Kapitel 1 - Ankunft

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Rey

Der raue Wind von Ahch-To kam mir entgegen, als ich aus dem Millennium Falken lief.
"Chewie, warte hier auf mich!" rief ich dem Wookie noch zu, bevor ich mich auf den Weg machte. Chewbacca hatte sich aus irgendeinem Grund nie mit diesem Planeten anfreunden können und das obwohl er sogar mittlerweile begonnen hatte, die kleinen hier lebenden Porgs zu mögen. Allerdings war Han Solos früherer Begleiter, auch der einzige den ich gerade in meiner Nähe ertragen konnte. Chewie erwähnte mit keinem einzigen Wort die Geschehnisse der letzten Zeit und ließ mich sie so wenigstens kurz vergessen. Wäre es nur Leias Zustand, der sich immer weiter verschlechterte und mir keine Ruhe ließ. Doch es war so viel mehr, was sich in den letzten zwei Jahren aufgestaut hatte. Nie hatte ich die Gelegenheit gehabt, über meine Erlebnisse mit BB8 nachzudenken, die mich weg von Jakku, hinein in einen offenen Konflikt spazieren lassen hatten. Über all das was mir Luke während meiner Zeit hier erzählt hatte, über die ganzen Freunde die ich beim Widerstand gefunden hatte. Meine Familie. Doch wieso fühlte ich mich dann wie eine Ausgestoßene, wenn ich bei ihnen war?
Finn und Rose hingen, seit sie kurz nach der Schlacht von Crait wieder aufgewacht war, jede Sekunde aneinander. Es war nicht so, dass ich ihnen ihr Glück nicht gönnte, aber ich vermisste Finn, meinen besten Freund. Noch nie zuvor brauchte ich ihn so dringend, wie jetzt, wo ich diese Bürde mit mir herum trug, die letzte Jedi Ritterin zu sein. Alle setzten ihre Hoffnung auf mich, dass ich wieder Frieden in die Galaxis bringen würde. Das ich endlich das Gleichgewicht bringen würde, mit einer neuen Generation von Jedi, dass sich jeder seit so langer Zeit wünschte. Doch ich wusste nicht, wie ich das bewältigen sollte, was war wenn ich versagte? Momentan war ich nicht fertig ausgebildet und lediglich ein paar alte Jedi Schriften dienten mir als Anhaltspunkt. Vor die größte Herausforderung stellte mich allerdings mein zerbrochenes Lichtschwert, für das ich immer noch keinen Weg gefunden hatte, um es zu reparieren. War das überhaupt möglich? Stufe für Stufe erklomm ich den Weg, der mich zielsicher zu Lukes Hütte führte. Der kalte Wind peitschte um meine Ohren und mein Körper sehnte sich nach einem wärmenden Feuer und etwas zu essen. Wenn ich mir ein neues Lichtschwert bauen musste, war ich aufgeschmissen. Ich wusste weder wo man einen dafür benötigten Kristall fand, noch wie man den Rest zusammen zu setzen hatte.

Das hier war der letzte Aufenthaltsort von Luke gewesen, bevor er starb. Und irgendwie hatte ich nach der Schlacht auf Crait das Gefühl gehabt, hierher zurückkehren zu müssen. Seit Monaten hatte ich Leia um ihre Erlaubnis gebeten, doch immer war es zu gefährlich gewesen. Einige munkelten, dass die Erste Ordnung seit Monaten diese Insel, den letzten Aufenthaltsort von Skywalker, suchten. Immer noch, obwohl die Nachricht von seinem Tod, doch bestimmt längst bis zu ihnen durchgedrungen war. Jetzt trennten mich nur noch ein paar Meter von Lukes früherem Zuhause. Der dunkle, rustikale Felsen der von weitem hervor ragte, bildete das genaue Gegenteil zu den grünen Wiesen, welche ihn umgaben.
Du bist zu wichtig, Rey. Immer wieder hatte seine Schwester das betont. Sogar kurz vor meinem Abflug hatte sich mich noch daran hindern wollen zu gehen, trotz ihres Zustandes, der uns alle im Dunkeln tappen ließ. Erst als ich Poe versprochen hatte auf mich aufzupassen und Chewbacca mitzunehmen, durfte ich endlich den Abstand nehmen, den ich in dieser turbulenten Zeit brauchte.
Keiner konnte sich erklären, was ihr fehlte. Manche meinten es hinge mit ihrem knappen Überleben bei der Zerstörung der Brücke zusammen, wo sie nur durch die Macht den Weg zurück gefunden hatte, andere meinten es würde an dem Tod ihres Bruders liegen. Und für ein paar wenige war er der Schuldige. Für einen winzigen Moment verlor ich meine Balance, meinen Halt auf den dünnen Keilen aus Stein. Ich hatte wie so oft die letzte Stufe übersehen, die Stelle wo sich die Keile bereits begonnen aus der Erde zu lösen. Wild mit meinen Armen rudernd suchte ich Halt, doch weit und breit gab es nichts wo ich mich hätte festhalten können, als plötzlich etwas sich gegen mich stemmte. Vorsichtig stellte ich mich auf eine Stufe, die mir sicher aussah und entdeckte eine Lanai zwischen meinen Beinen. Sie musste die ganze Zeit hinter mir her gelaufen sein.
"Danke" sagte ich, unsicher ob sie es verstand. Aber mein Lächeln reichte wohl, denn sie drehte sich um und kletterte vorsichtig die letzten Stufen hoch. Behutsam machte ich es ihr nach und seufzte erleichtert, als ich endlich im Dorf der Ureinwohner stand. Die meisten schauten mir, leider im Gegensatz zu der Lanai von gerade eben, nicht sehr erfreut entgegen und beäugten mich argwöhnisch. Sonderlich beliebt hatte ich mich bei meinem letzten Besuch auf dieser Insel wirklich nicht gemacht. Deswegen trugen mich auch meine Beine schnell weiter zu Lukes früherem Rückzugsort.
Seit dem Vorfall in Snokes Trohnsaal hatte ich es vermieden, auch nur einen einzigen Gedanken an ihn zu verschwenden. Doch auf Dauer würde ich ihn nicht ignorieren können, jeden Tag spürte ich seine Präsenz. Das Band zwischen uns wurde durch Snokes Tod nicht zerstört, es war nur noch stärker geworden. Allerdings spielte das für mich keine Rolle mehr. Er hatte sich gegen mich entschieden. Er hatte sich gegen den Frieden entschieden, für die oberste Führung unserer Gegner. Oberster Anführer. Luke hatte Recht gehabt. Wie konnte ich nur denken, dass in Kylo Ren noch ein Teil von dem früheren Ben Solo übrig war?

Kylo

"Tu das nicht Ben. Bitte geh nicht diesen Weg!"

Wie so oft wachte ich nach diesen Worten auf. Ihr mit Tränen überströmtes Gesicht noch im Kopf, welches mir gerade eben im Traum noch gegenüberstand. Diese Träume ließen mir keine Ruhe mehr. Bereits als kleines Kind hatte ich keinen guten Schlaf gehabt, doch seit meiner Zeit bei Snoke und der ersten Ordnung, waren erholsame, ruhige Nächte eine Illusion geworden. "Oberster Anführer!" In letzter Zeit, war ich jedem dankbar, der mich von diesen Bildern ab lenkte. Sogar Hux, wenn er mich, wie jetzt, an meine Pflichten erinnerte. An die Führung, die nun in meinen Händen lag.
"Ja?" erkundigte ich mich bei dem General, der bereits vor der Tür meines Quartiers wartete. Seine orangen Haare waren perfekt zurück gegeelt, die Uniform saß wie an gegossen und wies keinerlei Falten auf. Das altbekannte hämische Grinsen legte sich auf Hux Gesicht, als er mich von oben bis unten musterte.
"Sie haben ja immer noch das Gewand von der Schlacht auf Hoth an." Die alte Rebellenbasis auf dem eisigen Planeten war schnell eingenommen gewesen. Lediglich ein paar Widerstandskämpfer hatten sich uns entgegen gestellt und trotzdem hatte mich einer an der Schulter getroffen. Meine Kleidung war von einer Mischung aus Schweiß und Blut getränkt und klebte, wie eine zweite Haut, an meinem Körper. Albträume ließen einen eben vieles vergessen.
"Ich hoffe, Sie haben wenigstens neue Erfolge vorzuweisen?" Hux grinsende Visage verschwand.
"Unsere Truppen wurden auf alle möglichen Planeten entsandt, aber der Widerstand ist unauf"
"Suchen Sie gefälligst SCHNELLER!" schrie ich und registrierte mit Freuden die Angst, die nun diesen unfähigen General überkam.
Wieso akzeptierte ich ihn überhaupt länger in meinen Reihen? Schon während Snokes Regentschaft hatte mich dieses Thema beschäftigt. Dennoch würde ich ihn noch brauchen. Er war nun mal der Befehlshaber der Armee und ohne eine solche konnte ich den Widerstand nicht zerstören. Und sie auch nicht. Die Wut packte mich von neuem, als sie vor meinen Augen meine Hand erneut verschmähte. Ich hatte für sie alles aufgegeben, ich hatte meinen Meister für sie getötet und wollte mit ihr eine neue Galaxis erschaffen.
Blitzschnell schoss meine Hand hervor und sorgte dafür, dass Hux die Luft weg blieb.
"Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?" fragte ich und drückte die Atemwege meines Gegenübers noch mehr zusammen. Huxs Haut wurde bleicher, als sie ohnehin schon war und am liebsten hätte ich ihn an Ort und Stelle beseitigt. Doch dieser Moment war noch nicht gekommen und so löste ich meinen Griff um seinen Hals, als er nickte. Zusammengesunken ließ ich ihn liegen und zog mich wieder in mein Zimmer zurück.
Ich wollte ein Leben ohne Snoke, ohne Skywalker, ohne Hux. Ohne jemanden der mich herum kommandierte. Ohne Krieg. Ich wollte frei sein. Ich wollte das die Vergangenheit stirbt, sie endgültig hinter mir lassen. Ich dachte einmal Rey ginge es genau so. Doch sie hatte mich verraten, wie alle anderen vor ihr.

Nach ein paar Stunden, wagte ich mich erneut vor die Tür. Der Oberste Anführer konnte sich nicht auf ewig verkriechen. Hux hatte sich schon lange verzogen und das war mir nur Recht.
Im Trohnsaal erwarten mich schon die anderen Ritter von Ren. Sie standen mir seit Jahren zur Seite und befolgten ihre Befehle ohne zu zögern. Kennengelernt hatte ich sie in der ehemaligen Akademie von Luke. Sie waren die einzigen, die mir in der entscheidenden Nacht gefolgt waren. Zu Snoke.
"Ich hoffe ihr könnt mir erfreulichere Nachrichten als General Hux überbringen." sagte ich mit kalter Stimme und schaute sie fragend an, während ich auf Snokes ehemaligen Trohn Platz nahm. Meinem Trohn.
"Aber natürlich Oberster Anführer. Wir haben in den letzten Tagen unser Training nochmal verfeinert und sind perfekt vorbereitet auf kommende Missionen." Revan hatte sich aus der Gruppe gelöst und war nach vorne getreten. Nach Snokes Tod hatte ich ihn zu meinem Stellvertreter ernannt. Nur über meine Leiche hätte ich Hux diesen Posten überlassen.
Ich nickte zufrieden.
"Der Widerstand wird durch unsere Hand zerfallen und wir werden über die Galaxis herrschen, ihr Frieden und eine neue Ordnung bringen!"
Sie stimmten mir voller Euphorie zu. Es war noch gar nicht so lange her, da hatte ich ähnliche Worte zu jemand anderem gesagt. Hatte jemand anderem angeboten, mit mir über die Galaxis zu herrschen und ihr eine neue Ordnung zu bringen.

His Light in the DarknessGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt