Kapitel 18 - Bestimmung

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Rey

Es hatte über zwei Wochen gedauert, aber dem Widerstand war es gelungen alle besetzten Dörfer zu befreien. Seit dem hatten wir nichts mehr von der Ersten Ordnung gehört, außer einige Ansprachen von General Hux, die durch alle Radiosender liefen. Keiner von uns konnte es mehr mit anhören, wie er die Leistungen seiner Armee lobte und einen blutigen Rückschlag versprach, als Reaktion auf die Befreiung. Doch in keine seiner Reden wurde er erwähnt. Er stellte ihn mit keinem Wort in den Vordergrund oder berief sich auf ihn. Dabei war er doch sein Befehlshaber. Vielleicht weil Hux in Wahrheit viel mehr Strippen im Hintergrund zog, als ich dachte? Vielleicht hatte er die Flotte wirklich nicht los geschickt. 'Nein, sei nicht so naiv Rey' rief ich mir ein weiteres Mal ins Gedächtnis. Genau deswegen wirst du jedes Mal aufs Neue enttäuscht. Er ist und bleibt der Oberste Anführer. Kein anderer in der Galaxis hat die Macht so etwas zu veranlassen.
"Rey? Worüber denkst du schon wieder nach?" Finn riss mich aus meinen Gedanken. Wir saßen zusammen beim Frühstück in der Kantine. Und so wie es aussah nur noch zu zweit.
"Wo sind die anderen hin?" Verwirrt schaute ich mich um. Doch ich konnte weit und breit niemand anderen ausmachen. Alle Stühle und Tische standen unbenutzt herum.
"Bist du in einem Paralleluniversum oder so? Sie sind alle bereits alle gegangen."
"Oh."
"Rey, ist alles in Ordnung mit dir? Du weißt, dass du mir alles sagen kannst." Der prüfende Blick meines besten Freundes war kaum zu ertragen und ich hatte alle Mühe damit, mir nichts anmerken zu lassen.
"Ja, aber es ist alles okay. Der Aufenthalt auf Dagobah und die Sache mit den Dörfern haben mich nur etwas überanstrengt. Trotzdem Danke für das Angebot." antwortete ich und Finn sah sichtlich erleichtert aus. Ob ich ihm wohl eines Tages alles erzählen könnte? Würde er mich danach immer noch in dem selben Licht sehen wie jetzt? Vermutlich nicht.
"Glaub mir das geht uns allen so. Aber wenigstens hast du dein Lichtschwert reparieren können." Das war so ziemlich das Einzige positive was in der letzten Zeit passiert war.
"Ja, das stimmt." sagte ich und machte mich daran den Überrest von dem grünen Brei vor mir zu essen. Wie so oft schmeckte es nach nichts, aber in unserer momentanen Situation dachte niemand daran, sich über das Essen zu beschweren. Es gab viel wichtigeres.
"Die Erste Ordnung hat glorreiche Arbeit geleistet und bald-"
"Schon wieder?" Finn nahm genervt sein Messer und durchtrennte damit blitzschnell eines der Kabel, welches zu dem über uns hängenden Lautsprecher führte. Jetzt war nur noch ein Knirschen zu hören.
"Du weißt schon das Poe ausrasten wird, wenn er das bemerkt oder?" mahnte ich und brachte meine Schüssel zu der Ablage, wo das schmutzige Geschirr gesammelt wurde. Das war nämlich nicht der erste Lautsprecher, den Finn zerstört hatte.
"Das ist mir völlig egal. Ich kann die Stimme von diesem orange haarigen Gartenzwerg langsam nicht mehr hören." Ich prustete los und lies dabei versehentlich die Schüssel fallen. Sie zersprang auf dem steinernen Fußboden.
"Orange haariger Gartenzwerg!" kicherte ich, während ich mühsam die Scherben aufsammelte. Einen besseren Namen hätte ich Hux nicht geben können.
"Na was denn? Ist doch so." lachte nun auch Finn und kniete sich neben mich, um mir zu helfen. Zusammen beseitigten und entsorgten wir schließlich die Scherben und machten uns dann auf den Weg in die Kommandozentrale. Bevor wir hinein gingen stoppte mich Finn allerdings kurz.
"Rey, es war schön dich mal wieder lachen zu sehen." Er erwartete keine Antwort, es war nur eine Bemerkung. Doch seine Worte verfolgten mich noch, als wir den Raum betraten und auch in dem Meeting selbst konnte ich an nichts anderes denken. Denn Finn hatte einen wunden Punkt getroffen. Ich wusste selbst nicht, wann ich das letzte Mal auch nur ansatzweise ein Lächeln auf den Lippen gehabt hatte. Ein echtes Lächeln. Nicht das was ich jeden Tag aufsetzte, damit die anderen keinen Verdacht davon schöpften, wie es wirklich in mir aussah.

Ein paar Tage später war dann schließlich der große Gegenangriff angesetzt, den Poe bereits auf Endor angefangen hatte zu planen. Unsere neue Station auf Aloga ermöglichte es uns ihn jetzt endlich in die Tat umzusetzen. Der Planet war fast vollständig mit Wasser überzogen, es gab nur ein paar wenige Inseln auf der Oberfläche. Allerdings hatten wir unterirdisch viele versteckte Schiffe der früheren Rebellion entdeckt und sie wieder in Takt gesetzt. Aber auch der Falke musste wieder auf Vordermann gebracht werden. Bei unserem letzten Einsatz in einem der Dörfer, hatte die eine Seite ziemlichen Schaden genommen. Chewie half mir fleißig, so dass wir bereits nach wenigen Stunden die letzten Handgriffe machten.
"Rey seid ihr fertig? Eure Staffel startet bald." Leutnant Connix, Poes Stellvertreterin, kam um die Ecke gelaufen. Sie hatte heute das Kommando über das Landen und Starten der Schiffe.
"Ich denke schon." Zufrieden zog ich die letzte Schraube fest und wollte gerade hinunter klettern, als....
Wo bist du?
Der dunkle Klang seiner Stimme ließ mich nach hinten taumeln. Für einen Moment vergaß ich alles und jeden um mich herum. Nur die eine Frage blieb. Wie war das möglich? Hatte ich in den letzten Tagen nicht hart genug trainiert? Hatte ich nicht alles dafür getan, um meine Gedanken, mich selbst abzuschirmen?
Geh aus meinem Kopf! befahl ich stumm durch die Weiten der Galaxis. Ich ertrug es ja nicht mal seine Stimme zu hören und wenn er sich mir jetzt voll und ganz zeigen würde, dann...Doch seine Präsenz war schon längst wieder verschwunden.
"Rey?" Ruckartig drehte ich mich zu der blondhaarigen Frau herum, wobei ich das Gleichgewicht verlor. Ich landete unsanft auf dem Boden. Wahrscheinlich hatte ich irgendwo ein Werkzeug herum liegen lassen und war auf demselben ausgerutscht.
"Oh Gott! Geht es dir gut?" Erschrocken rannte Connix zu mir und half mir aufzustehen.
"Es geht schon." winkte ich ab und rief nach Chewie. Ich wollte endlich los fliegen und dem ganzen hier entfliehen. Der Flug würde mich sicher ablenken.
"Das glaube ich kaum." sprach sie jedoch zu meiner Verwunderung und als ich ihren Augen folgte, sah ich auch warum. Meine Seite war durch die abrupte Bewegung wieder aufgerissen, dabei war sie in den letzten Wochen so gut verheilt.
"Ich fliege trotzdem. Es ist doch nichts schlimmes." beharrte ich, doch allein als ich den ersten Schritt gehen wollte musste ich einsehen, dass das Gegenteil der Fall war.
"Nein, dass kommt gar nicht in Frage. Ich bringe dich jetzt zur Medi Station. Chewie, Finn wird mit dir fliegen." empfing sie den gerade angekommenen Wookie und zog mich widerwillig mit. Was sollte ich da noch sagen? Sie war nach Poe schließlich die Ranghöchste dieser Organisation und ihrem Befehl nicht Folge zu leisten, würde keine guten Konsequenzen mit sich bringen.
Die Krankenstation lag nur ein paar Meter entfernt. Connix half mir dabei mich auf eine der breiten Liegen zu setzen und kramte dann in mehreren Schubfächern herum.
"Nein, Medi Droiden gibt es hier leider noch nicht. Doch wir arbeiten daran." beantwortete sie die Frage, welche mir auf der Zunge lag. War ich so leicht durchschaubar? Sie kam mit einer Reihe von Verbänden in ihren Händen zurück und setzte sich neben mich. Sorgsam desinfizierte und verband sie schnell die betroffene Stelle mit ihren geschickten Händen. Es wirkte so als würde sie es tagtäglich tun.
"Bist du öfter hier?"
"Wenn ich nicht gerade auf der Brücke bin oder einen Angriff leite, dann ja. Ich habe lange bevor ich zu dem Widerstand gekommen bin in einer ärztlichen Abteilung gearbeitet." erklärte sie mir und befestigte den Verband vorsichtig mit ein paar dünnen Fäden in meiner Haut. Ich war immer wieder aufs Neue erstaunt darüber, wie sehr sich die Vergangenheit der einzelnen Mitglieder unterschied. Da gab es Leute wie Connix, die sich bewusst für das hier entschieden hatten. Und wiederum andere wie Finn und mich, die irgendwie in die Sache hinein gestolpert waren. Stärker als je zuvor bedauerte ich es, dass ich Jakku den Rücken zugewendet hatte. In diesem Moment dort zu sein war gewiss keine schöne Vorstellung, aber hier zu sein war noch um einiges schlimmer.
"Rey?" Verwirrt blinzelte ich die Frau neben mir an.
"Ich hab dich gerade gefragt, ob du Schmerzmittel haben willst."
"Ähm nein..es geht schon." Sie seufzte kurz und sah mir dann fest in die Augen.
"Okay...hör zu, ich weiß wir kennen uns kaum, aber selbst ich sehe, dass dir irgendetwas auf dem Herzen liegt. Ich bin ein guter Zuhörer." Sie drückte leicht meine Hand. Sollte ich mich ihr anvertrauen? Connix war neutral, sie würde nicht alles hinterfragen oder mich verurteilen.
"Ich habe mich mit jemanden gestritten und die Person für etwas beschuldigt. Aber mittlerweile weiß ich nicht mehr, ob das richtig war." faste ich meine Lage kurz zusammen. Hux Ansprachen hatten mich zunehmend verunsichert.
"Dann solltet ihr nochmal miteinander sprechen. Deine Zweifel sind ein eindeutiges Zeichen dafür, dass da noch etwas ist." riet sie mir, doch ich schüttelte sofort den Kopf.
"Nein, das geht nicht...es ist kompliziert." Ich blockte schließlich seit Tagen seine Versuche mit mir Kontakt aufzunehmen. Oder versuchte es zumindest. Vorhin hatte es ja nicht sonderlich gut funktioniert.
"Rey, du wirst es bereuen, wenn du es nicht tust. Glaub mir, rede lieber rechtzeitig mit demjenigen, bevor es zu spät ist. Es herrscht Krieg." sagte sie ungewöhnlich ernst und starrte ins Leere. So ein Verhalten kannte ich von Connix gar nicht.
"Ist alles in Ordnung?" Hatte ich etwas falsches gesagt? Wusste sie wen ich meinte? Nein, dass war nicht möglich. Aber was war es dann?
"Ja" sprach sie kurz angebunden und verließ mit schnellen Schritten das Krankenzimmer, als ihr Komlink einen piepsenden Ton von sich gab.
"Ich werde gebraucht. Bis später und ruh dich aus." wies sie mich an, dann war sie verschwunden. Irgendetwas sagte mir das da mehr war als Connix zugab. Ich musste unbedingt nochmal mit ihr reden und der Sache auf den Grund gehen. So wie sie für mich gerade da gewesen war, wollte ich für sie da sein.

His Light in the DarknessGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt