Kapitel 24 - Prophezeihung

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Revan

Naboo empfing mich mit einem sternerfüllten Himmel. Wenn Ben sich hier nicht aufhielt, dann wusste ich auch nicht mehr weiter. Ich hatte davor schon unzählige Planeten angeflogen, doch nirgendwo gab es auch nur die geringste Spur von ihm. Ich erinnerte mich daran, dass Ben mir einmal von einem großen Haus auf Naboo erzählte, dass er früher öfters mit seiner Mutter besucht hatte. Vielleicht war er ja dort.
Ich drehte einige Runden über dem Planeten, in der Hoffnung, ein Signal zu finden. Vorsorglich wie ich war, hatte ich vor ein paar Wochen einen Peilsender an seinem Schiff angebracht. Ich wusste, dass es ein tiefer Vertrauensbruch war. Wahrscheinlich würde er mir das nie verzeihen, sobald er davon wusste. Aber mir war keine andere Wahl geblieben. Ich konnte nicht auf ihn aufpassen, wenn er sich ständig vor mir verschloss. Mir nicht sagte, wohin er ging oder was er vorhatte. Kylo hatte mehr Feinde, als Freunde bei der Ersten Ordnung und ich musste sichergehen, dass er wohlbehalten zurückkehren würde, wo auch immer er hin ging. Das war meine Pflicht als sein bester Freund, egal wie oft er versuchte mich von sich zu stoßen. Ich würde ihn immer beschützen, weil er dasselbe tat. Er tat es schon bei unserer ersten Begegnung vor so vielen Jahren.

Der Tag, als ich an der Akademie ankam, war einer der schrecklichsten meines Lebens. Meine Beine waren vollkommen am Ende vom vielen Rennen, mein Hals vollkommen ausgetrocknet, mein Haar durcheinander und verfilzt. Ich musste furchtbar ausgesehen haben, als ich mühsam die steinernen Stufen erklomm, an deren Ende mich ein großer Tempel und ein schockiert aussehender Junge erwartet hatten. Dieser hatte sofort nach einem gewissen Meister Skywalker gerufen und mich vorsichtig hinein geführt. Er schien im selben Alter wie ich zu sein. Vielleicht schon 13? 14?
Kaum waren wir eingetreten kam ein Mann mittleren Alters uns entgegen geeilt. Sein blondes Haar enthielt bereits ein paar graue Strähnen. Doch was mir bedeutend mehr ins Auge fiel war der Lichtschwertgriff, der an seinem Gürtel hing. Träumte ich? Ich hatte zwar viele Geschichten über die Jedis gehört, aber da ich noch nie einem begegnet war hatte ich sie schnell für Märchen abgestempelt. Bis jetzt, denn der Mann und dieser Tempel vor mir waren der unwiderlegbare Beweis dafür, dass ich die ganze Zeit über falsch lag.
"Oh mein Gott Ben! Wer ist das?"
"Ich habe keine Ahnung Onkel. Ich wollte gerade rein gehen, da kam er die Stufen hinauf geklettert." antwortete der Junge neben mir und verfestigte seinen Griff um meine Schultern, als ich anfing zu zittern. Teils vor Erschöpfung, teils aus Angst vor dem was nun kommen würde. Seit ich aus den Minen von Bandomeer geflohen war, war es mein einziges Ziel gewesen irgendwo einen Unterschlupf zu finden. Tagelang hatten mich Arcanos Truppen verfolgt, bis es mir gelungen war sie im Corellia System abzuschütteln. Danach war ich ziellos mit einem geklauten Schiff umher geflogen, bis ich irgendwann hier gelandet war. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich darüber nachgedacht, was ich in so einem Fall tun würde.
Der unbekannte Mann beugte sich zu mir herunter und sah mich warmherzig an.
"Komm mit mein Junge. Du brauchst etwas zu essen und ein Bett. Ben, sag bitte den anderen Bescheid, dass der Unterricht heute Abend ausfällt." bat er seinen Neffen, welcher widerwillig nickte und sich auf den Weg machte, allerdings nicht bevor er mir noch einen neugierigen Blick zuwarf.
Sobald klar war, dass es einen Grund dafür gab, dass sich die Gegenstände in meiner Gegenwart urplötzlich bewegten, sobald klar war, dass ich nichts dagegen machen konnte, außer zu lernen wie man es kontrollierte, sobald klar war, dass ich Machtsensitiv war, drehte sich mein Leben ein weiteres Mal um hundert achtzig Grad. Ich hatte plötzlich ein neues Zuhause gefunden und zum ersten Mal seit Jahren konnte ich wieder ein glückliches, zufriedenes Kind sein. Auch wenn ich in den Nächten weiterhin keine Ruhe fand. Ihre Schreie brannten sich in meine Gedanken, in mein Herz. Erinnerten mich an die Schuld, die ich mit mir herum trug. Sie wurden nicht leiser, egal wie sehr ich mich ablenkte, egal wie sehr ich versuchte alles zu vergessen. Meistens ging ich nach draußen und setzte mich auf die Stufen, damit niemand etwas davon mit bekam. Der Ruf meiner kleinen Schwester nach mir lähmte meinen gesamten Körper und brachte ein Meer von Tränen hervor, was durch nichts und niemanden gestoppt werden konnte. Dachte ich. Es überraschte mich, dass es ausgerechnet Ben war, der nicht schlafen konnte. Der Sohn von Leia Organa und Han Solo. Der Neffe von dem berühmten Luke Skywalker, dem letzten Jedi. Allerdings begriff ich schnell, dass es genau das war was ihm zu schaffen machte. Der Druck zu dieser besonderen Familie zu gehören und sie nicht enttäuschen zu wollen. Er nahm mein Angebot an und zusammen saßen wir in dieser Stern erfüllten Nacht nebeneinander, bis die ersten Sonnenstrahlen auf unseren Gesichtern kitzelten.
"Ich heiße Ben. Und du?" fragte er mich.
"Revan." sagte ich und ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Davor hatte ich nicht gewusst, wie es war einen Freund zu haben. Mit Ben hatte ich den besten, zuverlässigsten und witzigsten Freund bekommen, den ich mir hätte vorstellen können. Deswegen verstand ich das Verhalten der restlichen Schüler ihm gegenüber umso weniger. Immer wieder wurde ich Zeuge von Lästereien, offenen Sticheleien und Beleidigungen. Ich sah ihn auch nie zusammen mit den anderen. Ben blieb bewusst für sich und trotzdem ließen sie ihn nicht in Ruhe. Aber nicht nur das beschäftigte meinen besten Freund. Er verkroch sich immer öfter in sein Zimmer, einmal hörte ich ihn sogar mit jemandem sprechen. Oder bildete ich mir das ein? Ich wusste es nicht.

His Light in the DarknessWo Geschichten leben. Entdecke jetzt