Kylo
"Erzähl es mir nochmal!" forderte ich und griff nach der angebrochenen Whisky Flasche in der Mitte des Tisches, um mir nach zuschenken. Normalerweise trank ich nicht wirklich, denn ich zog es vor die absolute Kontrolle zu behalten. In letzter Zeit war der Alkohol allerdings zu einem meiner treusten Begleiter geworden. Mir war durchaus bewusst, dass dieser übermäßige Konsum mich kein Stück weiterbrachte, aber das war mir vollkommen gleichgültig. Das Einzige was ich momentan wollte, war zu vergessen.
"Also" setzte Revan an und führte sein Glas an den Mund, um einen großzügigen Schluck zu nehmen. Seit ich vor ein paar Wochen heraus gefunden hatte, dass er sich mit ähnlichen Problemen herum schlagen musste, leerten wir beinahe täglich zusammen eine Flasche in meinem Quartier. Heute hatte der Ritter es sogar vollbracht, einen von Huxs edlen Whiskys aufzutreiben.
"Sie hat sich auf ihren Speeder gesetzt und gedroht, dass sie mich umfährt." Ich prustete erneut los, während mein bester Freund frustriert sein Glas in einem Zug leerte. Es tat gut zu wissen, dass nicht nur ich komplett in der Frauenwelt versagte. Die durchsichtige Flüssigkeit brannte in meinem Hals, als ich meinen Inhalt ebenfalls hinunter kippte. Viel fehlte nicht mehr, um die Grenze zur Gleichgültigkeit zu überschreiten.
"Aber genug von meinem verkorksten Privatleben." setzte Revan hinterher und ich riss ihm die Flasche aus den Händen, um schnell mein Glas wieder aufzufüllen. Ich wusste genau, welches Thema er als nächstes anschneiden würde. Momentan gefiel mir der sturzbetrunkene Revan deutlich besser. Der stellte wenigstens keine nervigen Fragen.
"Hast du dich endlich bei Rey gemeldet?" Ich ließ mir ausgiebig Zeit meinen Becher zu leeren, bevor ich ihm antwortete. Letztendlich gab ich ihm die gleiche Antwort wie vor ein paar Tagen.
"Warum sollte ich?"
"Vielleicht weil sie dich nicht mit einem Speeder umfahren wollte? Nur so eine Vermutung." Mein bester Freund hob abwehrend seine Hände, als ich ihm einen genervten Blick schenkte. Der hatte leicht reden. Von mir aus hätte Rey gern zehn Versuche unternehmen können, mich mit dem Falken umzufliegen. Das wäre mir bei weitem nicht so nah gegangen wie ihre Worte.
"Seit wann bist du denn so ein Liebesexperte?" Mit zusammen gekniffenden Augen fixierte ich mein Gegenüber, was Revan die Gelegenheit gab, den Whiskey wieder unauffällig an sich zu reißen. Das schlimmste an der ganzen Situation war, dass ich nicht einmal wusste, was ich falsch gemacht hatte. Ehrlich gesagt dachte ich sogar, dass ich auf einem guten Weg wäre, der Mann zu werden, den sich Rey wünschte. Aber vielleicht lag es genau daran. Vielleicht war ich zu sehr auf sie fixiert gewesen, ohne darauf zu achten, was das ganze mit mir anstellte.
Ich wollte diesen Neuanfang mit Rey, keine Frage. Ich wollte den Rest meines Lebens in Freiheit verbringen, ohne irgendjemanden verpflichtet zu sein. Die Einzige an die mich für immer binden würde war Rey. Und vielleicht, ganz vielleicht wenn es das Schicksal es gut mit uns meinte, würden wir irgendwann unsere eigene Familie gründen.
Aber selbst diese blühende Zukunft war es nicht wert alles zu überstürzen. Ich musste mit mir ins Reine kommen, mit mir selbst Frieden schließen. Ansonsten würde ich die Vergangenheit niemals ruhen lassen können.
"Ich mein ja nur, Bro. Entschuldige dich lieber, bevor es zu spät ist." riss mich Revan aus meinen Gedanken.
"Wieso muss ich immer derjenige sein, hm? Ich habe es satt ihr andauernd hinterher zu laufen!" rief ich aus, bevor wir zeitgleich unsere Getränke exten. Revan schien diese Ladung endgültig die Kante gegeben zu haben, denn er ging nicht weiter auf meine Aussage ein. Das Gespräch entwickelte sich zu der vertrauten, unkontrollierten Unterhaltung, bei der es egal war was man wirklich sagte. Letztendlich lachten wir beide immer ausgelassen und ich genoss dieses Gefühl in vollen Zügen. Revan faselte irgendetwas über seltsame Piloten, mit denen er sich in irgendwelchen Kasinos besoffen hatte, während er auf Mission mit den anderen Rittern gewesen war. Das ganze ging soweit, dass er irgendwann zugab eine von Lukes Roben geklaut zu haben.
"Ich bin stolz auf dich, Revani." lallte ich und stand wackelig auf, um ihn für seine Heldentat zu umarmen. Nicht auszudenken, was man alles mit der Kleidung von meinem Onkel anstellen könnte. Sie würde auf jeden Fall guten Brennstoff für mein nächstes Lagerfeuer abgeben.
"Schon wieder die Spitznamen Nummer?" fragte mein persönlicher Held genervt, nur um im nächsten Moment bei meinem bösen Blick wieder in Lachen auszubrechen.
"Ich mach nur Spaß, Benny." Er erhob sich ebenfalls und wuschelte mit seiner Hand durch meine Haare, nur um im nächsten Moment zurück in seinen Stuhl zu fallen. Ohne den harten Alkohol hätte ich diese Geste niemals zugelassen. Zumindest nicht von Revan. Verdammt, wie viel musste ich denn noch trinken, um Rey aus meinen Gedanken zu verbannen?
"Gib mir die Flasche!" Ich machte eine fordernde Handbewegung in die Richtung meines besten Freundes, welcher sofort meiner Bitte nachkam. In den nächsten Minuten bekam ich genau zwei Dinge mit: Zum einen Revans verzweifelte Versuche ein paar Schritte durch den Raum zu gehen, ohne gleich umzukippen. Zum anderen wie immer mehr brennender Alkohol den Weg in meinem Magen fand. Das ganze Spektakel wäre wahrscheinlich noch ewig so weiter gegangen, hätte es nicht an der Tür geklopft. Ich biss ächzend meine Zähne aufeinander, als ich die Flasche von meinen Lippen absetzte, um zur Tür zu gehen. Aber Revan kam mir zuvor.
"Ich geh schon! Ich geh schon!" rief er aufgeregt und lag in der nächsten Sekunde der Länge nach auf dem Boden. Es folgte ein weiteres Klopfen, dieses Mal um einiges lauter. Der Ritter schnaufte laut.
"Ist ja gut! Nicht jeder ist so schnell wie du, du Clown!" schrie er die Tür an und richtete sich langsam wieder auf. Schritt für Schritt schleppte er sich torkelnd zur Tür, bevor er sie schwungvoll aufriss.
"Ich muss mit dem Obersten Anführer sprechen. Auf der Stelle!" Blitzartig griff ich erneut zu dem Whisky, sobald ich die nervige Stimme des General hörte. Die Meetings mit Hux waren schon eine Qual für alle Beteiligten, aber am schlimmsten waren seine privaten Vorträge, die er mir manchmal auch spät am Abend hielt. Obwohl Vorträge konnte man das gar nicht nennen. Es waren eher laute, lästige Monologe.
"Oh mein Gott, Benny! Wir haben einen Ehrengast!" wandte sich Revan begeistert an mich und bat Hux herein. Dieser Mann war einfach zu anständig, ich hätte den General eiskalt draußen stehen lassen. Betrunken hin oder her.
Hux rümpfte angewidert seine Nase bei dem Geruch von Alkohol und Schweiß, welcher sich im ganzen Zimmer ausgebreitet hatte. Beiläufig schob er dreckige Kleidungsstücke zur Seite, sehr darauf bedacht mit seinen glänzenden Stiefeln nicht in irgendeine Spirituosenpfütze zu treten.
"Oberster Anführer-" Ich stoppte sein Geschwafel augenblicklich mit meinem ausgestreckten Zeigefinger und trank die letzten Tropfen des berauschenden Whiskys. So viel Zeit musste sein, erst recht, wenn man es mit so einer Nervensäge wie Hux zu tun hatte. Wir zuckten beide beinahe gleichzeitig zusammen, als die Tür krachend zurück ins Schloss fiel und der Raum erzitterte.
"Sorry." grummelte Revan kleinlaut und taumelte zurück zu seinem Stuhl. Dabei musste er sich mehr als einmal an der Wand abstützen.
"Oberster Anführer, vor ein paar Stunden hat ein Meeting stattgefunden. Ihre Abwesenheit hat für ausreichend Gesprächsstoff gesorgt. Viele Offiziere haben Zweifel an Ihren Führungsqualitäten." sagte Hux todernst und für ein paar Sekunden war absolute Stille im Raum.
"Und nach mir hat niemand gefragt? Nicht einmal Quinn, den ich so gern zum Holoschach einlade? Das verletzt mich schon sehr!" seufzte Revan theatralisch, bevor wir beide in schallendes Gelächter ausbrachen. Tatsächlich hatte mein bester Freund den Offizier oft mit angeschleppt, aber er war die ganze Zeit so angespannt und nervös gewesen, dass er nicht einen vernünftigen Zug gesetzt hatte. General Hux war ebenfalls angespannt, aber nicht vor Angst, sondern vor Wut.
"Sie können gern auch mal kommen, General. Sie sind mein Lieblingsgeneral, wissen Sie? Diese außergewöhnlichen Haare." Verträumt streckte Revan seine Hand nach Hux Frisur aus, der augenblicklich ein paar Schritte nach hinten trat. Die Lippen hatte er fest zusammen gepresst und seine Hände zu Fäusten geballt.
"Danke, ich verzichte." sagte er kühl und musste sichtlich seine ganze Kraft aufbringen, nicht gleich einen Wutanfall zu erleiden. Sein Vorsatz war schnell vergessen, als er die leere Flasche auf dem Tisch hinter uns entdeckte.
"Ist das mein teurer Whisky? Das habt Ihr euch nicht ernsthaft getraut!" schrie er und hechtete nach vorn, um die Flasche an sich zu reißen. Ich beschloss noch eine Schippe drauf zu legen und griff sie vor seiner Nase weg.
"Ich muss schon sagen: Ihr habt einen exzellenten Geschmack, General. So einen Whisky bekommt man normalerweise nur in den teuersten Kasinos auf Canto Bight angeboten." führte ich aus und las nacheinander die einzelnen Inhaltsstoffe der Spirituose vor, während ich durch den Raum schwankte. Das Zeug hatte mich schon so weit aus der Fassung gebracht, dass ich Hux im Vorbeigehen leicht auf die Schulter klopfte, um ihn noch weiter provozieren.
"Ich will für euch beide hoffen, dass noch etwas übrig ist!" sagte Hux mit einem gefährlichen Unterton und sah abwechselnd zwischen Revan und mir hin und her. Da konnte er lange hoffen.
"Also was das angeht ähm..." Spätestens als der Ritter und ich uns vielsagende Blicke zuwarfen, konnte ich mein Feixen nicht mehr zurückhalten. Es rumste laut, als Revan von seinem Stuhl fiel und sich am Boden vor Lachen kugelte.
"Also ähm...Ich bedanke mich für das tolle Getränk und-"
"Und das nächste Mal kriegst du was ab, Huxilein! Also nicht traurig sein, ja?" beendete Revan meinen Satz und ich zeigte ihm einen Daumen nach oben. Besser hätte ich es nicht sagen können. Achtlos warf ich die Flasche hinter mich, wo sie vor Hux Füßen in tausend Teile zerbrach.
"Das wird Konsequenzen haben. Das alles. Sie sind eine Blamage und der grauenhafteste Anführer, den die Erste Ordnung je hatte!" brüllte der General zornig, was mich auf der Stelle stehen bleiben ließ. Langsam torkelte ich auf ihn zu und sah ihm tief in die Augen.
"Soweit ich mich erinnere, wurde ihre heilige Erste Ordnung vor mir von einem alten, schrumpeligen Mann regiert, der Sie als...Scheiße Revani, ich habe es vergessen!"
"Tollwütiger Köter! Tollwütiger Köter!" ertönte es von heiter hinten und Hux zuckte zusammen.
"Er hat Sie als tollwütiger Köter bezeichnet. Sehen Sie?" lallte ich und musste mich gezwungenermaßen an Hux Schulter festhalten, um nicht gleich umzukippen.
"Was soll ich sehen?" fragte der General ungeduldig und versuchte mich von sich wegzuschieben, jedoch ohne Erfolg.
"Es kann nur besser werden. Danke mein treuer Freund!" rief ich in Richtung von Revan, der sich daraufhin grinsend verbeugte. Was würde ich nur ohne ihn tun? Hux zog derweil ein Gesicht, als hätte man ihn in einen Raum mit zwei Verrückten eingesperrt. Er würde irgendwann schon merken, dass er als Einziger nicht klar bei Verstand war.
"Nicht traurig sein, General. Es gibt noch jemanden, der Sie mag, nämlich die BB-Einheit, die den Dreck jeden Tag aufsammelt." lachte ich laut und Revan stimmte mit ein. Mir verging das Lachen augenblicklich, als mein Magen laut rumorte und im nächsten Moment hatte ich den Geschmack von Erbrochenen im Mund. Hux schrie entsetzt auf, als ich den gesamten Inhalt meines Magens auf seine Stiefel spuckte.
"Guck Huxilein, du kriegst doch noch was ab." sagte Revan euphorisch, während der General, gleichermaßen fassungslos und angeekelt, abwechselnd seine ruinierten Schuhe und mich anstarrte.
"Das wars!" tobte er und stürmte aus dem Raum, wobei er eine breite, klebrige Spur an Erbrochenem hinterließ.
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His Light in the Darkness
Fanfiction"Du glaubst an das Helle in ihm?" Ich nickte, denn auch wenn er sich damals in dem Trohnsaal gegen das Gute, gegen mich entschieden hatte, so würde ich niemals aufhören an den Ben Solo in Kylo Ren zu glauben. Seit ich seine Geschichte kannte, seit i...
