Freunde?

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Ich saß gerade im Schneidersitz auf einem der großen Sessel im Gemeinschaftsraum, mein Buch auf meinem Schoß und stierte in Gedanken verloren in irgendeine Richtung, als ich hörte, wie jemand meinen Namen rief.
„Hey, Grace.", Remus kam die Wendeltreppe der Jungen Schlafsäle zu mir herunter. Außer uns war der Gemeinschaftsraum komplett leer. „Ich hoffe du musstest nicht lange auf mich warten."
„Nein alles gut.", ich schüttelte schnell den Kopf.

„Und? Was liest du momentan?", fragte er mich und ließ sich dabei neben mich auf den anderen Sessel fallen.
„Ich habe gestern Abend ein Fantasy Buch beendet, das „Die Hüter der Wolken" heißt. Es ist sooo cool und dann war ich heute Früh in der Bibliothek und habe jetzt den zweiten Band.", stolz streckte ich ihm das Buch entgegen.
Vorsichtig nahm er es um es sich anzusehen.

„Erzähl mir mehr von dem ersten Band.", bat er mich.
Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer. Ich war so glücklich, dass er sich für das zu interessieren schien, was ich so gerne mochte. Freudestrahlend berichtete ich ihm, alles nennenswerte, was mir zu der Geschichte einfiel. Während meiner Erzählung bemerkte ich, dass er immer abwechselnd mich und dann das Buch in seiner Hand ansah. Als ich geendet hatte, sah ich ihn glücklich an.

Sein Lächeln wirkte etwas verträumt, und ich fragte mich, ob ich vielleicht zu viel geredet hatte und seine Gedanken deshalb abgedriftet sind. Hatte ich ihn etwa gelangweilt? War ich egoistisch, dass ich nur von meinen Interessen erzählte? Mein Lächeln schien etwas zu verrutschen denn Remus fragte plötzlich: „Hey, Grace? Alles okay?"
„Ja.", antwortete ich: „Es ist bloß; nerve ich dich?"
Meine Frage schien ihn ehrlich zu verblüffen: „Du? Mich nerven? Auf keinen Fall! Ich liebe es, dir zuzuhören. Ähm also ich meine, es macht halt Spaß weißt du? Also, wenn du so erzählst und deine Augen dabei so strahlen. Ja jedenfalls, nein! Du nervst mich nicht." Bei den letzten Sätzen wurde Remus immer röter im Gesicht und drehte sich nun beschämt weg.
Doch auch ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden.

„Erzähl doch mal von deinem aktuellen Buch. Was liest du gerade?", fragte ich ihn, um uns beide etwas abzulenken, vom etwas peinlichen, aber eigentlich super süßen gesagten von Remus. Während er erzählte, wanderten seine Augen immer im Raum herum und ab und zu zu mir. Darum hatte ich Zeit, ihn auch etwas bei seinem Monolog zu beobachten. Immer sobald er von einer besonders aufregenden oder guten Stelle im Buch berichtete, leuchten seine Augen aufgeregt. Das war es also, was er auch bei mir gesehen hatte. Irgendwie sah er dabei süß aus. Und er hatte auch echt schöne Augen. Und seine Haare sind bestimmt weich. Also sie sehen sehr weich aus.

„ ...so cool, nicht wahr?", fragte er mich plötzlich und riss mich damit aus meinen Gedanken.
„Ja stimmt.", ich versuchte, begeistert und überzeugend zu klingen, obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich gerade zugestimmt hatte. Meine Gedanken von vorhin probierte ich schnell wieder zu vergessen. Keine Ahnung, was da vorhin los war.
„Jedenfalls bin ich echt traurig, dass die Trilogie schon vorbei ist. Ich finde man hätte auch noch etwas mehr aus diesem Fiktionalen Universum herausholen können. Aber eventuell wäre das dann etwas zu viel. Naja wer weiß.", endete Remus seine Erzählung, wovon ich zugegebenermaßen nicht sonderlich viel mitbekommen hatte.

Es war noch ein sehr schöner Tag und so gegen Nachmittag kehrten die ersten Schüler aus Hogsmeade zurück. Irgendwann kamen auch Lily und Alice und fragte mich, ob ich nicht mit ihnen in den Schlafsaal wollte, um etwas zu spielen oder zu quatschen. Um ehrlich zu sein, wollte ich lieber etwas mehr Zeit mit Remus verbringen aber gleichzeitig wollte ich auch unangenehmen Fragen von Lily und Alice im Bezug auf unsere Beziehung zueinander aus dem Weg gehen. Denn um ehrlich zu sein, kannte ich die Antwort auf die Frage, was Remus und ich eigentlich waren selbst nicht.

Ich verstand mich super mit ihm, und in seiner Nähe fühlte ich mich auch wirklich wohl. Ich würde schon sagen, dass wir Freunde waren. Doch ab und zu, wenn seine Augen gerade so hell leuchten und er lächelte und dabei den ganzen Raum zu erhellen schienen. Da spürte ich etwas im Magen. So, als ob eine Schnur um meine Organe gebunden wurde und jemand von außen einmal kurz daran zog. Doch wirklich Schmerzen tat es nicht. Meist ignorierte ich es einfach doch insgeheim wollte ich es wieder spüren. Freunde! Das waren wir. Ganz sicher. Ich ignorierte den Drang, bei Remus im Gemeinschaftsraum zu bleiben, verabschiedete mich von ihm und folgte Lily und Alice. Es war sowieso besser, jetzt zu gehen, als abzuwarten, bis die Rumtreiber wieder auftauchen und noch einen Grund hatten mich auszulachen.

smile or you have to explain || RumtreiberGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt