Revan
Ich hatte kaum einen Schritt vor die Tür meines Quartieres gesetzt, da wurde ich auch schon von der orangehaarigen Nervensäge ausgefragt. Zum Glück hatte ich noch daran gedacht meinen Helm anzulegen, bevor ich das Zimmer verließ. So konnte er wenigstens die Abneigung, die ich ihm entgegen brachte, auf meinem Gesicht nicht erkennen.
"Haben Sie zufälligerweise etwas vom Obersten Anführer gehört?"
"Bedauere General, aber nein. Habe ich nicht. Wenn Sie mich dann bitte durch lassen würden." versuchte ich möglichst höflich zu sagen, doch er trat kein Stückchen beiseite. Ich verfluchte Kylo in diesem Moment in Grund und Boden. Er war mittlerweile seit einem Tag verschwunden. Niemand wusste wo er abgeblieben war und ich durfte das ausbaden. Außerdem machte ich mir furchtbare Sorgen, um meinen besten Freund. Auch wenn unser Verhältnis momentan alles anderes als gut war, gab er mir immer Bescheid, wenn er sich mal eine Auszeit nahm. Schließlich musste geregelt werden, welche Aufgaben ich in dieser Zeit übernahm. Doch dieses Mal war er einfach so abgehauen. Das sah ihm gar nicht ähnlich.
"Sie sollten sich anstrengen, ansonsten sehe ich mich gezwungen jemand anderen-"
"Wen hat Kylo zum Stellvertreter ernannt? Mich oder Sie?" Hux Muskel über seiner Schläfe zuckte gefährlich und seine geballten Fäuste waren ein weiteres Anzeichen dafür, dass er kurz vor einem Wutanfall stand. Ich hätte ihn liebend gern noch weiter provoziert, aber es gab wichtigeres. Ich musste meinen besten Freund finden. Was wenn er in Schwierigkeiten war? Seit dem Tod von Snoke verhielt er sich seltsam. Lange hatte ich geglaubt, dass sein früherer Meister der Grund dafür war, aber mittlerweile wusste ich, dass ihn die ganze Sache kalt ließ. Es musste etwas anderes dahinter stecken.
"Damit wäre das wohl geklärt. Wenn Sie mich entschuldigen würden, ich werde bei einem Meeting erwartet." Ohne ihm die Gelegenheit zu geben noch etwas erwidern zu können drängte ich mich an ihm vorbei. Sobald ich außer Sichtweise des Generals war, änderte ich jedoch meinen Kurs. Es fand natürlich kein Meeting statt und ich war auch nicht auf dem Weg zu den Konferenzräumen, sondern zu Kylos Quartier. Vielleicht fand ich ja dort eine Antwort für sein plötzliches verschwinden. Das war mein einziger Anhaltspunkt.Nachdem ich den geheimen Code eingegeben hatte, schloss ich schnell die Tür hinter mir. Neulich hatte ich Kylo heimlich dabei beobachtet, wie er die Zahlenkombination eingegeben hatte und im Gegensatz zu vielen anderen hier wollte ich ihm einfach nur helfen. Ich würde niemals in seinen persönlichen Sachen rum schnüffeln, außer es war zwingend notwendig. Und so ein Fall war gerade eingetreten. Also begann ich sein Zimmer zu durchsuchen. Angefangen bei den Schubladen an dem langen schwarzen Tisch, gegenüber von seinem Bett. Doch ich fand nichts. Rein gar nichts, selbst als ich eine halbe Stunde später das komplette Zimmer auf den Kopf gestellt hatte. Frustriert stellte ich wieder alles an seinen Platz und stapfte hinaus. In meiner Wut übersah ich den Tisch und stieß ihn um. Mehrere Schubladen fielen heraus und ihr Inhalt verteilte sich großzügig über dem spiegelglatten, schwarzen Boden.
"Das kann doch jetzt nicht wahr sein." fluchte ich leise vor mich hin und sammelte mühselig alles auf. Ich konnte nur bitter hoffen, dass das gerade niemand mit bekommen hatte. General Hux würde ich es sogar zutrauen, dass er in diesem Moment vor der Tür stand und heimlich lauschte. Es grenzte an ein Wunder, dass Kylo es überhaupt mit ihm aushielt. Als ich die letzten Gegenstände aufsammelte, erregte etwas meine Aufmerksamkeit. Es war ein alter Holoprojektor. Vorsichtig nahm ich denselben in beide Hände und probierte ihn anzuschalten. Nach einigen Versuchen traten ruckartig blaue Strahlen hervor, die ein verwackeltes Bild ergaben. Langsam fügten sich die einzelnen Bildpunkte zusammen und zeigten mir...den alten Thronsaal.Kylo kniete auf dem kalten Felsen vor Snoke. Dessen ausgezerrte Gestalt thronte mehrere Meter über dem jungen Mann.
"Unsere Mission auf Chandrilla verläuft ganz in unserem Interesse, Meister." ergriff Kylo das Wort und senkte seinen Kopf.
"Deswegen habe ich dich nicht zu mir gerufen, mein Schüler." Snokes dunkles Lachen hallte durch den verlassenen, dunklen Thronsaal. Kylo hielt seinen Blick weiterhin nach unten gerichtet und versuchte die Panik, die in ihm aufkam zu zügeln.
"General Hux hat mir da etwas interessantes berichtet. Kurz bevor du den Raum betreten hast." Kylos ganzer Körper spannte sich an, doch ansonsten ließ er sich nichts anmerken. Er zeigte keine Reaktion darauf, dass er gerade aufgeflogen war. Ihm war klar gewesen, dass dieser nervige General die erst beste Gelegenheit ergreifen würde, um ihn vor seinem Meister schlecht da stehen zu lassen. Doch dieses Risiko war er bereit gewesen einzugehen.
"Ich weiß nicht wovon ihr sprecht." erwiderte er tonlos und sah fest in die mit Schatten umrandeten Augen der Kreatur.
"Der mächtige Kylo Ren." lächelte Snoke hämisch und erhob sich schwer fällig von dem Thron, der so alt war wie er selbst.
"Deine Augen verraten dich. So viel Angst. Wut. Zorn. Zorn auf deine Eltern, die dich nie geliebt haben. Zorn auf den General, den du am liebsten eigenhändig töten würdest. Zorn auf mich, deinen Meister. Der dir so viel gibt." sprach Snoke und blieb ein paar Meter vor Kylos zusammen gesunkener Gestalt stehen.
"Nein, nein ihr versteht das falsch Meister ich-" wendete der Schwarzhaarige ein und hob abwehrend die Hände. Seine Stimme brach sofort ab, als Snoke gewaltsam seine Atemwege zusammen drückte. Er hatte nicht mal einen Finger gerührt und sein Schüler griff sich, nach Luft ringend, an seinen Hals.
"Du liegst vollkommen richtig. Ich war es! Ich war derjenige der den Befehl gegeben hat die Bomben direkt in das Lager der Ritter zu deponieren!" schrie Snoke und löste seinen harten Griff. Kylo fiel hustend auf den felsigen Untergrund, doch er rappelte sich sofort wieder auf. Die Blöße ihn am Boden zu sehen wollte er dem Obersten Anführer nicht geben.
"Sieh dich nur an. Ein Kind mit einer Maske, dass seinen besten Freund beschützen will. Wie herzzerreißend."
"Lasst ihn gehen. Er ist nur meinetwegen hier. Er hat mit dem ganzen nichts zu tun." flehte Kylo ihn an und sank erneut hinunter auf seine Knie. Er würde alles tun.
"Sein Todesurteil ist schon längst besiegelt du Narr. Menschliche Beziehungen wie Freundschaft oder Liebe liegen fernab unserer Natur. Der Natur der dunklen Seite. Sie machen dich schwach." belehrte Snoke seinen Schüler, dessen braune Augen nur so von Schmerz und Schock geweitet waren. Zum ersten Mal realisierte Kylo wer dieser Mann wirklich war, dem er sein Vertrauen geschenkt hatte: ein kaltblütiges Monster. Ein Monster, dass ihm jeden Menschen nahm, den er liebte. Dennoch war Snoke die einzige Zuflucht für ihn gewesen, da er selbst - und das realisierte Kylo jetzt auch - ein Monster war. Er ließ sich bereitwillig von ihm zu seinem Vollstrecker formen, denn es war seine Bestimmung als Enkel von Darth Vader.
"Ich werde mich bessern und alles tun was ihr verlangt. Ich werde mich euch nie wieder widersetzen und das sein, was ihr in mir seht. Nur bitte, lasst ihn gehen." Er konnte ihn nicht auch noch verlieren. Revan war der einzige Anker den er noch hatte und er fühlte sich schon schlecht genug, dass er sie alle mit in diese Sache hinein gezogen hatte. Er hatte sie dazu gebracht ihm bereitwillig zu folgen und sich der Dunkelheit zu ergeben.
"Ich würde nur zu gern auf deine Worte vertrauen, mein Schüler. Bedauerlicherweise hast du mich aber in letzter Zeit zu oft enttäuscht." Snoke versuchte erst gar nicht seine Unzufriedenheit über die Leistungen seines Lehrlings zu verbergen. Als er den jungen Solo fand, hatte er sich wahrlich etwas anderes ausgemalt. Der Enkel von Darth Vader würde derjenige sein, der Skywalker ein für alle Mal aus der Galaxis fegte, dachte er sich damals. Doch nun musste er sich zunehmend eingestehen, dass er sich getäuscht hatte. In dem Jungen gab es einfach zu viel Licht, dass nicht weniger wurde, egal was er tat. Ben Solo ließ seine Eltern immer noch nicht los, genauso wenig wie seine Freunde, die er mit hierher gebracht hatte. Und da Snoke längst erkannt hatte, dass er mit Worten nicht weiter kam blieb ihm nur noch eines: Taten. Alle Personen, die seinen Masterplan gefährdeten, mussten beseitigt werden und niemand anderes als Ben Solo selbst musste sie vernichten. Das hatte er erkannt. Nur so würde er vollständig zu Kylo Ren werden. Selbst wenn die Bomben hochgegangen und die Ritter mit sich genommen hätten, wäre sein Schüler immer noch nicht so geformt, wie er ihn brauchte. Der Krieg wartete schließlich nicht.
"Bitte Meister...ich kann meine Gefühle abstellen, nur bitte tötet ihn nicht, wegen meinen Fehlern." hörte er seinen Schüler kläglich hinter sich flehen, als er zurück zu seinem Thron schritt.
"Beweise es."
"Alles was ihr wünscht." atmete Kylo erleichtert auf, aber er hatte sich mal wieder zu früh gefreut.
"Töte den Ritter Cardo." Jegliche Farbe wich aus dem Gesicht des Schwarzhaarigen.
"Nein...das...das kann ich nicht. Wir sind alle wie Brüder. Ich kann es nicht tun." Er schüttelte vehement seinen Kopf.
"Du hast die Wahl: Entweder Revan oder Cardo. Einer von beiden wird den nächsten Morgen nicht erleben. Ich weiß, dass du die richtige Wahl treffen wirst." lächelte Snoke hämisch und forderte Kylo auf sich zu entfernen. Dieser sah aus, als wäre er gerade höchstpersönlich von einem Raumschiff angefahren worden. Denn Snoke hatte mal wieder Recht gehabt. Kylo wusste was er tun musste, um Revan zu retten. Und obwohl ihm keine andere Möglichkeit blieb, fiel es ihm trotzdem so unglaublich schwer.

DU LIEST GERADE
His Light in the Darkness
Fanfiction"Du glaubst an das Helle in ihm?" Ich nickte, denn auch wenn er sich damals in dem Trohnsaal gegen das Gute, gegen mich entschieden hatte, so würde ich niemals aufhören an den Ben Solo in Kylo Ren zu glauben. Seit ich seine Geschichte kannte, seit i...