren hatte bestimmt von Anfang an geplant Rey zu entführen" stimmte mir Connix mit zitternder Stimme zu.
Rasend vor Wut schlug Poe mehrere Male auf den Tisch vor uns ein.
"Dieser Bastard! Ich werde ihn eigenhändig zur Strecke bringen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe!" schrie er. Wir versuchten ihn zu beruhigen, aber wir waren selber mit den Nerven am Ende. Rose brach in Tränen aus.
"Ich glaube, ich brauche frische Luft. Oh Gott, die arme Rey!" sagte sie bestürzt, ehe sie die Kommandozentrale verließ. Normalerweise wäre ich meiner Freundin sofort hinterher geeilt, aber ich hatte gerade absolut keine Kraft dafür. Connix schien das auch zu bemerken, denn sie folgte Rose sogleich. Jetzt waren nur noch Poe und ich übrig. Ich war nicht in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Bis auf einen.
"Was machen wir jetzt?" Fragend sah ich zu ihm herüber. Er hatte normalerweise immer einen Plan oder wenigstens eine zündende Idee. Poe war derjenige, der uns jedes Mal aufs Neue motivierte für unsere Ziele zu kämpfen, selbst wenn sie unerreichbar schienen. Doch zum ersten Mal, seit ich ihn kannte, sah er total ratlos aus.
"Ich weiß es nicht."

His Light in the DarknessGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt